Thüringen
Harter Kampf um Kunstausstellungen
Konkurrenz wird größer - Apolda muss zwei Expositionen absagen
VON Katrin Zeiß, 02.05.07, 13:43h

Die Skulptur „Die Welle/Die Badenden“ (1897) in der Claudel-Ausstellung in Apolda. (Foto: dpa)
Apolda/dpa. Die Plakate für eine Andy-Warhol-Ausstellung im
Kunsthaus Apolda waren schon im Druck, da zogen die privaten
Leihgeber plötzlich ihre Zusage zurück. Zwei Monate vor der geplanten
Vernissage musste der Kunstverein Apolda Avantgarde bei seinem ersten
Ausstellungsprojekt 2007 umdisponieren. Kurz darauf stoppte das
Kunsthaus, dessen Camille-Claudel-Schau im vergangenen Jahr 22 000
Besucher sahen, nach Problemen mit internationalen Leihgebern auch
die Vorbereitungen für eine Schau der klassischen Moderne im Herbst.
«Es ist zu spüren, dass der Kunstmarkt immer komplizierter für
Ausstellungsmacher wird», sagt Hans-Jürgen Giese,
Vereinsgeschäftsführer und Kulturamtsleiter im Kreis Weimarer Land.
Erst kürzlich hat der Thüringer Museumsverband eine rückläufige
Zahl überregional attraktiver Sonderausstellungen in den 185 Museen
des Freistaates und einen damit zusammenhängenden Rückgang der
Besucherzahlen im vergangenen Jahr um mehr als sechs Prozent
konstatiert. Hauptgrund aus Verbandssicht: die Kürzung der
Kulturausgaben durch das Land. Diese fielen in eine Phase, in der
sich der internationale Kunstmarkt nach Einschätzungen von Experten
immer mehr aufgeheizt hat. «Eine, zwei oder auch zehn Millionen Euro
für ein Kunstwerk spielen auf dem globalen Markt keine Rolle»,
schildert Holger Saupe von den Kunstsammlungen Gera, zu denen das
Geburtshaus des Malers Otto Dix (1891-1969) gehört, die Situation.
«Das wirkt sich natürlich auf Ausstellungen aus.»
Die Versicherungskonditionen für Ausstellungsmacher seien härter,
die Anforderungen an Sicherheitsstandards in Museen und beim
Transport von Bildern, Plastiken oder Fotografien strenger geworden,
bestätigt Hans-Peter Jakobson, Direktor der Geraer Museen. «Zum
Beispiel machen es Leihgeber oft zur Auflage, Kunstwerke in
schützenden Klimakisten zu transportieren - was sich ein Aussteller
erst einmal leisten können muss.» Einige Museen seien dazu
übergegangen, Gebühren für die Ausleihe ihrer Stücke zu erheben -hauptsächlich, wenn es sich um kommerziell orientierte
Ausstellungsveranstalter handele. Gerade öffentliche Museen stünden
heute viel stärker unter Druck, Einnahmen einzuspielen, begründet
Jakobson. «Untereinander sind die Museen da aber eher kulant.»
Vor anderen Unwägbarkeiten sind die Häuser hingegen nicht gefeit -etwa wenn es sich bei privaten Leihgebern um Erben von Künstlern
handelt und die miteinander im Clinch liegen. «Wenn ein Erbe ein
Kunstwerk zur Verfügung stellen will und der andere nicht, kann man
nur einen Rückzieher machen - oder man riskiert einen Rechtsstreit»,
berichtet Hans-Jürgen Giese. Da sind Museen und Galerien im Vorteil,
die mit zeitgenössischen Künstlern arbeiten. «Die freuen sich, wenn
sie ihre Bilder unter guten Bedingungen ausstellen können», berichtet
Annette Wiedemann, Galeristin aus Suhl. Im persönlichen Kontakt mit
den Künstlern lasse sich manches unproblematischer regeln.
Nach Einschätzung von Erik Stephan, Kurator der Kunstsammlungen
Jena, geht die Entwicklung bei Kunstausstellungen spätestens seit dem
Erfolg der Berliner MoMA hin zu besucherträchtigen «Blockbustern».
Dieses Potenzial habe vor allem die klassische Moderne. Zugleich
werde die Konkurrenz der Ausstellungshäuser um Picasso, Chagall,
Monet oder Feininger immer größer. «Die Leihgeber schauen, wo sie
viel Publikum finden, da sind Museen in Metropolen gegenüber denen in
der Provinz natürlich im Vorteil», sagt Jakobson. Auch vor diesem
Hintergrund hat der Museumsverband die Landesregierung aufgefordert,
die Finanzzuschüsse für die Museen wieder anzuheben. Erik Stephan:
«Anderenfalls werden sich Thüringer Kunstinteressierte für eine
schöne Ausstellung demnächst wohl außerhalb der Landesgrenzen begeben
müssen.»












































