Parteien und Finanzen
Weniger Geld für Rechte statt Verbotsverfahren
Schwächung auf Umwegen: Sorgfältiger Umgang mit Steuergeldern - Streit um BKA
erstellt 06.12.07, 11:28h, aktualisiert 07.12.07, 08:13h

Innenminister von Union und SPD wollen die
rechtsextremistische Szene finanziell so weit wie möglich
austrocknen. (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Angesichts der Hürden für ein neues NPD-
Verbotsverfahren streben die Innenminister zunächst eine finanzielle
Schwächung der rechtsextremistischen Szene an. Dies könne ein
Zwischenschritt sein, sagte der Vorsitzende der
Innenministerkonferenz, Berlins Innenminister Ehrhart Körting (SPD),
am Donnerstag in Berlin. Teils uneins waren sich die Ressortchefs zum
Auftakt ihres zweitägigen Treffens über die geplanten neuen
Kompetenzen für das Bundeskriminalamt (BKA). Beschlüsse werden für
diesen Freitag erwartet. Kritik kam von der Opposition.
NPD-nahe Stiftungen, die verfassungsfeindliche Propaganda
verbreiteten, dürften keine Steuergelder erhalten, sagte Körting.
Entsprechenden Vereinen müsse zudem die Gemeinnützigkeit aberkannt
werden, so dass Spenden an sie nicht mehr steuerlich absetzbar seien.
Ausdrückliche Unterstützung erhielt Körting von Bayerns Innenminister
Joachim Herrmann (CSU). Der NPD selbst könne der Gesetzgeber die
Parteienfinanzierung nicht streichen, solange die Partei nicht
verboten sei, betonten mehrere Ressortchefs. «Wir werden an dem Thema
dranbleiben», versicherte Körting.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, in der
Verurteilung der NPD seien sich alle einig. Brandenburgs
Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) signalisierte Unterstützung für
Körtings Pläne, zeigte sich aber «skeptisch, ob das Wirkung hat».
Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) ergänzte, nötig
sei auch, dass Unterstützer gebrandmarkt würden. Der hessische
Innenminister Volker Bouffier (CDU) betonte, auch linken oder
ausländischen Extremisten müsse die Förderung entzogen werden.
Stegner sprach sich dafür aus, erneut die Voraussetzungen für ein
NPD-Verbotsverfahren zu prüfen. Ein erstes Verfahren war 2003 beim
Bundesverfassungsgericht gescheitert. Der Vorsitzende des
Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), zeigte sich im
SWR zuversichtlich, dass die derzeit erarbeitete Materialsammlung aus
Bund und Ländern für einen neuen Verbotsantrag ausreiche. Schäuble
sicherte zu, die Materialien dann rasch den Fraktionen zuzuleiten.
Bouffier sagte: «Selbst wenn es gelänge, die NPD zu verbieten, hätte
man weder die Kameradschaften, noch die Skinheads, noch die Neonazis
dabei.» Ein erneutes Scheitern eines Verbotsantrags in Karlsruhe wäre
«eine Katastrophe».
Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der dpa, die Vorschläge reichten
nicht. Entscheidend wäre vielmehr eine langfristige Unterstützung der
dagegen gerichteten Projekte. Die Innenexpertin der Linken, Ulla
Jelpke, kritisierte, es gebe keine staatlich anerkannte NPD-Stiftung.
Weite Teile der Neonaziszene seien nicht in Vereinen organisiert.
Die NPD gerät auch von anderer Seite unter Druck. Die
Bundestagsverwaltung setzte der Partei eine Frist bis kommenden
Montag, um sich zu neuen Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeiten zu
äußern. Der Partei droht erneut eine empfindliche Strafe.
Im Koalitionsstreit um das geplante Gesetz für das
Bundeskriminalamt (BKA) forderte Bouffier, mit dem
Gesetzgebungsverfahren jetzt zu beginnen. Andernfalls sei das
Zustandekommen in dieser Legislaturperiode gefährdet. Mit den
geplanten erweiterten BKA-Befugnissen zur Terrorbekämpfung will
Schäuble auch die umstrittenen Online-Durchsuchungen aufnehmen.
«Das Problem ist immer noch das Beharren Schäubles auf Online-
Durchsuchungen», sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Karl
Peter Bruch (SPD). Die SPD wolle erst das im März erwartete
Verfassungsgerichtsurteil dazu abwarten. Körting forderte eine
klarere Abgrenzung der geplanten BKA-Ermittlungsbefugnisse zu jenen
der Landeskriminalämter. Wie Körting warnte auch die Deutsche
Polizeigewerkschaft vor drohenden Doppelzuständigkeiten.
Auf Antrag Hamburgs sollen Bund und Länder Material gegen die
Organisation Scientology sammeln, um die Basis für ein Verbot zu
prüfen, wie Körting mitteilte.












































