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Neuer Reisetrend?: Mit dem Fernbus günstig unterwegs

Uhr | Aktualisiert 18.02.2013 12:29 Uhr

Ab sofort bevölkern immer mehr Fernbusse die deutschen Straßen. (FOTO: DPA)

Wer in Deutschland günstig von A nach B kommen will, der kann ab sofort statt Flugzeug oder Bahn auch den Bus nutzen. Fernbusse dürfen ab diesem Jahr auch innerdeutsche Ziele anfahren. Wir beantworten Fragen rund um den neuen Fernbusverkehr.
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Halle (Saale)/MZ/DMN. 

Seit diesem Jahr sind die deutschen Straßen frei für den Fernbusverkehr. Kunden können, statt Mitfahrzentralen, Billigflieger und Fernzüge zu nutzen, im Inland preisgünstig Bus fahren. Dank einer neuen gesetzlichen Regelung wird das Fernbusnetz 2013 erheblich wachsen. 70 Jahre lang war der Fernbus-Verkehr gesetzlich eingeschränkt. Fernbusse waren nicht genehmigt, wenn es parallel eine Zugverbindung gibt. Nur Berlin war mit dem Bus erreichbar – zu Zeiten der deutschen Teilung sollte der Westteil gut erreichbar sein. Die allgemeine Schutzklausel für die Bahn endete am 1. Januar 2013.

Begehrter neuer Markt: Fernbusreisen

Den neuen Markt wollen sich viele nicht entgehen lassen. Erste Anbieter locken schon mit Schnäppchentickets. Junge Start-up-Firmen mit sprechenden Namen wie „Deinbus“ oder „MeinFernbus“ haben sich in Stellung gebracht. Sie haben keine eigene Flotte, sondern vermarkten Bus-Tickets per Internet, die Fahrzeuge stammen von mittelständischen Kooperationspartnern. Und auch etablierte Anbieter sind schon startklar. So bietet die Deutsche Touring aus Frankfurt auf Fahrten ins Ausland innerdeutsche Tickets an. Wie schnell sich ein Massenmarkt entwickeln kann, muss sich aber zeigen.

Ein gewisser Rahmen bleibt aber. Beantragen müssen Busfirmen Linien weiterhin, und für Haltestellen gelten 50 Kilometer Mindestabstand. Das soll verhindern, dass Fernbusse insgeheim lukrative Strecken im Nahverkehr ins Visier nehmen, der mit Steuergeld finanziert wird. Bislang war der Markt eher ein zartes Pflänzchen.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema:

  • Welche Vorteile bieten Fernbusse?
    Der größte Vorteil ist der Preis: Reisen mit dem Fernbus sind günstiger als mit der Bahn oder dem Flugzeug. Es werden oft Haltestellen angefahren, die man mit dem Zug nur mit mehrfachem Umsteigen erreicht. Noch ist die Zahl der Fernbus-Unternehmen überschaubar. Wir stellen die vier größeren Netze vor, die jetzt schon täglich Passagiere befördern.
  • Welche Einschränkungen müssen Reisende in Kauf nehmen?
    Bei manchen Strecken ist die Reisezeit vergleichsweise lang, wer schnell ans Ziel kommen will, für den ist der Fernbus kaum die beste Lösung. Das Fernbusnetz befindet sich im Ausbau, noch werden nicht alle größeren Städte im Land angefahren und nicht überall gibt es geeignete Haltepunkte und Busbahnhöfe. Nicht für jede Strecke werden (täglich) Fahrten angeboten.
  • Preis- und Fahrzeitenvergleich Fernbus – Deutsche Bahn:
    Frankfurt (Main) - Leipzig am 18.1.: Die Strecke kostet bei meinfernbus.de 15 Euro. Die Fahrt dauert 4 Stunden und 40 Minuten. Mit dem ICE braucht man 3 Stunden 26 Minuten, die Karte kostet 77 Euro. Berlin – Düsseldorf am 18.1.: Die Strecke kostet bei BerlinLinienBus 46 Euro, die Fahrt dauert neun Stunden. Mit dem ICE zahlt man für die Strecke 111 Euro, die Fahrt dauert aber nur 4 Stunden 35 Minuten.
  • Wie bucht man Fernbus-Tickets?
    Bustickets kann man über das Reisebüro, an Ticketschaltern, telefonisch oder online buchen. Wer früher bucht, bekommt die Schnäppchen-Preise ab.
  • Wie sind Fernbusse ausgestattet?
    Die meisten Busse sind klimatisiert. Inzwischen gibt es Fernbusse, die WLAN, Kaffee, Snacks und kostenlose Tageszeitungen anbieten. Auch die Fahrradmitnahme ist teilweise erlaubt. Eine Toilette ist in der Regel vorhanden. Es herrscht Anschnallpflicht.
  • Für welche Zielgruppe ist der Fernbusverkehr ein Gewinn?
    Die Fernbusse sind vor allem für preisbewusste Kunden interessant, die nicht unter Zeitdruck stehen. Deshalb wird der Fernbus-Markt insbesondere junge Fahrer, Urlauber und ältere Zielgruppen ansprechen. Wer spontan und dringend von A nach B muss, nutzt hier sicherlich weiterhin Auto, Flieger oder Bahn.
  • Wer wird noch ins Fernbus-Rennen einsteigen?
    Bis zu 100 weitere mittelständische Busfirmen interessieren sich nach Angaben ihres Verbandes für den neuen Markt. Einige wenige wollen gleich Anfang 2013 an den Start gehen. Deutsche Post und ADAC überlegen, bis 2014 gemeinsam ein Fernbusnetz aufzubauen. Laut Personenverkehrsvorstand hat die Deutsche Bahn bereits ein eigenes Konzept für ein Fernbusliniennetz in der Hinterhand, will ihr Angebot aber zunächst nicht ausweiten.

Noch ist die Zahl der Fernbus-Unternehmen überschaubar. Wir stellen die vier größeren Netze vor, die jetzt schon täglich Passagiere befördern.

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