Bundeswehr
Professor muss sich wegen Folter-Äußerung rechtfertigen
Michael Wolffsohn: Anders ist Terroristen nicht beizukommen - Gespräch bei Struck
VON Markus Decker, 13.05.04, 22:04h

Schätzt es seit Jahren, anzuecken: Professor Michael Wolffsohn. (Foto: dpa)
Berlin/MZ. Daran, dass er
es ernst meinte, kann kein Zweifel bestehen.
Auch wurden die Äußerungen nicht aus dem Zusammenhang
gerissen. Michael Wolffsohn erklärte in einem
Fernsehinterview klipp und klar: "Als eines
der Mittel gegen Terroristen halte ich Folter
oder die Androhung von Folter für legitim."
Anders sei ihnen nicht beizukommen. Verteidigungsminister
Peter Struck hat nun ein Problem. Denn Wolffsohn
ist seit 1981 Professor für Geschichte an
der Bundeswehr-Uni in München.
Angesichts immer neuer Enthüllungen über Folter
der US-Streitkräfte muss Struck jeden Eindruck
vermeiden, wonach derlei Praktiken in der
deutschen Armee praktiziert oder geduldet
werden. Und Wolffsohn ist immerhin für die
Ausbildung der Bundeswehr-Elite mit verantwortlich.
"Ein deutscher Soldat foltert niemanden",
so Struck. Wenn sich das Gegenteil erweisen
sollte, will der Minister seinen Hut nehmen.
Der SPD-Politiker hat Wolffsohn zu einem Gespräch
in sein Haus "einbestellt". Einbestellt werden
sonst Botschafter fremder Länder im Falle
schwerer atmosphärischer Störungen. Juristisch
hat Struck offenbar keine Handhabe. Wolffsohn
kann sich auf die Freiheit von Forschung und
Lehre berufen. Ein Rausschmiss ist nicht drin.
Der 1947 in Tel Aviv geborene Historiker ist
seit langem umstritten. Der frühere Präsident
des Zentralrates der Juden in Deutschland,
Ignatz Bubis, bezeichnete Wolffsohn einmal
als "Vorzeigejuden der deutschen Rechtsradikalen".
Am Donnerstag machte sich ausgerechnet der wegen
einer antisemitischen Rede aus der Unionsfraktion
ausgeschlossene Abgeordnete Martin Hohmann
für Wolffsohn stark.
Wolffsohn sagte der MZ: "Es gibt einen Rechtsstaat in
Deutschland. Und die Gesetze stehen eindeutig
auf meiner Seite. Die Rechtsabteilung des
Verteidigungsministeriums ist ja zu demselben
Schluss gekommen." Sicherheitshalber distanzierte
er sich von dem Interview: "Ich lehne Folter
und Racheakte grundsätzlich ab. Alles andere
ist Dichtung ohne Wahrheit." Auf die Frage,
was er sich von dem Gespräch mit Struck erwarte,
erwiderte der Professor: "Ich bin eingeladen
zum Gespräch und höre zu."






























