Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Sangerhäuser Fahrradschmiede: Hamster bremsen Mifa

Das Logo der Fahrradmarke Mifa ist auf einem Rad im Werksverkauf des Fahrradherstellers in Sangerhausen zu sehen.

Das Logo der Fahrradmarke Mifa ist auf einem Rad im Werksverkauf des Fahrradherstellers in Sangerhausen zu sehen.

Foto:

dpa

Sangerhausen -

Die traditionsreiche Fahrradschmiede Mifa-Bike in Sangerhausen (Mansfeld-Südharz) will ihr Werk im Zentrum der Stadt aufgeben und die Produktion komplett an einen neuen Standort verlagern. Wohin ist derzeit noch völlig offen. Das erklärte Mifa-Eigentümer Heinrich von Nathusius gestern der MZ. Hintergrund seien unteranderem hohe Mieten und fehlender Platz für Expansionen.

Eine rein wirtschaftliche Entscheidung

„Das ist eine rein wirtschaftliche Entscheidung“, betonte der 71-Jährige mit Blick auf eine interne Kosten-Nutzen-Rechnung für den innerstädtischen Standort. Die Analyse hatte von Nathusius nach der Übernahme der insolventen Mifa AG im Januar anfertigen lassen. "Ein Neubau auf der grünen Wiese kommt uns deutlich billiger“, sagte er und verwies darauf, dass die Wohnbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft der Werkhallen einer Expansion und Optimierung der Prozessabläufe im Weg stehe.

Ob Mifa-Bike mit 600 Beschäftigten in Sangerhausen bleibt, scheint fraglich. Den Planungen für einen 260 Hektar großen Industriepark steht bereits seit Jahren eine Kolonie Feldhamster im Weg, die sich auf dem Acker angesiedelt hat. Die possierlichen Nager stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sollten sie nicht umgesiedelt werden, droht der Bund für Umwelt und Naturschutz mit einer Klage. Doch ein jahrelanges juristisches Tauziehen wäre einer Ansiedlung der Mifa-Bike abträglich.

In Thüringen wurden keine Gespräche geführt

„Dafür habe ich keine Zeit“, betonte Heinrich von Nathusius. Zugleich trat er Spekulationen entgegen, die Fahrradproduktion nach Thüringen verlegen zu wollen. Zwar sind im benachbarten Nordhausen und Artern größere Industrieflächen gerade fertig erschlossen worden. „Gespräche habe ich in Thüringen aber nicht geführt“, betont der Unternehmer.

Die Absichten der Mifa-Bike haben in der Stadt Sangerhausen die Alarmglocken schrillen lassen. Oberbürgermeister Ralf Poschmann (CDU) versucht nach MZ-Informationen, die Produktion in der Kreisstadt zu halten. Dafür soll zunächst auf einer Teilfläche des Industrieparks in der Nachbarschaft der Südharzautobahn A 38 Baurecht hergestellt werden, hieß es aus der Stadtverwaltung. Dazu soll es ein beschleunigtes Verfahren geben, das im Sommer abgeschlossen sein soll. Das wäre optimal, sagte von Nathusius. Durch die Nähe zur Autobahn könne das Unternehmen in der Logistik jährlich bis zu fünf Millionen Euro Kosten sparen. Ob die Umweltbehörden bei dieser Variante mitspielen, ist aber völlig offen.

Rettungsaktion wird zum finanziellen Desaster

Für den Landkreis droht derweil eine Rettungsaktion für die Mifa zu einem langfristigen finanziellen Desaster zu werden. So hatte der Kreistag vor einigen Monaten dem Kauf der Firmengrundstücke für 5,7 Millionen Euro zugestimmt. Über Mietzahlungen sollte das Geld wieder reingeholt werden. Doch diese würde es bei einem Mifa-Rückzug nicht mehr geben. Stattdessen muss der Landkreis mit weiteren Ausgaben für den Erhalt der Grundstücke rechnen.

Im Magdeburger Wirtschaftsministerium steht man den Plänen von Mifa-Bike aufgeschlossen gegenüber. „Nach unseren Informationen prüft die Mifa mehrere Optionen in Sachsen-Anhalt, dazu gehören ein Ausbau der Produktionsstätte Sangerhausen sowie andere Standorte im Land“, sagte Sprecher Robin Baake. (mz)


Das Wetter in Sangerhausen: präsentiert:

Bilder
Babybilder