Film und Fernsehen
Trottel Homer Simpson als Forschungsobjekt
Objekt der Wissenschaft: Philosophen sinnieren über die Simpsons
VON Frauke Kaberka, 20.08.07, 09:05h, aktualisiert 20.08.07, 09:06h

Im Kinofilm «Die Simpsons - Der Film» fährt die ganze Familie Simpson (Gruppe rechts) mit einer Schubkarre durch ein Kino. (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Wenn Homer Simpson aus der schrägen Comic-Serie
hirnlos Bier in sich hineinschüttet, seinen Kindern Burger und Steaks
wegfrisst und Ehefrau Marge mit seiner Blödheit vor den Kopf stößt -ist das dann Unterhaltung auf unterem Niveau oder richtig gute
Satire? Zumindest ist die Fernsehserie für zwölf Philosophen der
anerkanntesten US-amerikanischen Universitäten Anlass, in elf Essays
über «Die Simpsons und die Philosophie» nachzudenken. Und dabei
kommen sie - um das schon mal vorweg zu nehmen - zu dem Schluss:
Homer (Simpson, nicht der berühmte Grieche der Antike) ist, wenn man
trotzdem lacht!
Es hat etwas Rührendes, wenn sich hochrangige Wissenschaftler etwa
mit einem Trottel wie Homer Simpson auseinander setzen und ernsthaft
überlegen, ob dieser trotz all seiner negativen Eigenschaften auch
aristotelische Tugenden in sich vereint. Jein, lautet die klare
Antwort. Weiter kommen sie zu dem Schluss, dass Baby Maggie - obwohl
stumm und selten mal mehr als statistisches Beiwerk - für die Serie
wichtig ist. Und mit der Person der klugen Lisa wird die Intelligenz
in den USA positioniert - obwohl ihr in der Gesellschaft (im
Simpsons-Hort Springfield wie im gesamten Land) aber eher ein unterer
Stellenwert eingeräumt wird.
Die Autoren befinden weiter, dass der rotzfreche Simpson-Spross
Bart - ähnlich tumb wie sein Erzeuger - eine Daseinsberechtigung im
philosophischen Sinne hat, und zwar für die Frage: Entwickelt er sich
zum Übermenschen nach Friedrich Nietzsche, oder ist er einfach nur
ein böses Kind, wie es laut Serienmacher und Ex-Philosophie- Student
Matt Groening einige gibt, zumindest in Springfield, jenem
amerikanischen Durchschnittsstädtchen, das mit seiner seltsamen
Einwohnerschaft selbst zum Untersuchungsobjekt der Serien-begeisterten Experten geworden ist.
Ja, und dann ist dann noch Marge, die kluge, praktische und nette
Frau Simpson. Wer denkt, Marge kommt bei den Autoren am besten weg,
der irrt. Auch sie wird gnadenlos analysiert. Und kritisiert. Denn
ihre Unfähigkeit zur Kritik - selbst, wenn es dabei um das Wohl ihrer
Kinder geht - lässt sie oft gar nicht gut dastehen. Dennoch gestehen
die Wissenschaftler den weiblichen Mitgliedern des Simpson-Clans
generell Intelligenz zu, den männlichen hingegen vor allem
Beschränktheit, gepaart mit Instinkt und - zumindest bei Homer -einer ordentlichen Portion Lebenslust.
Natürlich bekommen auch die anderen «tragenden» Protagonisten der
Simpsons ihr Fett weg - angefangen beim bigotten Ned Flanders bis hin
zum fiesen Mr. Burns, der Verkörperung des Ur-Kapitalisten. Alle
Personen werden den weltanschaulichen Betrachtungen der Autoren
unterzogen und stehen metaphorisch für eine Gesellschaftsordnung und
ihre Mitglieder. Das Buch ist eine köstliche Sammlung tiefgründiger
Gedanken zu absurden Personen und schrägen Szenarien. Und gerade zur
richtigen Zeit auf den Markt gekommen, um sich den intellektuellen
Hintergrund für den aktuellen Kino-Film «Die Simpsons» anzueignen.
William Irwin, Mark T. Conard, Aeon J. Skoble: Die Simpsons und die Philosophie; Tropen Verlag, Berlin; 255 S., Euro 19,80, ISBN 978-3-9321-7097-3





































