Quedlinburg
Respekt für Zivilcourage
Aufsichtsrat von M. DuMont Schauberg debattiert mit Bürgern über Engagement gegen Rechts
VON Detlef Valtink, 30.09.07, 19:09h, aktualisiert 30.09.07, 19:36h

Professor Alfred Neven DuMont (2.v.r.) im Gespräch mit Intendant André (r.) Bücker und Birgit Voigt (l.), Vertreterin des Quedlinburger Bürgermeisters. (Foto: MZ)
Quedlinburg/MZ. "Wir sind hier, um Ihnen unsere Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit auszudrücken", bringt es Professor Alfred Neven DuMont, Aufsichtsratsvorsitzender und Herausgeber der Mitteldeutschen Zeitung, auf den Punkt. Quedlinburg hat Gäste. Der Aufsichtsrat der Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg trifft sich an diesem verregneten Samstagvormittag mit Bürgern aus dem Harz. Es geht um Zivilcourage gegen rechten Ungeist, um Gemeinsinn und Demokratie.
Quedlinburg und Halberstadt haben in diesen Tagen viel damit zu tun. Die mutigen Aktionen der Bürgerschaft nach einem brutalen Überfall rechtsextremer Schläger auf eine Theatergruppe sowie bei einer NPD-Demonstration sprechen dafür. Und so erfüllen die Worte von Alfred Neven DuMont die Vertreterin des Bürgermeisters, Birgit Voigt, mit Stolz: "Es ist schön, dass Sie hier sind und uns in unserem Anliegen unterstützen."
Schnell entspinnt sich im altehrwürdigen Ratssaal ein lebhafter Dialog. Die Mitglieder des Runden Tisches für Demokratie und Toleranz in Quedlinburg und die Organisatoren der Aktion "Auf die Plätze" in Halberstadt haben viel zu erzählen. Zum Beispiel André Bücker, Intendant des Nordharzer Städtebund-Theaters. "Ihre Worte tun gut. Und das brauchen wir auch, wenn wir weiter gegen den erstarkenden Rechtsradikalismus wirkungsvoll vorgehen wollen", sagt der 38-Jährige. Bestürzte Blicke, als Bücker jene verhängnisvolle Nacht des Überfalls schildert, beschreibt, wie rechte Schläger nach einer Premierenfeier auf Schauspieler einschlugen. Sie krankenhausreif prügelten und nicht innehielten, als die Opfer schon blutend auf der Straße lagen. Bücker spricht vom Versagen der Polizei, die die Täter zunächst laufen ließ.
Und er erzählt über die Aktion "Auf die Plätze", einem friedlichen Abendfest tausender Halberstädter. "Es kann nicht sein, dass sich Menschen in ihrer persönlichen Freiheit selbst einschränken, in dem sie bestimmte Plätze zu bestimmten Uhrzeiten meiden."
"Was Sie getan haben, ist mehr als bemerkenswert", zollt Alfred Neven DuMont Beifall. Gleichgültigkeit, Demokratie verachtendes Gedankengut, Menschen, die sich von der Politik verlassen fühlen - der Nährboden für Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus habe zahlreiche Ursachen. "Als Jugendliche mussten wir miterleben, wie die Nazis die Oberhand gewannen. Soweit darf es nie wieder kommen. Denn dann haben wir keine Chance mehr", warnt er.
Auf die Frage der Gäste nach Unterstützung durch die Landesregierung kommen die Antworten zögerlich. Stadt-Jugendpfleger Klaus Buchholz sieht da "eine gewisse Hilflosigkeit". Auf das Wirken der Polizei bezogen, wird schnell deutlich, dass die Unzufriedenheit groß ist. Alfred Neven DuMont greift die Kritik auf. "Die beschriebene Hilflosigkeit tut weh." Er habe den Eindruck, so der Aufsichtsratsvorsitzende, die Landesregierung habe zwar die Brisanz der Problematik erkannt, aber offenbar habe es hier an kämpferischem Input und Präsenz gefehlt. Da seien der Ministerpräsident und sein Innenminister in der Pflicht. Wolfgang Clement, Aufsichtsrat und ehemaliger Bundeswirtschaftsminister, sieht es genauso. "Die Polizei muss konsequent das Ihre tun. Dort hat es augenscheinlich erhebliche Defizite gegeben. Die Gesellschaft darf Gewalt nicht tolerieren und muss die Ursachen erkennen, warum Menschen in eine solche Geisteshaltung hineinkommen."
Aufsichtsrat Professor Peter May fügt hinzu: "Der Bürger hat nach dem Grundgesetz das Recht auf Schutz durch den Staat. Das ist die Verpflichtung des Staates." Auch die begleitenden Ehefrauen betonen ihr nachhaltiges Engagement im Kampf gegen Rechts. Für MZ-Chefredakteur Hans-Jürgen Greye steht fest: "Regierung und Polizei müssen die Probleme nicht nur erkennen, sondern sie sich auch eingestehen. Nicht die Sorge um das Image des Landes hat Vorrang, sondern der Kampf gegen Rechts."
Unterstützung geben, Mut machen - Stichworte, die den Dialog prägen. Gabriele Vester verhehlt nicht, dass auch sie von Ängsten geplagt wird. "Doch", so die Hotelbesitzerin, die aus den alten Bundesländern in den Harz gekommen ist, "die Frage ist, ob man sich diesen Ängsten ergeben muss." Die Aktionen in Halberstadt und Quedlinburg hätten ihr Mut gemacht. "Es war richtig, sich hier anzusiedeln."
Über einen Weg, um an die Wurzeln des Übels zu gelangen, spricht Buchholz. Seit über zehn Jahren gibt es in Quedlinburg das "Altstadtprojekt", eine Präventionsmaßnahme. Kinder und Jugendliche aus sozial gefährdeten Familien werden hier betreut. "Wir wollen ein Abgleiten dieser jungen Menschen in Kriminalität und dumpfes Denken verhindern."
Auch anderswo wird gehandelt. So hat das Städtebundtheater Verträge mit Gymnasien und Jugendclubs geschlossen, wurde ein Präventionsrat Harz gegen Rechts gegründet, werden Konzepte entwickelt, wie die Zivilcourage gestärkt werden kann. Es gilt gegen Rechts Gesicht zu zeigen. "Das ist modellhaft. Wir stehen Ihnen dabei in der Zukunft mit Rat und Tat zur Seite", sagt Alfred Neven DuMont. Beleg für diese Worte: Eine Spende von je 3 000 Euro für das Jugendprojekt des Städtebundtheaters und für das Altstadtprojekt.



































