Starke Worte für eine «stille Heldin» der Nazi-Zeit
Ausstellung zum Leben und Wirken Emilie Schindlers in der Gedenkstätte in Bernburg eröffnet - Biografin liest aus Buch
VON Susanne Weihmann, 09.10.07, 20:13h, aktualisiert 09.10.07, 20:30h

Gedenkstättenleiterin Ute Hoffmann (l.) und Biografin Erika Rosenberg zeigen Katja Illmann und Walter Blauwitz die letzte Geldbörse von Oskar Schindler sowie ein Foto dessen Frau. (MZ-Foto: Engelbert Pülicher)
Bernburg/MZ. "Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt!" heißt es im Talmud. Oskar Schindler rettete über 1 000 Juden während der Nazi-Diktatur das Leben. Spätestens seit dem Film "Schindlers Liste" ist die Geschichte des sudetendeutschen Industriellen, der die Juden in seiner Emaille-Fabrik in Krakau sowie in Brünnlitz beschäftigte und vor dem Tod im Vernichtungslager Auschwitz bewahrte, bekannt. Seine Frau, Emilie Schindler, blieb jedoch eher im Hintergrund.
Doch der "stillen Heldin" dieser Zeit ist nun eine Ausstellung "Ich, Emilie Schindler - Dokumente der wahren Geschichte Oskar Schindlers" in der Bernburger Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie gewidmet. Zur Eröffnung am Dienstag - genau 33 Jahre nach dem Tod Oskar Schindlers - las Autorin Erika Rosenberg aus der Biografie "Ich, Emilie Schindler. Erinnerungen einer Unbeugsamen".
Wohl kaum jemand als die Verfasserin und Freundin, die auch Kuratorin der Ausstellung ist, kannte die Witwe von Oskar Schindler besser. Schließlich wohnte Emilie Schindler lange Zeit ganz in der Nähe von Erika Rosenberg, die 1951 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires geboren wurde und heute noch dort lebt. Während die Autorin aus dem Buch las, liefen die Bilder des Films vor dem Auge der Zuhörer ab. So authentisch ist es geschrieben. Allerdings zeigt sie eine andere Emilie Schindler als es der Spielfilm vermittelt.
Emilie Schindler war nicht nur die Ehefrau, die die Affären ihres Mannes und seinen ausschweifenden Lebensstil, geduldig ertrug. Emilie Schindler hat vielen Juden auf ihre Weise geholfen. Sie hat die tschechischen und polnischen Arbeiter und Juden in der Emaillefabrik mit Essen und Medikamenten versorgt und sich nicht nur dabei in höchste Gefahr begeben. So vermittelte sie unter anderem auch eine schwangere verzweifelte Jüdin an einen Arzt und bewahrte etwa 100 Juden vor der Erschießung.
Nicht nur die gut 50 Gäste der Ausstellungseröffnung waren nach den Ausschnitten des Lebens der vor sechs Jahren nach einem Schlaganfall gestorbenen Frau sichtlich gerührt. Auch Erika Rosenberg zeigte sich von der Veranstaltung, die durch Mitglieder des Ensembles Theatrum in Hohenerxleben musikalisch umrahmt wurde und dem Zuspruch der Bernburger, beeindruckt. "Diesen Tag werde ich nicht vergessen", sagte die enge Vertraute Emilie Schindlers. Sie habe zwar keine Verwandten mehr in Deutschland, meinte Frau Rosenberg. "Aber bei so einem netten Publikum finde ich in jedem ein Stück meiner Verwandten."
Die Ausstellung ist bis zum Montag, dem 12. November, in der Gedenkstätte für Opfer der NS-"Euthanasie" in der Olga-Benario-Straße 16 / 18 in Bernburg Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 - 12 Uhr und am Sonntag 10 bis 16 Uhr zu sehen.




























