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Verbrennung des Tagebuchs der Anne Frank

Neuer Prozess im Fall Pretzien abgesagt

Überraschende Wende - Urteile vom März sind rechtskräftig

VON Katrin Löwe, 17.10.07, 13:07h, aktualisiert 17.10.07, 21:29h
Tagebuch der Anne Frank
Ein Exemplar des Tagebuches der Anne Frank liegt beim Prozess auf dem Tisch des Richters. (Foto: dpa)
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Pretzien/MZ. Die Mitteilung des Landgerichts Magdeburg wenige Tage vor Prozessbeginn ist kurz. Es wird im Fall Pretzien keine neue Verhandlung geben, alle vier Angeklagten haben kurzfristig ihre Berufung gegen das ursprüngliche Urteil des Amtsgerichts Schönebeck zurückgezogen. Die in erster Instanz verhängten Strafen sind damit rechtskräftig.

Die öffentliche Verbrennung des Tagebuchs der Anne Frank hatte im Juni 2006 bundesweit Empörung ausgelöst. Vor rund 70 Zuschauern war das weltberühmte Werk des jüdischen Mädchens bei einer von einem rechtsextremen Verein organisierten "Sonnenwendfeier" in Pretzien (Salzlandkreis) ins Feuer geworfen worden. Der Fall hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die zuerst damit befassten Polizisten das Tagebuch gar nicht kannten.

Im März hatte das Amtsgericht Schönebeck fünf 24- bis 29-jährige Männer wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu je neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Es war überzeugt, dass die Tat gemeinsam als Ritual geplant war. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen.

Einer der fünf Verurteilten hatte seine Berufung schon früher zurückgezogen. Dass sich dem überraschend nun auch die übrigen vier anschlossen, erklärte Verteidiger Thomas Jauch am Mittwoch mit persönlichen Gründen. Zwei der Männer hätten seinerzeit ihren Job verloren, nun aber wieder Arbeit gefunden. Ihnen ginge es darum, persönliche Nachteile durch einen erneuten Auftritt in der Öffentlichkeit zu vermeiden, die beiden anderen Männer hätten sich dem angeschlossen. "Sie fühlen sich dennoch unschuldig", so Jauch. Vor dem Amtsgericht hatten die Angeklagten die Verbrennung des Tagebuchs und einer US-Flagge als spontane Tat und "großes Missverständnis" geschildert.

Endgültig abgeschlossen ist der Fall Pretzien dennoch nicht. Laut Jauch wird es vermutlich 2008 zur Verhandlung gegen einen weiteren Verdächtigen kommen, der im ersten Prozess nicht auf der Anklagebank saß. Dabei handelt es sich um den Bruder eines bereits Verurteilten. Die Staatsanwaltschaft konnte zum Stand der Ermittlungen am Mittwoch keine Angaben machen.


    
    
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