Landwirtschaft
EU-Weinmarktreform gärt weiter
Konkurrenzfähigkeit zu Übersee-Produkten stärken - Gesetzentwurf nicht vor dem Sommer
VON Andrea Löbbecke, 31.01.07, 11:00h

Bei klarem blauen Himmel bindet die Mitarbeiterin eines Weinbauern in Trechtingshausen bei Bingen am Rhein die Äste der Weinreben an gespannten Stahlseilen fest. (Foto: dpa)
Mainz/dpa. Auf den Weingütern im Land ist es derzeit eher
ruhig: In den Kellern reift der Wein, in den Weinbergen laufen erste
Vorbereitungen für den Rebschnitt. Dagegen gärt ein
weinbaupolitisches Thema munter weiter: Die geplante Reform der EU-Weinmarktordnung. Hieß es zunächst, der Gesetzentwurf liege Ende
Januar in Brüssel auf dem Tisch, sieht es nun laut Experten eher
danach aus, dass die Vorlage nicht mehr während der deutschen EU-
Ratspräsidentschaft fertig wird. Die EU-Kommission will die Förderung
für den Sektor rigoros umkrempeln und so europäischen Wein im
Wettbewerb mit Übersee-Produkten konkurrenzfähiger machen.
Rund 1,4 Milliarden Euro fließen nach den Worten der konservativen
Europaabgeordneten und Agrarexpertin Elisabeth Jeggle (EVP-ED/CDU)
bislang pro Jahr in den Sektor - davon werden allein 600 Millionen
Euro für die Destillation von Überproduktionen ausgegeben. «Wir haben
keinen Milchsee mehr und keinen Butterberg. Dies müssen wir nun auch
beim Wein schaffen.» Eine Abstimmung im Agrarausschuss des
Europäischen Parlaments über die EU-Weinmarktreform im Januar sei
jedoch eher «durchwachsen» verlaufen.
«Mit der EU-Kommissarin Fischer Boel sind wir uns einig, dass wir
eine tief greifende Reform des geltenden Rechtsrahmen benötigen»,
sagt der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes, Rudolf
Nickenig, in Bonn. «Wir brauchen eine erheblich vernünftigere
Verwendung des EU-Budgets für Wein, das bisher für die Destillation
von überschüssigen Tafelweinen in Südeuropa verschwendet wurde.» Für
die deutschen Winzer ist Überproduktion kein Thema - im Gegenteil:
Bei der vergangenen Ernte hätte es auch gern noch etwas mehr sein
können.
Nach dem Willen der deutschen Weinwirtschaft sollten mit dem Geld
eher Qualität, Produktionsstrukturen und das Marketing verbessert
werden, sagt Nickenig. Dazu zähle unter anderem eine Förderung des
traditionellen Steillagenweinbaus an der Mosel und der besondere
Schutz des Mittelrheintals als Weltkulturerbe. Zudem plädiert
Nickenig dafür, mehr Geld in Verbraucherinformationen für
gesundheitsbewussten Weingenuss zu investieren.
Den deutschen Winzern brennt zudem das Thema der Zucker-
Anreicherung besonders unter den Nägeln - ein in Deutschland
traditionelles Verfahren, um den Alkoholgehalt der Weine zu erhöhen.
Die EU-Kommission empfiehlt dagegen in ihrem bisherigen Vorschlag
«ein Verbot des Zuckerzusatzes und eine strenge Regulierung des
Einsatzes von konzentriertem Most». In Deutschland ist die
Anreicherung allerdings von großer Bedeutung, um in eher kühleren
Anbauregionen und bei schlechteren Jahrgängen die nötigen
Alkoholvolumenprozente zu erzielen.
«Ich halte nichts davon, dieses Verfahren zu verbieten. In den
vergangenen guten Jahrgängen war es kein großes Thema, aber für
schlechtere Ernten ist es wichtig», sagt Andreas Wagner vom Weingut
Wagner in Essenheim bei Mainz. Mit der deutschen Klassifizierung von
Weinen sei zudem klar geregelt, bis zu welcher Qualitätsstufe dieses
önologische Verfahren zugelassen ist - und daher auch für den
Verbraucher gut nachvollziehbar. Der Winzer Joachim Heger vom
badischen Kaiserstuhl pflichtet dem bei: «Ich kenne niemandem, der da
eine Änderung möchte.» Im besonders sonnenverwöhnten Baden sei
allerdings die Anreicherung eh kein großes Thema.
«Wir sollten großen Wert darauf legen, dass die Individualität
etwa der deutschen Weißweintypen nicht verwischt wird», mahnt
Weinexperte Otto Schätzel vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum
(DLR) in Oppenheim. «Es ist nicht nur ein Appell an die EU, sondern
auch an die Winzer, sich auf ihre unverwechselbaren Weinstile zu
konzentrieren.» Als Hochlohnland habe Deutschland auf dem
internationalen Weinmarkt nur eine Chance im Premiumbereich.
Nach den Informationen von Weinbau-Generalsekretär Nickenig wird
die Vorlage für die Reform derzeit rege im Europäischen Parlament
diskutiert. «Es sind rund 600 Änderungsanträge eingegangen», sagt er.
Im Februar wolle das Parlament dann über den Entwurf abstimmen - und
mit diesem Ergebnis arbeitet dann die EU-Kommission weiter. In den
rheinhessischen Weinbergen von Andreas Wagner ist dagegen von den
Debatten in Brüssel wenig zu spüren. «Das ist weit weg», sagt er. Im
Gespräch mit anderen Winzern sei EU-Politik quasi nie ein Thema.












































