Sachsen
Neonazi-Kameradschaft «Sturm 34» in Mittweida aktiv
Mitglieder der verbotenen Gruppe mit bürgerlichem Auftreten - Verbindung zu Überfall?
erstellt 26.11.07, 14:04h, aktualisiert 26.11.07, 14:04h

Die beiden Fotos zeigen zwei von der Polizei veröffentlichte Phantombilder von Tatverdächtigen, die mit zwei weiteren Männern am 3. November in Mittweide eine 17-Jährige angegriffen haben sollen. (Foto: dpa)
Mittweida/ddp. Die verbotene
Neonazi-Kameradschaft «Sturm 34» ist nach Angaben eines Bürgerbündnisses auch weiterhin in der
Region Mittweida aktiv. Ein Sprecher des «Bündnisses für
Menschenwürde - gegen Rechtsextremismus im Landkreis Mittweida»,
sagte am Montag auf ddp-Anfrage, die Gruppe habe sich äußerlich
«verbürgerlicht» und trete nicht mehr in Bomberjacken und
Springerstiefeln auf, treffe sich aber privat nach wie vor. Dies
mache es für die Polizei außerordentlich schwierig, einzugreifen,
sagte der Sprecher.
Die Verbindungen der einzelnen Mitglieder bestünden nach wie vor,
in den vergangenen Monaten habe es in der Region immer wieder
Übergriffe und Hakenkreuz-Schmierereien gegeben. Das sächsische
Innenministerium hatte die Vereinigung im April verboten.
Anhänger oder Sympathisanten der Gruppierung stehen möglicherweise
in Verbindung mit einem mutmaßlichen Überfall von vier Neonazis, von
dem die Polizei am Freitag in Mittweida berichtet hatte. Eine
17-jährige Frau hatte gemeldet, dass sie am 3. November von den
Männern angegriffen worden sei. Diese hätten sie festgehalten und ihr
mit einem messerähnlichen Gegenstand ein Hakenkreuz in die Hüfte
geritzt.
Die 17-Jährige war einem sechsjährigen Aussiedler-Mädchen zu Hilfe
geeilt, das von den Neonazis zuvor laut Polizei herumgeschubst worden
war. Trotz der öffentlichen Fahndung gibt es nach wie vor keine
Zeugen, die die Tat gesehen haben. Bei einem der mutmaßlichen Täter
hatte die Polizei einen «Sturm 34»-Anstecker gefunden.
Der Sprecher des Bündnisses für Menschenwürde in Mittweida sprach
am Montag von einer neuen Gewaltstufe der rechten Szene. Dass Kinder
und Mädchen angegriffen und schwer entstellt würden, habe es in
dieser Schwere noch nicht gegeben.
Das Bündnis war am 9. November in der Dresdner Frauenkirche
ausgezeichnet worden und bekam den erstmals ausgelobten Sächsischen
Förderpreis für Demokratie überreicht. Das Bündnis ist seit März 2007
aktiv und vereinigt rund 50 Personen und 35 Vereine und Verbände.
Hintergrund war die in den Jahren zuvor stark angestiegene rechte
Gewalt in der Region - allein im Kreis Mittweida gab es laut Bündnis
im Jahr 2005 rund 120 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund.



































