Berlin
Proteste bei Lesung von Täve Schur

Schur soll die Zwischenrufe während der Lesung ruhig zur Kenntnis genommen haben. Der "Tagesspiegel" zitiert seine Reaktion: "Sie haben mein persönliches Beileid. Doping muss bekämpft werden. Aber bitte, deswegen muss man doch das System nicht als kriminell darstellen."
Dieser letzte Satz entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Den DDR-Sport als grundsätzlich kriminell darzustellen, ist natürlich Unsinn, weil undifferenziert. Problematisch ist nur, dass Schur in dem Buch "Der Ruhm und ich", das er als Antwort auf seine Nichtaufnahme in die Ruhmeshalle des deutschen Sports geschrieben hat, selbst zu genau solcher undifferenzierter Darstellung greift. Verkürzt formuliert, ist sein Buch ein Gegeneinanderschneiden vieler Fan-Zuschriften, die Schur nach seiner Ablehnung erhalten hatte, und diverser Zeitungsartikel, die sich mit ihm vor allem wegen seines glorifizierenden DDR-Bildes kritisch auseinandergesetzt haben. Ebenso verkürzt kann man zusammenfassen: Alle Fans sind intelligente Menschen, alle Journalisten dumme Miesmacher.
Dass Schurs DDR-Bild zur Ablehnung in der Hall of Fame geführt hat, ist zwar nicht offiziell, man darf es aber annehmen. Er selbst tut dies - und liefert mit seinem Buch, gewollt oder ungewollt, ein Dokument, dass diese Begründung stützt. Es gipfelt auf der viertletzten Seite in seiner Ausführung, die DDR werde als zweite deutsche Diktatur ins Fenster gestellt. "Zum Beispiel wegen des MfS, das diese Diktatur mit brutaler Unterdrückung verwaltet haben soll. Weil diese Behauptung täglich wiederholt wird, suchte ich mal nach Fakten, die das belegen können." Es folgt eine wirre Rechnung, dass nur 0,02 Prozent aller Offiziere und Inoffizieller Mitarbeiter wegen Straftaten verurteilt worden seien. Man kann sich vorstellen, wie solche Argumente auf Opfer der DDR wirken müssen.


























