Sachsen-Anhalt
LKA-Chef nach Vorwürfen zurückgetreten
Frank Hüttemann zieht Konsequenzen nach Kritik an «geschönter» Kriminalstatistik
erstellt 28.11.07, 14:57h, aktualisiert 28.11.07, 21:31h

Der Direktor des Landeskriminalamtes (LKA) von Sachsen-Anhalt, Frank Hüttemann, während einer Pressekonferenz in Magdeburg. Hüttemann ist von seinem Amt zurückgetreten. (Foto: dpa)
Magdeburg/dpa. Nach politisch brisanten Veränderungen der
Kriminalstatistik ist der Direktor des Landeskriminalamts (LKA)
Sachsen-Anhalt, Frank Hüttemann, zurückgetreten. «Er übernimmt damit
die Verantwortung für Fehler in der Kommunikation zur
Kriminalstatistik zwischen dem Landeskriminalamt und dem
Innenministerium», sagte Innenminister Holger Hövelmann (SPD) am
Mittwoch in Magdeburg. Das LKA hatte ohne Wissen des Ministeriums
begonnen, eindeutig rechte Straftaten, deren Täter nicht bekannt
sind, als politisch uneindeutig einzuordnen. Somit sank im ersten
Halbjahr 2007 in der Statistik die Zahl rechter Straftaten deutlich.
Die politische Brisanz, Statistiken zu verändern und damit hohe
Fallzahlen zu senken, habe erkannt werden müssen, sagte Hövelmann.
Sachsen-Anhalt war in den vergangenen Monaten immer wieder mit
rechtsextremistischen Übergriffen in die Schlagzeilen geraten.
Hüttemann habe ihn in einem persönlichen Gespräch gebeten, von seinen
Aufgaben entbunden zu werden. Dem Wunsch habe er entsprochen, sagte
der Innenminister.
In der Kriminalstatistik für das erste Halbjahr war die Zahl
rechtsextremistisch motivierter Straftaten deutlich gesunken - wie
sich herausstellte, durch die neue Zählweise des LKA. Hövelmann
bezeichnete es als Fehler, dass dies nicht in Abstimmung mit dem
Innenministerium passierte. Sein Ministerium habe erst vor rund drei
Wochen von dem Vorgehen erfahren, er habe umgehend eine Rückkehr zur
alten Zählweise angeordnet. Insgesamt würden etwa 200 rechtsextreme
Delikte aus dem ersten Halbjahr 2007 auf ihre korrekte Zuordnung
überprüft.
Hövelmann betonte, das LKA habe sich innerhalb der bundesweit
geltenden Richtlinien zur Erfassung rechter Straftaten bewegt.
Hüttemann sei keine persönliche Schuld vorzuwerfen. Dennoch trage er
die Gesamtverantwortung für das Handeln des LKA. Der Minister
betonte, gerade vor dem Hintergrund mehrerer aufsehenerregender
rechtsextremer Straftaten im Land müsse das Handeln dagegen
zweifelsfrei sein und dürfe nicht in Frage gestellt werden.
Die Zahl der politisch motivierten Straftaten in Sachsen-Anhalt
war im ersten Halbjahr 2007 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um
rund die Hälfte auf 462 zurückgegangen. Rechtsextreme begingen der
Statistik zufolge 248 Delikte, darunter 31 Gewalttaten. Auf das Konto
von Linksextremen gingen 51 Delikte, darunter sieben Gewalttaten. Der
Minister sagte, die Zahlen würden auch nach der Überarbeitung der
Statistik rückläufig sein.
Die Linke und die Grünen Sachsen-Anhalts begrüßten den Rücktritt.
Wenn es so ist, dass das LKA die Zählweise für rechtsextremistisch
motivierte Straftaten veränderte, sodass sich die Zahl im ersten
Halbjahr halbierte, ist der Schritt von Herrn Hüttemann richtig,
sagte die rechts- und innenpolitische Sprecherin der LINKEN, Gudrun
Tiedge laut einer Mitteilung. «Dieser Schritt ist richtig und bietet
die Chance, bei einem nun möglichen Neuanfang Vertrauen in vom LKA
erstellte Daten wieder herzustellen», teilte die Landesvorsitzende
der Grünen, Undine Kurth, schriftlich mit.
Hövelmann sagte, über eine Nachfolge Hüttemanns werde in den
kommenden Tagen entschieden. Es werde auch noch entschieden, wo der
ehemalige LKA-Chef künftig seinen Dienst versieht.












































