Zivilcourage eingefordert
Schüler diskutieren mit Politikern nach Überfall auf Jugendlichen aus Leuna
VON Gert Glowinski, 29.10.07, 18:20h, aktualisiert 29.10.07, 21:08h
Merseburg/MZ. Es war eine ungewöhnliche Gesprächsrunde, die am Montagnachmittag im Merseburger Herdergymnasium stattfand: Mehr als 60 Schüler diskutierten gemeinsam mit Landtagsvizepräsident Rüdiger Fikentscher (SPD), Diakon Dieter Falken und der früheren Landtagsabgeordneten Ute Fischer. Es ging um das Thema Gewalt und der Anlass für die Veranstaltung war so aktuell wie er betroffen machte.
Falkens Sohn Johannes, der lange Zeit die Herder-Schule besuchte, war vor Monaten in Halle das Opfer eines brutalen Überfalls geworden (MZ berichtete). Er entkam dabei nur knapp dem Tode, ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen, muss das Sprechen wieder lernen, kann sich an die Hetzjagd auf ihn nicht mehr erinnern.
"Die Gewalt war plötzlich in unserer Mitte und löste stummes Entsetzen aus", leitete Lehrerin Kerstin Pötzsch die Gesprächsrunde ein. "Nun müssen wir darüber sprechen, um mit dem Entsetzen umzugehen", so Pötzsch.
Die Schüler der neunten bis zwölften Klassenstufe folgten zunächst still und ernst der Schilderung Dieter Falkens, der in sachlichen Worten über die Gewalt gegen seinen Sohn und den Gesundheitszustand von Johannes berichtete. Und sie erfuhren: Die mutmaßlichen Schläger sind mittlerweile gefasst und sitzen in Halle in U-Haft.
Was tun gegen derart brutale Gewalt, was tun mit den Gewalttätigen, die offenbar schlimmste Verletzungen in Kauf nehmen? Die Antworten der Schüler und der Politiker im Podium waren so vielfältig wie unterschiedlich. "Fast immer ist Alkohol im Spiel, es gibt Menschen, die aus vielen Gründen hasserfüllt sind", so Fikentscher. Dieser Hass würde sich leider auch gegen andere Menschen richten. Patentlösungen konnte aber natürlich auch der SPD-Politiker nicht anbieten. Er forderte stattdessen Zivilcourage ein - eine Forderung, die auch von den Jugendlichen aufgenommen wurde. Viele Themen wurden an diesem Nachmittag diskutiert: Die einen plädierten für mehr Kontrolle durch den Staat, schnellere oder härtere Sanktionen gegen Straftäter, andere sehen in TV-Sendungen oder Liedtexten, die zur Gewalt aufrufen, ein großes Problem. Eine Schülerin sagte: "Man muss über den Tellerrand schauen und dafür sorgen, dass gegen Gewalt etwas unternommen wird."
Ute Fischer warb am Ende genau dafür: nicht wegzuschauen. Und: "Vielleicht könnten ähnliche Veranstaltungen wie die am Montag auch an anderen Schulen stattfinden", so Fischer.












































