Sachsen-Anhalt
Böhmer hält Kurs gegen NPD-Mann für richtig
Regierungschef weist Kritik zurück - «Staat muss Zeichen setzen»
VON Kai Gauselmann, 30.12.07, 22:17h, aktualisiert 30.12.07, 22:34h

Vor der Kulisse der Frauenkirche steht ein Schornsteinfeger in München (Oberbayern) für ein Neujahrsfoto. (Foto: dpa)
Magdeburg/MZ. "Was das betrifft, muss
der Rechtsstaat auch klare Zeichen setzen",
sagte Böhmer der MZ. Zwar müsse vor allem
die politische Auseinandersetzung mit Rechtsextremen
verstärkt werden: Es sei wichtig, ihre Anhänger
zu überzeugen, dass sie auf einem Irrweg seien.
Böhmer sieht darin aber keinen Widerspruch
zum Vorgehen gegen den Schornsteinfeger mit
NPD-Mandat. "Das eine ist die politische Auseinandersetzung
mit einer extremistischen Partei, deren abstruse
Ansichten zu widerlegen sind. Das andere betrifft
die Wahrnehmung von quasi hoheitlichen Aufgaben",
so Böhmer.
Schornsteinfeger Lutz Battke aus Laucha (Burgenlandkreis)
soll seinen Kehrbezirk verlieren, weil er
für die NPD im Kreistag sitzt und laut Innenministerium
ein führender Rechtsextremer der Region ist.
Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU)
hatte das Vorgehen, faktisch ein Berufsverbot,
mit Verweis auf das Kehrmonopol begründet:
Schornsteinfeger hätten ein ähnliches Treueverhältnis
zum Staat wie Beamte. Staatsrechtler kritisierten,
dass unter anderem das Recht auf freie Meinungsäußerung
verletzt werde (die MZ berichtete).
Laut Innenstaatssekretär Rüdiger Erben
(SPD) könnte sich Battkes Fall durch eine
Pressemitteilung noch verschärfen. Im Internet
hat der NPD-Kreisverband ein Foto von Battke
in Schornsteinfeger-Montur mit Innungszeichen
eingestellt. In der Hand hält er eine CD,
laut Erben möglicherweise die "Schulhof-CD"
der NPD. Falls sich bewahrheitet, dass Battke
in Berufskleidung mit NPD-CD posierte, will
die Schornsteinfeger-Innung rechtliche Schritte
prüfen. "Wir wollen unser Innungs-Signet nicht
im Zusammenhang mit der NPD-CD sehen", so
Thomas Keindorf, Landesinnungsmeister und
Präsident der Handwerkskammer Halle. "Das
Handwerk distanziert sich von rechtsextremem
Gedankengut."
Erben empörte sich auch über den Text der
Pressemitteilung. Die NPD kritisiert das Vorgehen
des Landes als grundgesetzwidrig und als "offener
Rechtsbruch einer selbstherrlichen Politikerkaste,
die auch mit kriminellen Mitteln für ihren
Machterhalt kämpft". Das Schreiben endet unter
anderem mit dem Aufruf "Hanf zu Seilen! Und
Laternen zu Galgen...". "Die tun immer so,
als wären sie die netten Rechten von nebenan.
Jetzt reißen die sich die Maske vom Gesicht",
so Erben.



































