Menschenrechte
Amnesty wirft Polizisten Misshandlungen vor
Menschenrechtsorganisation für «unabhängiges Kontrollgremium»
erstellt 14.01.04, 12:50h, aktualisiert 14.01.04, 15:27h

Polizeibeamte führen am Freitag (09.01.2004) in Berlin-Kreuzberg eine junge Frau ab, die zuvor gegen den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan protestiert hatte. (Foto: dpa)
Berlin/dpa. Amnesty International (AI) hat deutschen Polizisten
massive Misshandlungen vorgeworfen. Gefordert wurde eine umfangreiche
Statistik, mit der möglich Gewalttendenzen in der Polizei erkannt und
entsprechende Vorkehrungen getroffen werden könnten. Die
Generalsekretärin der deutschen AI-Sektion, Barbara Lochbihler,
stellte am Mittwoch in Berlin klar, dass die Arbeit der deutschen
Polizei nicht pauschal kritisiert werde. Die Gewerkschaft der Polizei
(GdP) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) wandten sich gegen
eine neue Kontrollinstanz, die Amnesty verlangt.
In einer umfangreichen Studie listet AI exemplarisch zwanzig
Misshandlungsfälle auf. Das Ergebnis: Die Ermittlungen von Polizei
und Staatsanwaltschaft liefen oft schleppend und seien wenig
objektiv. «Die beschuldigten Polizisten reagierten mit Gegenanzeigen.
Disziplinarstrafen blieben in den meisten Fällen aus», so Lochbihler.
Die jeweils unschuldigen Opfer hätten schwere körperliche und
seelische Schäden erlitten.
Als Beispiel führte Lochbihler einen Fliesenleger aus St. Augustin
bei Bonn an, der im Dezember 2000 von einem Sondereinsatzkommando
zusammengeschlagen worden sei. Der Mann, dessen Unschuld sich später
herausgestellt habe, leide noch heute unter den Folgeschäden. Sein
Nachbar - von Beruf Polizist - hatte den Fliesenleger nach einem
Streit auf unerlaubten Waffenbesitz angezeigt. Das Verfahren gegen
den Polizisten wurde 2003 wegen unzureichender Beweislage
eingestellt. Nur in einem von 20 in der Studie aufgelisteten Fällen
kam es zu einer Verurteilung von Polizisten.
Amnesty forderte deshalb die Einrichtung eines unabhängigen
Kontrollgremiums von Polizei, Staatsanwaltschaft, Politik und
Bürgern, um Vorwürfe schneller und besser aufklären zu können.
Beispiele ähnlicher Kontrollinstanzen gebe es bereits in Schweden,
England, Portugal und Österreich. Außerdem solle die Bundesregierung
das Zusatzprotokoll zur Anti-Folter-Konvention der Vereinten Nationen
unterzeichnen.
Die Polizeigewerkschaften meinten, die Forderung nach einem
unabhängigen Kontrollgremium stelle die Unabhängigkeit der deutschen
Justiz in Frage. «Die deutsche Polizei hat weder ein Gewaltproblem
noch ist sie fremdenfeindlich», sagte GdP-Chef Konrad Freiberg.












































