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Betrunkene Kontrolleure bedrohten Afrikaner

VON Heidi Pohle, 13.09.05, 21:09h, aktualisiert 14.09.05, 13:44h
Straßenbahn-Haltestelle am Steintor in Halle
Ort des Geschehens war diese Straßenbahn-Haltestelle am Steintor in Halle. (MZ-Foto: Wiederhold)
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Halle/MZ. Schwere Vorwürfe gegen Fahrkarten-Kontrolleure in Halle: Außerhalb ihrer Dienstzeit haben sie nach Zeugenangaben einen Afrikaner beschimpft, bedroht und geschlagen. Ein 30-jähriger Afrikaner, der mit seiner Frau in Halle lebt, bestieg am Wasserturm eine Straßenbahn der Linie 1 in Richtung Innenstadt. Nach Angaben der Polizei forderten vier Kontrolleure, die sich nicht im Dienst befanden und betrunken waren, den Mann auf, seinen Fahrschein zu zeigen. Es kam zum Streit, dann fielen Schläge. Der Vorfall ereignete sich bereits am Freitagabend, wurde aber erst am Dienstag bekannt.

Ein Zeuge beobachtete den Vorfall, als er an der am Steintor haltenden Bahn mit dem Rad vorüberfuhr. "Da bin ich eingestiegen und habe versucht, einen der vier Männer wegzuziehen, der gerade auf den Afrikaner einschlug", beschrieb der 25-Jährige am Dienstag gegenüber der MZ die gewalttätige Szene, in die sich zwei weitere junge Männern zugunsten des Afrikaners eingemischt hatten. Dadurch sei es dem Opfer gelungen, aus der stehenden Bahn zu springen. Draußen habe der Schläger gebrüllt, dass er "den Nigger" umbringen wolle.

Die Polizei vernahm drei stark angetrunkene Täter zwischen 36 und 41 Jahren noch am Tatort, der vierte flüchtete. Die Männer gehören zur Service-Gesellschaft Saale (SGS), einer Tochterfirma des Verkehrsunternehmens Havag. SGS-Mitarbeiter kontrollieren in den Fahrzeugen der Havag die Tickets. Wie SGS-Geschäftsführer Thomas Milewski sagte, sei er bestürzt über den Vorfall. Angriffe von Kontrolleuren auf Fahrgäste habe es noch nie gegeben. Die Männer seien vom Dienst suspendiert. "Am Mittwoch entscheide ich, ob sie entlassen werden." Nach seiner Kenntnis seien sie bislang nicht als ausländerfeindlich aufgefallen. "Was sie jedoch in ihrer Freizeit machen, weiß ich nicht." Von ihren kurzen Haaren auf die Gesinnung zu schließen, halte er für gewagt.

Die Polizei ermittelt auch in Richtung rechtsradikaler Szene. Beteiligte und Zeugen sollen nochmals vernommen werden. Erst danach will die Havag über mögliche Konsequenzen gegenüber ihrer Tochterfirma nachdenken. "Der Vorfall hat uns sehr erschüttert", sagte Pressesprecherin Antje Pauli.


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