Klimawandel
Malediven vor dem Untergang
Experten warnen vor dramatischen Sturmfluten und Meeresanstieg
erstellt 31.05.06, 16:02h

Nach einer Sturmflut bahnt sich ein Mann im Hamburger Hafen seinen Weg durch das Wasser (Archivbild). (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Durch den Klimawandel drohen künftig dramatische
Sturmfluten, zerstörerische Hurrikans und eine Versauerung der
Weltmeere. Davor warnt ein Gutachten der Bundesregierung, das am
Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Der Anstieg des Meeresspiegels
könne auf lange Sicht Küstenregionen in Nordeuropa überfluten und
Inselstaaten wie die Malediven untergehen lassen, sagte der Direktor
des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim
Schellnhuber. Hurrikans würden viel zerstörerischer. Die fortgesetzte
Versauerung der Meere durch Kohlendioxid gefährdet den Experten
zufolge die Fischbestände. Der Ausstoß des Treibhausgases müsse
stärker begrenzt werden.
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung (WBGU) beschreibt
in dem Sondergutachten ein Alarmszenario: «Es gibt Anzeichen für
einen beginnenden Zerfall der Kontinentaleismassen auf Grönland und
in der Antarktis, der in den kommenden Jahrhunderten mehrere Meter
Meeresspiegelanstieg verursachen könnte.» Der Potsdamer Klimaforscher
Stefan Rahmstorf sagte, der Meeresspiegel könne bis zum Jahr 2100 um
bis zu einen Meter steigen. Dadurch wären laut Studie Venedig, Sankt
Petersburg, aber auch Teile New Yorks von Fluten gefährdet. Akut
bedroht seien die meisten tropischen Korallenriffe: Sie könnten in 30
bis 50 Jahren verschwunden sein. Größere Gebiete an den Küsten
Europas könnten aber erst nach mehreren Jahrhunderten betroffen sein.
Die Wissenschaftler befürchten eine gewaltige Flüchtlingswelle,
wenn der Anstieg des Meeresspiegels zerstörerische Hurrikans auslöst
und Küsten sowie kleine Inselstaaten überflutet. Etwa jeder fünfte
Mensch lebe weniger als 30 Kilometer vom Meer entfernt. Die Experten
fordern rasches Gegensteuern: Der Treibhausgasausstoß müsse bis 2050
im Vergleich zu 1990 etwa halbiert und der Anstieg der Lufttemperatur
auf weniger als zwei Grad Celsius im Vergleich zum 19. Jahrhundert
begrenzt werden. Damals lag die Temperatur um etwa 0,8 Grad unter der
heutigen. Die Überfischung der Ozeane müsse gestoppt und mindestens
20 bis 30 Prozent der Meeresfläche sollten zu Schutzgebieten erklärt
werden.
«Zum ersten Mal wird hier die zweifache Bedrohung durch den
übermäßigen Kohlendioxidausstoß, nämlich der Treibhauseffekt und die
Versauerung der Ozeane, aufeinander bezogen», sagte Ulf Riebesell vom
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Arbeiten seines
Teams haben gezeigt, dass kalkbildende Organismen wie Muscheln,
Schnecken und Korallen im Meer durch die zunehmende Versauerung
nachhaltig geschädigt werden.
«Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum schnelleren Anstieg
des Meeresspiegels und der Bedrohung der Meere durch Versauerung sind
Besorgnis erregend», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im
Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). Nur mit den
Begrenzungszielen des Beirats könnten die Kosten bewältigt werden.
Selbst dann seien die wirtschaftlichen Folgen gravierend. Das
Bundesforschungsministerium sprach von einem «Alarmsignal» und
befürwortete die Empfehlung, Schutzgebiete auszuweisen.




































