Mit Musik gegen Rechts
Schüler der Sekundarschule Gröbzig erhalten CD der Aktion «Hingucken»
erstellt 19.11.07, 17:35h, aktualisiert 19.11.07, 19:45h
Gröbzig/MZ/jka. 40 000 CDs mit dem Titel "Respekt" wurden durch das Kultusministerium an Schüler in Sachsen-Anhalt verteilt. Einige Dutzend fanden den Weg in die Sekundarschule Gröbzig, zu den neunten und zehnten Klassen. Die Landesregierung will im Rahmen der Aktion "Hingucken - für ein demokratisches und tolerantes Sachsen-Anhalt" Jugendliche für die Themen Rechtsextremismus und Antisemitismus sensibilisieren. "Die CDs wollen wir heute den Schülern übergeben", erklärte Schulleiterin Christine Makerlin, die sich für diese Übergabe einen besonderen Ort ausgesucht hatte.
Marion Mendez, Leiterin des Museums Synagoge Gröbzig, machte es möglich, dass die CDs im Rahmen einer kleinen Veranstaltung in der Synagoge an die Schüler übergeben wurden. "Ich finde es toll, dass die Schule die Übergabe mit der Geschichte des Ortes verknüpft", sagte Mendez. Doch bevor die CDs, auf der sich 18 populäre Künstler und Gruppen mit ihrer Musik gegen Rechts und für Toleranz und Engagement aussprechen, verteilt wurden, zeigten ein kleiner Film und einige Lieder die Problematik zu Rechtsextremismus und Fremdenhass auf. Bilder des brennenden Asylbewerberheims in Rostock 1992, die Aussagen eines maskierten Nazis, der den Holocaust leugnet und andere Szenen ließen nicht nur die Schüler nachdenken.
"Wir sind gespannt auf die CD", sagten die Schülerinnen Vanessa Hertel und Nancy Bauduin. Mit dem Thema Rechtsextremismus hätten sie sich im Unterricht noch nicht allzu sehr beschäftigt, aber beide würden sich jederzeit gegen Rechtsextremismus engagieren.
Einmal mehr machte Frau Mendez deutlich, dass die gesellschaftliche Ausgrenzung einzelner oder ganzer Gruppen oftmals der Beginn von Rassismus und Fremdenhass ist. Aus diesem Grund las sie einen Brief aus dem Jahre 1938 vor, indem ein Vermieter in Gröbzig seiner jüdischen Mieterin die Wohnung mit sofortiger Wirkung kündigte. Der Mann fürchtete um seine Existenz, würde er eine Jüdin weiter beherbergen. So begann damals die Ausgrenzung. Kein Jude aus Gröbzig überlebte den Holocaust. So spontan die Aktion mit den CDs zustande kam, reagierte auch die Leiterin des Museums Synagoge. Sie lud die Schüler zu einer Interaktion ein, in der verdeutlicht werden soll, wie schnell sich Menschen ausgegrenzt fühlen können. Dazu werden die Schüler in Gruppen unterteilt, in die sie entsprechend ihrem Aussehen passen.
Eine Gruppe umfasst beispielsweise alle Schüler mit braunen Haaren und blauen Augen oder blonden Haaren und blauen Augen. Jeder Gruppe wird dann ein Lebensraum per Los zugeteilt. "Wie ihr darauf reagiert, wird im Anschluss daran ausgewertet", erklärte Mendez.
Ein weiterer spontaner Vorschlag könnte in wenigen Tagen umgesetzt werden. Eine türkische und eine russische Migrationsgruppe mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren wird am 24. und 25. November die Synagoge besuchen. "Die türkische Gruppe hat sich gewünscht, Fußball zu spielen. Vielleicht könnt ihr ja eine Fußballmannschaft der zehnten Klasse zusammenstellen und mitmachen", regte Mendez an und ist optimistisch, dass das klappen wird.





















