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Kriminalität

Rechtsextremisten greifen Asylbewerber an

Magdeburg: Autofahrer beweist Mut - Mann vertreibt Jugendliche

erstellt 28.10.07, 15:36h, aktualisiert 28.10.07, 19:32h
Magdeburg/dpa. In Sachsen-Anhalt ist es am Wochenende zu mindestens vier rechtsextremen Übergriffen und Zwischenfällen gekommen. Rechtsextreme griffen einen Afrikaner an, verprügelten einen Spätaussiedler und traten zwei jugendliche Punker. In Gardelegen schwenkten zwei Männer eine Hakenkreuzfahne.

In Magdeburg haben zwei Jugendliche einen Asylbewerber aus Sierra Leone angegriffen und verletzt, ehe sie von einem couragierten Autofahrer vertrieben wurden. Die 18 und 19 Jahre alten Jugendlichen wurden laut Polizei zunächst festgenommen. Der 18-Jährige wurde später freigelassen, der 19-Jährige wegen Schwarzfahrens und Schulschwänzens in das Jugendgefängnis in Halle eingewiesen.

Die Täter sollen zum Tatzeitpunkt rund zwei Promille Atem-Alkohol gehabt haben und konnten erst nach ihrer Ausnüchterung am Sonntag vernommen werden. Dabei gaben sie keine Gründe für die Tat an. Während der eine Tatverdächtige die Beteiligung an dem Übergriff bestritt, habe der andere seine Angriffe teilweise eingeräumt, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Jugendlichen seien der Polizei bereits wegen anderer Delikte, dem Staatsschutz aber nicht als Teil der rechtsextremen Szene in Magdeburg bekannt. Ihnen werden gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen.

Beide Angreifer hatten den 31-jährigen Afrikaner am Samstag nach Darstellung der Polizei mit Gesten und einem ausländerfeindlichen Spruch beleidigt. Einer der beiden Rechtsextremen griff den Afrikaner mit mehreren Faustschlägen an. Der zweite Jugendliche beteiligte sich - ermutigt von seinem Freund - ebenfalls an der Attacke. Das Opfer flüchtete, wurde aber eingeholt und erneut verprügelt. Ein Autofahrer hielt an und versuchte, die Schläger von ihrem Opfer abzubringen. Der 24-jährige Fahrer alarmierte die Polizei und verfolgte zusammen mit dem Opfer die Täter etwa 800 Meter.

Innenminister Holger Hövelmann (SPD) verurteilte die Tat. «Die Jugendlichen haben ein völlig verschobenes Wertebild, wenn sie überhaupt eins haben; Respekt und Ansehen anderer Menschen scheint zumindest bei einem Teil der Jugendlichen nicht gegeben», sagte Hövelmann am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er bedauere, «die Politik hat keinen Schalter, den man umlegt und die Mneschen sind ab morgen vernünftig.» Mit Blick auf die Wertesituation in Sachsen-Anhalt stehe der Politik ein «jahrelanger Weg mit langem Atem» bevor. «Wir sind leider keiner Ausnahme in Deutschland, was das Stattfinden solche Verbrechen und Ereignisse angeht», sagte der Innenminister.

Auch in Baden-Württemberg kam es in der Nacht zum Sonntag zu einem ausländerfeindlichen Übergriff. In Abstatt bei Heilbronn warf ein 18-Jähriger einen Brandsatz auf eine Gruppe Menschen, darunter zwei Türken. In Lübeck wurde ein junger Afrikaner am Samstagabend von einer Gruppe vermutlich Rechtsradikaler überfallen.

Im Norden Sachsen-Anhalts kam es zu zwei fremdenfeindlichen Ereignissen. In Velsdorf (Bördekreis) ist laut Polizeiangaben ein Spätaussiedler von drei Männern angegriffen worden. Der 44-Jährige stellte zuvor Sachschäden an seinem Auto fest und hielt einen Tatverdächtigen fest, der sich in der Nähe aufhielt. Bei der anschließenden Schlägerei wurde der Spätaussiedler mit antisemitischen Sprüchen beleidigt. Die drei Täter sollen festgenommen worden seien.

In Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) schwenkten zwei Männer beim Zug durch die Straßen eine Fahne mit einem Hakenkreuzzeichen. Als die Rechtsextremen herbeifahrende Polizisten sichteten, flüchteten die Männer. Ein 20-Jähriger konnte festgenommen werden, sein Kumpane ist weiter auf der Flucht.

In Bitterfeld-Wolfen kam es am Samstagabend zu einem Zusammenstoß von Rechten und Linken. Fünf bis acht Rechtsextreme traten zwei Punker, verprügelten sie mit Schlagstöcken und verletzten sie schwer. Die Opfer erlitten erhebliche Verletzungen am Kopf und an der Schulter. Die Täter flüchteten.


    
    
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