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Gesundheit

Pflicht zum Arztbesuch?

Mediziner fordern neue Regeln für Kinder - SPD will Allianz schmieden

VON Ute Albersmann, 29.12.05, 21:49h
Kinderärztin bei der Untersuchung
Kinderärztin Sabine Krebes untersucht Nadine und Kristin Seifert aus Droyßig (Burgenlandkreis) (MZ-Archivfoto: H. Krimmer)
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Halle/MZ. Sachsen-Anhalts Kinderärzte fordern die Pflicht zur Vorsorge-Untersuchung von Kindern. Entwicklungsstörungen könne dann besser begegnet werden; Vernachlässigungen und Misshandlungen würden eher aufgedeckt. "Wir erreichen viele Kinder zu spät", sagte die hallesche Kinderärztin Cordula Worch, Vize-Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder-und Jugendärzte in Sachsen-Anhalt. Bisher sind die Vorsorge-Untersuchungen freiwillig.

Der Pflichtbesuch beim Kinderarzt ist nicht unumstritten. Gesundheitsminister Gerry Kley (FDP) reagiert daher verhalten. Es sei "fraglich, ob man Eltern dazu zwingen kann", sagte er. Grundsätzlich ablehnend steht er dem Thema aber nicht gegenüber. Gegebenenfalls sollte, so Kley, die Zahlung des Kindergeldes an die Teilnahme an Pflicht-Untersuchungen geknüpft werden.

Sachsen-Anhalts Sozialdemokraten wollen unterdessen eine "Allianz für die Gesundheit von Kindern" schmieden und die Gesundheitsvorsorge neu ordnen. Die SPD setzt auf die Zusammenarbeit von Experten von der Geburtsklinik bis zum Kindergarten und fordert regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen in Tagesstätten. Ob die Pflicht-Vorsorge mit zum Paket gehören sollte, ließ SPD-Gesundheitsexpertin Gerlinde Kuppe offen. Mit Fachleuten aus Ämtern und Krankenkassen, Vertretern von Freiwilligen-Agenturen, Ärzten, Hebammen und Erziehern will sie ein Paket schnüren, das "zu besserer Beratung und Begleitung führt". Die Gesundheits-Allianz soll Krankheiten wie Diabetes bei Kindern den Kampf ansagen, und sie soll vernachlässigten Kindern helfen.

Nach Schätzungen der UN-Kinderhilfswerks Unicef sterben in Deutschland pro Woche zwei Kinder durch Misshandlung oder Vernachlässigung. Rund 200000 lebten in verwahrlostem Zustand oder müssten Misshandlungen erleiden. Sachsen-Anhalts Polizeistatistik weist für das Jahr 2004 insgesamt 110 Fälle von Kindesmisshandlung und 96 Fälle der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht aus. Die Dunkelziffer gilt als hoch.


    
    
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