Magdeburg
Rechter Laden soll wieder raus aus dem Hundertwasserhaus
Mietvertrag für umstrittenen Laden am 27. Juli gekündigt - Eröffnung erst am 27. Juli
erstellt 30.07.07, 23:13h

Eine durch Proteste beschädigte Fensterscheibe des umstrittenden neuen Bekleidungsladens «Narvik» im Hundertwasserhaus in Magdeburg. (Foto: dpa)
Magdeburg/dpa. Nach massivem öffentlichen Protest gegen den
Verkauf rechter Szenekleidung hat das Magdeburger Hundertwasserhaus
den Mietvertrag mit dem umstrittenen Laden gekündigt. Die Kündigung
sei zum 27. Juli ausgesprochen worden, sagte eine Sprecherin des
Siedlungswerks St. Gertrud am Montag. Das Siedlungswerk gehört zur
katholischen Gero AG, die das Hundertwasserhaus gebaut hatte. Die
Eröffnung des Ladens, der Kleidung der bei Rechtsextremen beliebten
Marke «Thor Steinar» verkauft, hatte am vergangenen Freitag Empörung
ausgelöst. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hatte verlangt, den
Mietvertrag schnellstmöglich aufzulösen.
Am Montag konnten weder Siedlungswerk noch Gero AG Angaben dazu
machen, ob und wann die Kündigung wirksam werde. Mit dem Fall
beschäftigten sich jetzt Rechtsanwälte, sagten Sprecherinnen beider
Unternehmen. Die Kündigung des Mietvertrags sei bereits am Freitag
ausgesprochen worden, öffentlich bekannt wurde der Schritt aber erst
am Montag. Der Hersteller der «Thor Steinar»-Kollektion, die MediaTex
GmbH in Zeesen (Brandenburg), wollte sich nicht zur Kündigung des
Mietvertrags äußern.
Die Stadt Magdeburg erhöhte am Montag noch einmal den Druck auf
das Siedlungswerk und forderte die Kündigung des Mietvertrags, die
laut Vermieter zu diesem Zeitpunkt aber bereits vollzogen war. Die
Vize-Oberbürgermeisterin Beate Bröcker (SPD) kündigte zugleich eine
rechtliche Prüfung mit dem Ziel an, den Verkauf von Kleidung mit
rechtsextremer Symbolik in der Touristenattraktion zu unterbinden.
Der Laden sei für das Hundertwasserhaus und die Katholische Kirche
als Eigentümer von verheerender Wirkung. «Er ist auch ein Schlag ins
Gesicht all der gesellschaftlichen Gruppierungen und Mitbürger, die
sich in dieser Stadt gegen Rechtsextremismus engagieren.»
Die Eröffnung des Ladens hatte am vergangenen Freitag Empörung
ausgelöst. Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) hatte
vor dem Laden für Toleranz geworben und gegen Fremdenfeindlichkeit
protestiert. Seit einer Protestaktion linker Demonstranten, bei der
auch die Eingangstür beschädigt wurde, wird das Geschäft von der
Polizei bewacht.



































