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Gesundheit

Klage auf Fortsetzung der staatlichen Heroinabgabe?

VON CHRISTIAN EBNER, 31.01.07, 09:18h, aktualisiert 31.01.07, 23:18h
Drogenschmugglerin
Maria (Catalina Sandino Moreno) schmuggelt in dem Film «Maria voll der Gnade» Päckchen mit Heroin. (Bild: ARD Degeto) (Foto: dpa)
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FRANKFURT/MAIN/DPA. An ein Leben ohne Drogen kann sich Moses kaum erinnern. Seit mehr als 30 seiner 47 Lebensjahre drückt sich der gelernte Stuckateur Heroin in die Adern; Crack, Haschisch, Pillen und Alkohol waren auch oft dabei. Dass er sich seit knapp vier Jahren auf einem aufsteigenden Ast befindet, kann der Frankfurter Alt-Junkie selbst kaum glauben: «2002 hätte mir keiner noch mehr als ein halbes Jahr gegeben.»

Moses ist Heroinpatient Nr. 3 in der Drogenambulanz in der Grünen Straße im Frankfurter Ostend. Seit Februar 2003 bekommt er mehrmals täglich seinen Stoff vom Staat - zunächst im Rahmen eines bundesweiten Medikamentenversuchs, danach als Überbrückung, bis die im wissenschaftlichen Test erfolgreiche Anwendung des synthetischen Heroins (Diamorphin) endlich Gesetz würde.

Daraus wird nun möglicherweise nichts, denn eine starke Gruppe in der Unions-Bundestagsfraktion sperrt sich nach wie vor trotz positiver Ergebnisse der Studie gegen die Zulassung der Droge als Medikament. Bislang hat dagegen auch der Protest der sieben am Heroinprojekt teilnehmenden Kommunen - neben Frankfurt sind das Hamburg, Hannover, Köln, Bonn, Karlsruhe und München - so wenig geändert wie die Ankündigung Hamburgs, eine entsprechende Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen.

«Ich hatte auf einmal Zeit, mich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern und nicht nur darum, wo ich meinen nächsten Schuss herbekomme», beschreibt Moses sein Leben mit dem Staatsstoff. Er hat inzwischen eine neue Freundin, eine kleine Wohnung und einen Hund - und könnte auch einen Halbtagsjob annehmen, wenn es den für Leute wie ihn gäbe. Irgendwann, so sagt Moses, will er das Heroin ganz aufgeben. Sein Kumpel Klaus (51) ist auf diesem Weg schon weiter - er wird in der Ambulanz «rausdosiert» und erhält nur noch ein Fünftel der möglichen Tages-Höchstdosis von einem Gramm.

«Methadon würde ich nicht mehr nehmen», sagt Klaus, der sich an den «Dauertran» erinnert, in den ihn die Ersatzdroge versetzt habe. «Das nimmt dir zwar den Suchtdruck, macht dich aber auch total lethargisch. Für Frauen habe ich mich damals überhaupt nicht mehr interessiert.» Für die meisten der noch rund 300 Versuchsteilnehmer, die derzeit noch Heroin in den Ambulanzen erhalten, könnte die Umstellung auf Methadon aber schnell Realität werden: Das Bonner Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in seiner letzten Ausnahmegenehmigung verfügt, dass die Süchtigen bis zur Jahresmitte auf eine andere Therapie umgestellt sein müssen.

Seriös ist das nach den Worten des Frankfurter Suchtmediziners Wilfried Köhler in kürzestens drei Monaten möglich. Ende März müsste daher eigentlich Schluss sein mit der Heroinabgabe - möglicherweise mit verheerenden Folgen für die Betroffenen. Köhler ist sich nach Erfahrungen aus den Niederlanden sicher, dass die mittlerweile bis zu vier Jahre lang vom Staat versorgten Junkies in ein tiefes Elendsloch fallen würden, wenn sie auf Methadon umgestellt würden. «Ich bin da hilflos», sagt Köhler zu der Bonner Auflage.

Für eine kleine Gruppe der Schwerstabhängigen, die häufig auch weitere Krankheiten und massive psychische Probleme mit sich herumschleppten, sei die Heroinvergabe genau das richtige Mittel, sagt auch der Psychiater und Ambulanzarzt Hamid Zokai. Mit einer allgemeinen Freigabe habe das nichts zu tun. «Das ist was für die, die wir anders nicht mehr erreichen können.»

Politisch steht die Front für die Heroinvergabe in Hessens größter Stadt so eindeutig wie sonst in kaum in einer Kommune. Auch die gerade mit großer Mehrheit wiedergewählte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat sich stets vehement für die Drogenhilfe und speziell auch für die Heroinambulanz eingesetzt. Frankfurts junge Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) gibt sich kämpferisch und hat beim BfArM eine Ausnahmegenehmigung für drei Jahre und 150 Patienten beantragt - fast drei Mal so viele wie aktuell. Zur Not werde die Stadt, die sich als «Mutter der Diamorphinvergabe» sieht, gegen eine Ablehnung klagen.


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