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Nachhilfe im Kiez

Auch Pauker sind Schüler

VON Sylke Kaufhold, 22.06.04, 17:59h, aktualisiert 22.06.04, 18:23h
Astrid Schleupner
Astrid Schleupner lernt selbst in der 12. Klasse des Philanthropinums. Im Kiez hilft sie jüngeren Schülern, ihre Noten in Mathematik zu verbessern. (MZ-Foto: Lutz Sebastian)
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Dessau/MZ. Seit Dezember rauchen im Kiez in der Bertolt-Brecht-Straße die Köpfe. Schulnoten, die verbessert werden sollen (manchmal auch wollen), sind der Grund dafür. Das Nachhilfeprojekt "Schüler helfen Schülern" ist gut angelaufen, schätzt Projektleiterin Lotte Jüptner ein. Dreizehn Schülerinnen und Schüler der 6. bis 10. Klasse kommen regelmäßig, um ihre Zensuren in Mathe, Englisch, Chemie oder Physik zu verbessern oder sich auf Prüfungen und Klassenarbeiten vorzubereiten.

Unterrichtet werden sie von fünf Gymnasiasten der 12. Klasse des Philanthropinums. "Die machen ihre Sache richtig gut und kommen bei den anderen Jugendlichen richtig gut an", lobt Lotte Jüptner ihre Helfer. Auch erste Erfolge seien bereits zu verbuchen. "Der Sprung von 5 auf 3 ist schon gelungen", hebt sie hervor und möchte damit auch anderen Mut machen, den Weg ins Kiez zu finden. "Wenn der Wille da ist, kann man immer was machen", bestätigt "Nachhilfelehrer" Alexander Spielau.

Einfach sei die selbsterwählte Aufgabe allerdings nicht, geben Astrid Schleupner, Anja Wittig, Fabian Schwabe und Alexander zu. "Man muss viel Geduld haben", weiß Astrid inzwischen. Das Rechnen einer einzigen Aufgabe könne schon mal eine halbe Stunde dauern. Anja hat beobachtet, dass viele ihrer Schützlinge kein Selbstvertrauen haben und sich gar nicht trauen, etwas zu sagen. Auch fehle oftmals die Motivation. "Die Kids immer wieder zu motivieren, ist eine unserer Hauptaufgaben", bestätigt Fabian.

Während die fünf Gymnasiasten mit den Schülern arbeiten, hält Lotte Jüptner den Kontakt zu den Eltern. Sie werden über die Lernfortschritte und auch Probleme ihrer Kinder informiert. Steht eine wichtige Arbeit an, werde auch kurzfristig gepaukt. "In ganz dringenden Fällen passiert dies auch am Wochenende", gesteht Alexander zu.

Unterstützt wird das Nachhilfeprojekt auch vom Direktor der Friedensschule, der thematische Seminare beispielsweise zur Lernmethodik anbietet. Auch für Eltern. "Aber hierfür ist das Interesse noch sehr sehr gering", sagt Jüptner.

So eine 90-minütige Unterrichtsstunde ist harte Arbeit. Für beide Seiten. Hilfe und Unterstützung erhalten die fünf Hobbylehrer von Undine Lindner, Profilehrerin am Philanthropinum. "Ich finde das eine schöne Initiative von den Schülern, anderen zu helfen", meint sie. Deshalb unterstütze sie dies gerne und stehe mit methodischer und moralischer Hilfe zur Seite. "Wir treffen uns regelmäßig, tauschen uns zu Problemen und Fragen aus." Freuen würden sich die fünf, wenn sich weitere Gymnasiasten zur Mithilfe entschließen könnten. "Wir können Hilfe gebrauchen und müssen ja auch an die Zukunft denken, in einem halben Jahr sind wir nicht mehr dabei", macht Alex aufmerksam.

Interessenten melden sich bei Lotte Jüptner, Telefon 21 30 22, Montag bis Donnerstag, 8 bis 13.30 Uhr. Eine Doppelstunde im Einzelunterricht kostet neun, in Gruppen fünf Euro. Ein Vertrag wird für ein halbes Jahr geschlossen.


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