CSU
Droht Fürther Landrätin jetzt ein Parteiausschluss?
Landtagsabgeordneter sieht Verstoß gegen Satzung - Umweltminister Schnappauf lehnt ab
erstellt 29.12.06, 11:40h, aktualisiert 29.12.06, 16:07h
München/dpa. Nach der massiven Kritik der Fürther Landrätin
Gabriele Pauli an Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber werden in
der CSU Rufe nach einem Parteiausschluss der fränkischen Politikerin
laut. Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) lehnte einen Ausschluss
Paulis, die dem CSU-Vorstand angehört, dagegen ab. «Es wäre falsch,
ihr die Tür zu weisen», sagte er dem Magazin «Focus». Stattdessen
solle man sich mit Pauli auseinander setzen. «Wir sollten sie
einbinden und ernst nehmen.» Der CSU-Landtagsabgeordnete Konrad
Kobler forderte Stoiber unterdessen auf, bereits 2007 seinen
Parteivorsitz abzugeben.
Der CSU-Landtagsabgeordnete Berthold Rüth sprach sich für ein
Ausschlussverfahren gegen Pauli aus. Sie schade mit ihrem Verhalten
der Partei und betreibe das Geschäft des politischen Gegners. Somit
sei Paragraf 50 der CSU-Satzung anzuwenden, wonach gegen Mitglieder,
die die Grundsätze oder die Ordnung der Partei missachten,
Ordnungsmaßnahmen ausgesprochen werden können.
Pauli setzte sich gegen die Ausschlussforderung zur Wehr. Viele
CSU-Mitglieder sähen Parteichef Stoiber ebenfalls kritisch, sagte sie
dem Nachrichtensender N24. Man solle nun nicht über Parteiausschlüsse
debattieren, vielmehr brauche die CSU eine «personelle und
inhaltliche Erneuerung». «Ich bin dankbar dafür, dass nun viele offen
ihre Meinung sagen, die das bislang nur hinter vorgehaltener Hand
getan haben.» Pauli sagte, sie habe mehrmals um ein Gespräch mit
Stoiber gebeten - bislang sei er dazu nicht bereit gewesen.
Pauli bot an, sich bei der traditionellen Winterklausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Wildbad Kreuth mit Stoiber zu treffen.
«Ich habe kein Problem damit, nach Kreuth zu fahren und mich der
Diskussion zu stellen», sagte sie der «Bild»-Zeitung (Freitag). Die
Landesgruppenführung schloss eine Einladung Paulis nach Kreuth
allerdings aus. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im
Bundestag, Hartmut Koschyk, sagte dem Blatt: «Kreuth ist für diese
Diskussion der falsche Ort. Wir beschäftigen uns nicht mit dem
Innenleben der CSU, sondern mit derem bundespolitischen und
europapolitischen Anspruch.»
CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann hatte am Vortag bereits
ausgeschlossen, dass Pauli zur Winterklausur der CSU-Fraktion
eingeladen wird, die eine Woche nach der Landesgruppenklausur
ebenfalls in Kreuth stattfindet. Pauli sei kein Mitglied der
Fraktion, sondern Mitglied des Parteivorstands.
Die Fürther Landrätin hatte mit ihrer Ankündigung, einen Antrag
für eine Urwahl des Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten zu
stellen, eine hitzige Debatte ausgelöst. Führende CSU-Politiker
stellten sich hinter Parteichef Stoiber. Sie gaben dem Antrag Paulis
keine Chance, da es zu Stoiber bei der Landtagswahl 2008 keine
Alternative gebe. Pauli fordert dagegen, dass Stoiber nicht noch
einmal antritt.
Kobler schlug als Nachfolger für Stoiber als Parteichef
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) vor. Kobler sagte
der «Financial Times Deutschland» (Freitag): «Mit einem solchen
Schritt würde Stoiber die Partei befrieden und könnte sich den
Rückhalt für die Landtagswahl 2008 sichern.» Auslöser der Debatte um
Stoiber war die Spitzelaffäre um die Staatskanzlei. Stoibers
Büroleiter Michael Höhenberger war zurückgetreten, nachdem Pauli ihm
vorgeworfen hatte, ihr Privatleben ausgeforscht zu haben.































