Justus Frantz (FOTO: ARCHIV/MZ)
Es klingt phantastisch: Justus Frantz, Chefdirigent und Gründer der Philharmonie der Nationen, will seine Kontakte einbringen, damit das Stolberger Schloss weit über die Grenzen der Region hinaus das kulturelle Leben bereichert. Wie er gegenüber der MZ bestätigte, werde er weltweit gefragte Künstler wie die Sopranistin Anna Netrebko, den chinesischen Pianisten Lang Lang oder den Violinisten David Garrett einbeziehen. Unter dem (Arbeits-) Titel "Europäische Erasmus-Akademie" würden Besucher aus Deutschland, aber auch aus Europa, Russland oder China erwartet.
Doch ob all das passiert, hängt von mehreren Faktoren ab: ob für das Schloss weiter Fördermittel fließen, ob es wie geplant bis 2014 fertig saniert ist, ob bis Ende des Monats ein Nutzungskonzept vorliegt und kurzfristig ein Vertrag zwischen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als Eigentümerin des Schlosses und dem öffentlichen Betreiber zustande kommt. Laut Referatsleiterin Gabriele Neugebauer favorisieren Landesverwaltungsamt und Kommunalaufsicht den Eigenbetrieb Tourismus und Stadtwirtschaft als Betreiber.
Anders gesagt: Sollte kein Vertrag über die öffentliche Nutzung des Schlosses zwischen der Stiftung und der Gemeinde oder dem Eigenbetrieb zustande kommen, muss das Land Fördermittel von der Gemeinde Südharz zurückfordern. Nämlich genau den Betrag, der bisher über reine Sicherungsmaßnahmen hinaus ins Schloss geflossen ist. "Das wären 6,5 Millionen Euro plus Zinsen", sagte Neugebauer in einer Gemeinderatssitzung in Roßla.
Die Zeit drängt. Denn in Kürze, voraussichtlich im Juli, werden die Landesministerien entscheiden, wohin in diesem Jahr Fördermittel fließen, kündigte die Referatsleiterin an. Sie hat seit 1991 die Städtebauförderung in Stolberg und seit der Übernahme des Schlosses auch dessen Sanierung begleitet. Rund 15 Millionen Euro sind bereits ins Schloss geflossen. Weitere acht, neun Millionen Euro werden bis 2014 veranschlagt.
Offensichtlich bereitet es der finanziell angeschlagenen Südharz-Gemeinde Bauchschmerzen, ob sie die Betriebskosten für das Schloss aufbringen kann. Denn das erwartet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, wie Geschäftsführer Wolfgang Illert wissen ließ. Illert rechnet mit Betriebskosten von 145 000 Euro jährlich; woher er diese Zahl hat, ist unbekannt. Umgekehrt verzichtet aber die Stiftung auf jegliche Miete fürs Schloss.
Das Landesverwaltungsamt erwartet, dass eine kulturelle Nutzung schwarze Zahlen "einspielt". Etwa durch die achtwöchige Anwesenheit der Philharmonie der Nationen im Sommer, Meisterkurse, Sommeruniversität, Symposien und Breitenförderung. "Bei Strafe seines Untergangs muss der Eigenbetrieb dafür sorgen, dass das Schloss betrieben wird und die Betriebskosten erwirtschaftet werden", so Neugebauer. "Es ist eine hoch spannende Idee. In den letzten 20 Jahren habe ich noch nichts Besseres gesehen."
All diese Ideen stehen in einem Nutzungskonzept, über das im Mai eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde in Brüssel debattiert hat: der deutsche Botschafter in Belgien, Reinhard Bettzuege, als Initiator, Wolfgang Illert als Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Fürst Jost Christian Stolberg-Stolberg, Justus Frantz, Referatsleiterin Gabriele Neugebauer, Thomas Wobben als Vertreter Sachsen-Anhalts bei der Europäischen Union, Südharz-Bürgermeister Ralf Rettig (CDU) und Stolbergs Ortsbürgermeister Ulrich Franke (FDP).

Dienstag
3°/ 13°
Mittwoch
1°/ 7°
Donnerstag
2°/ 6°