RFID
«Schnüffelchips» beim Einkauf
Die ersten großen Ketten haben die Technik jetzt eingeführt
VON Stefan Waschatz, 22.11.07, 10:35h, aktualisiert 22.11.07, 19:07h

Karstadt hat mit dem Einsatz von RFID-Chips an Kleidung begonnen. (Foto: dpa)
Berlin/Bielefeld/dpa. Es sind winzig kleine Chips, die die Wirtschaft von immer leichteren Arbeitsabläufen in Supermärkten und Warenhäusern träumen lassen. Die ersten großen Ketten haben die Chips jetzt eingeführt.
Kunden soll das zum Beispiel schnelle und individuelle Zusatzinformationen beim Einkauf bringen. Bei Verbraucher- und Datenschützern löst die Radiofrequenz-Technik RFID allerdings Sorgen aus: Im schlimmsten Fall drohe den Menschen eine weitgehende Überwachung.
Bei der RFID-Technik wird ein Computerchip mit Antenne in ein Etikett oder eine Plastikkarte an der Ware integriert. Auf dem Chip ist in der Regel ein Nummerncode gespeichert. So enthält jeder Gegenstand eine unverwechselbare Identität und kann jederzeit gefunden werden, weil er zum Beispiel im Kaufhaus Signale an einen Empfänger an der Tür, der Kasse oder der Rolltreppe sendet. Zukunftsmusik ist das heute schon nicht mehr.
Die Warenhauskette Kaufhof hat zum Beispiel Ende September in Essen ein Pilotprojekt zur breiten Einführung der RFID-Technik im Verkauf gestartet. Wenn Kunden ein Stück in die Hand nehmen, sollen auf Monitoren Zusatzinformationen wie zusätzlich verfügbare Größen erscheinen. Zehn Tage vorher hatte Konkurrent Karstadt in einer seiner Jeans-Abteilungen in Düsseldorf mit einem ähnlichen Versuch begonnen. Vorteile seien, dass die Logistik einfacher wird: Langfristig könne zum Beispiel die aufwendige Jahresinventur entfallen.
Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten breiter als der Warenverkauf. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland waren RFID-Chips in die Tickets integriert, und auch Bundesligavereine versehen ihre Dauerkarten mit den Chips. Praktischen Nutzen können sie in Skipässen und Monats- oder Jahreskarten des Öffentlichen Nahverkehrs haben.
Für einen differenzierten Blick auf die Technik wirbt Patrick von Braunmühl, der Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsfragen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin: «Wir sehen sowohl Chancen als auch Risiken.» Verbraucher könnten zum Beispiel von sinkenden Preisen profitieren, wenn die Unternehmen bei den Abläufen sparen können. Eine zumindest vorläufige Entwarnung gibt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn: «Die möglichen Risiken für den Verbraucher hängen von der Art der Anwendung ab - Kunden brauchen daher derzeit keine Angst zu haben», sagt Referatsleiter Markus Ullmann.
So sei zum Beispiel die Gefahr, dass gegen den Willen eines Verbrauchers Daten ausgelesen werden, durch die technischen Möglichkeiten begrenzt. Dennoch schlafen die Datenschützer nicht. Im Internet werden schon Produkte zum Schutz gegen die sogenannten «Schnüffelchips» angeboten. Der Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (FoeBuD) in Bielefeld hat zum Beispiel eine «RFID-Kartenschutzhülle» - eine Visitenkartenhülle aus Metall - aufgelegt.
Sie soll die elektromagnetischen Strahlen abschirmen und so verhindern, dass etwa Kundenkarten heimlich ausgelesen werden. Ullmann und von Braunmühl halten den Kauf solcher Produkte allerdings für unnötig. FoeBuD selbst räumt ebenfalls ein, dass Bürger derzeit auch ohne die Schutzhülle keine Sorge vor flächendeckender Überwachung haben müssen. Bei entsprechender Verbreitung der Technik könne es aber sein, dass im Laden auf Displays gleich der zum Kunden passende Werbespot eingeblendet wird. Die Datenschützer raten daher, «Respekt vor dieser Technik» zu haben - und sie fordern dazu auf, Läden zu boykottieren, die mit solchen Mitteln «in die Privatsphäre eingreifen wollen».






































