NVA
Viele krebskranke Soldaten bekommen keine Versorgung
Ministerium: Zusammenhang zwischen Erkrankung und Tätigkeit nicht nahgewiesen
erstellt 17.02.04, 08:01h, aktualisiert 07.02.08, 17:10h
Berlin/dpa. Das Verteidigungsministerium wird dem Großteil
krebskranker ehemaliger NVA-Soldaten keine Versorgungsleistungen
gewähren. In den meisten der rund 1100 gemeldeten Fälle bestehe kein
Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der Tätigkeit an
Radargeräten in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR, sagte eine
Ministeriumssprecherin am Dienstag der dpa in Berlin. Das Ministerium
verschickte unterdessen fünf positive Bescheide für NVA-Soldaten.
Die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Geulen und Klinger, die 180 NVA-
Strahlenopfer und 900 krebskranke Bundeswehrsoldaten vertritt,
kündigte Widerspruch gegen die Ablehnungen an. In Frankfurt/Oder
sowie ab 5. März in Bonn sind zudem Musterklagen auf Schmerzensgeld
und Schadensersatz in Höhe von 60 000 Euro pro Betroffenen anhängig.
Rechtsanwalt Reimo Klinger sagte der dpa: «So lange ich nicht 180
positive Bescheide auf dem Tisch habe, ist die Sache für mich nicht
abgeschlossen.» Die Ablehnungen widersprächen dem Bericht der vom
Verteidigungsausschuss des Bundestags eingerichteten Experten-
Kommission. Darin heiße es, Bediener von Radargeräten in der NVA, die
an Krebs erkrankt sind, seien als wehrdienstbeschädigt anzuerkennen.
Der «Leipziger Volkszeitung» (Dienstag) sagte Klinger, die
Versorgungsleistungen beliefen sich in der Regel auf 300 Euro
monatlich. Die Dauer hänge vom Gesundheitszustand ab.
Von den 1800 Bundeswehrangehörigen, die Versorgungsanträge
gestellt haben, wurden bislang rund 235 als wehrdienstbeschädigt
anerkannt. Die Gesamtzahl der Anerkennungen steht noch nicht fest, da
die Prüfungen noch andauern. Die ersten Anträge waren Anfang 2001
gestellt worden. Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping
(SPD) hatte eine großzügige und schnelle Regelung angekündigt.
Viele Antragsteller sind seitdem gestorben. Der Interessenverband
der Radaropfer beklagt eine schleppende Bearbeitung der Anträge. Am
3. März wollen Strahlengeschädigte vor dem Kanzleramt demonstrieren.
































