Fernsehen
Film über den Mauerbau ohne Helden
Heino Ferch spielt in «Die Mauer - Berlin '61» einen sprachlosen Versager
VON Wilfried Mommert, 28.09.06, 10:06h, aktualisiert 28.09.06, 10:17h

Die Schauspieler Inka Friedrich (l.) und Heino Ferch kommen am Mittwoch (27. September) in Berlin zur Premiere des Films "Die Mauer - Berlin 61" in das Kino Babylon. (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Heino Ferch hatte ein paar Monate Pause gemacht und sich mehr um sein privates Glück gekümmert, bevor er jetzt wieder einen Film nach dem anderen dreht und auch mal in einer ziemlich ungewohnten Rolle daherkommt - als sprachloser Versager in «Die Mauer - Berlin '61». Der Film läuft an diesem Freitag (20.40 Uhr) bei Arte und am 4. Oktober (20.15 Uhr) in der ARD. Für Ferch ist es nach der «Luftbrücke» und dem Fluchthelferdrama «Der Tunnel» wieder eine «Berliner Geschichte», gedreht zu großen Teilen im heute polnischen Breslau (Wroclaw). «Ich habe immer gerne Ja gesagt, wenn Berlin-Themen auf mich zuflatterten», sagt Ferch.
Der Regisseur Hartmut Schoen («Der Grenzer und das Mädchen») will mit seinem Film zeigen, wie Politik plötzlich und unerwartet in das Privatleben einfacher Menschen eingreift, hier am Beispiel einer Familie in den Tagen des Mauerbaus in Berlin im August 1961. Ost-Berliner Eltern, die im Westen bleiben wollen, lassen ihren Sohn (Frederick Lau) zurück, der in einen tiefen Konflikt zwischen familiärer Bindung und Einschüchterungen der Partei stürzt und in einem Kinderheim landet. Vergeblich versucht eine Klavierlehrerin (Iris Berben) zu helfen.
Die Ehefrau (Inka Friedrich) gibt ihrem Mann die Schuld an der
Misere, die beide im Westen nicht heimisch werden lässt. Ferch spielt
den unentschlossenen Zauderer, er verstummt immer mehr und zeigt sich
total überfordert von der Situation, auch ein Freund im Westen (Axel
Prahl) kann nicht wirklich helfen. Selten hat man Ferch so schweigsam
gesehen. «Die Eltern warteten, wie so viele, 28 Jahre, zwei Monate
und 28 Tage, dann fiel die Mauer», heißt es am Ende des Films. «Und
als sie sich wiedertrafen, waren sie sich fremd.» Der Film schildert
eindrucksvoll die sich steigernde Dramatik des Geschehens ohne Happy-
End. Es gab auch Überlegungen zu einem anderen Schluss.
Der zwei Jahre nach dem Mauerbau in Bremerhaven geborene Ferch war
von 1987 bis 1994 an der Berliner Volksbühne von Hans Neuenfels und
am Schiller-Theater von Alfred Kirchner engagiert und fühlt sich nach
wie vor in der Stadt wohl. «Berlin-Themen faszinieren mich sehr, es
ist irre, was diese Stadt in 100 Jahren alles gesehen hat», meinte er
in einer Drehpause seines neuesten TV-Projekts am Rande von Berlin,
in dem er den Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann spielt.
«Unser Film über den Mauerbau steht für Tausende von Schicksalen
in Deutschland», sagt Ferch. Und er ist froh, mal nicht eine
Heldengeschichte zu spielen. «Der Mann in dem Film hat Schuld auf sich geladen und bricht darunter zusammen. Die ganze Situation überfordert ihn, wie viele Menschen damals.»
Regisseur Schoen (Jahrgang 1951) erinnert sich an die Reaktionen
seines Vaters, eines Berliners, am 13. August 1961. «Ich kann mich
noch an diese Fassungslosigkeit erinnern, diese blutlosen Lippen. Es
war ja für viele Menschen undenkbar, dass man eine ganze Stadt wie
Berlin, eine Metropole teilen kann.» Über seinen männlichen
Hauptdarsteller sagt der Regisseur: «Heino Ferch hat es gereizt, dass
er diesen Supermann mal nicht spielen muss, und auch mal der Loser zu
sein, stumm zu werden, hilflos zu sein, die Führung der Familie an
die Frau abzugeben. Auch Iris Berben ist gut, sie ist inhaltlich
ernster geworden und vielleicht froh, nicht immer nur die schöne
Heldin darzustellen.»
Für den Berliner Jungstar Frederick Lau, der erst im Jahr des
Mauerfalls 1989 zur Welt gekommen ist und in dem Film den
Jugendlichen zwischen zwei Welten spielt, ist es natürlich erst recht
ein historischer Film über eine sehr weit zurückliegende Zeit.
Während der Dreharbeiten hat er mit vielen Zeitzeugen aus Ost und
West gesprochen und sich auch viele Filme über das geteilte
Deutschland angesehen. «Es war doch verständlich, dass viele Menschen
versucht haben, rüberzukommen», meint er heute. Seine Eltern erlebten
den Fall der Mauer in Berlin. «Meine Mutter hat geweint», erinnert
sich Lau.












































