Leipzig
Friedlicher Protest gegen Neonazi-Aufmarsch
Rechter Christian Worch war laut Polizei lediglich mit 30 Begleitern unterwegs
erstellt 21.07.07, 18:50h, aktualisiert 22.07.07, 21:24h

Linke Gegendemonstranten blockieren während des Neonazi-Aufmarsches am Samstag in Leipzig eine Brücke. (Foto: dpa)
Leipzig/dpa. In Leipzig haben am Samstag Hunderte gegen einen Aufmarsch von Neonazis protestiert. Bis zum offiziellen Ende der Veranstaltung kam es nach Auskunft der Polizei zu keinen größeren Zwischenfällen. Am Rande des Marsches wurden mehrere Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen.
Ein Augenzeuge berichtete, dass ein Kameramann bei einer
Räumungsaktion von Einsatzkräften eine Platzwunde erlitt. Der
Polizeidirektion Leipzig war dieser Fall nicht bekannt. «Wir ziehen eine positive Bilanz des Einsatzes», sagte Polizeisprecher Mario Luda.
Der Zulauf zum Demonstrationszug der Rechtsextremen war weit
geringer als angenommen. Der Hamburger Neonazi Christian Worch hatte nach Angaben der Polizei etwa 30 Gesinnungsgenossen an seiner Seite. Ursprünglich meldete Worch 200 bis 300 Teilnehmer für seine Kundgebung an. Auf diese Zahl hatte sich auch die Polizei
eingestellt, die mit einem Großaufgebot Rechtsextreme und Gegner
voneinander fern hielt. Neben Polizisten aus Sachsen waren Kollegen
aus mehreren Bundesländern beteiligt.
Allein zu einem vom Bündnis «Courage zeigen» organisierten
«Bürgerfrühstück» am Völkerschlachtdenkmal kamen nach Polizeiangaben
rund 500 Teilnehmer. Darunter waren Bundesverkehrsminister Wolfgang
Tiefensee und der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (beide
SPD). «Für braune Krawalltouristen aus Hamburg ist in dieser Stadt
kein Platz», sagte Jung laut Mitteilung seines Sprechers. Die
Stadt hatte die Rechtsextremen-Demo zunächst verboten, beugte sich
aber einer anders lautenden Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Die
Richter sahen keine ausreichenden Voraussetzungen für ein Verbot,
erließen allerdings strenge Auflagen.
In den vergangenen Jahren war es bei den Aufmärschen von Worch
immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Am Samstag hatte sich die
Polizei auf bis zu 1500 Gegendemonstranten eingestellt. Da auch
Militante aus dem linksautonomen Spektrum anreisen wollten, schloss
die Polizei Gewalt nicht aus. Immer wieder skandierten Linke
Sprechchöre gegen die Neonazis. Zudem hielten Sitzblockaden den Zug
auf. Der Marsch der Rechtsextremen wich daraufhin in andere Straßen
aus.
Auch nach dem offiziellen Ende des Marsches wollte die Polizei
präsent bleiben und eine Zusammentreffen von Rechtsextremen und
Linksautonomen verhindern. «Wir werden die Lage weiter beobachten»,
sagte Luda.



































