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Hospiz-Initiative: Bis zum Abschied

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 22:19 Uhr
Zum Totensonntag gedachten viele Menschen ihrer verstorbenen Angehörigen. (FOTO: FRANK GEHRMANN) 
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Sich freiwillig mit dem Tod befassen? Das ist doch nur was für Pfarrer oder Bestatter. Aber Kirstin Keßler und Thomas Messerschmidt sind weder das eine noch das andere. Sie arbeiten ehrenamtlich als Hospizhelfer und gehören der Hospiz-Initiative Sangerhausen an.
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sangerhausen/MZ. 

Sprich, sie begleiten Sterbende und deren Angehörige bis zum Abschied. Über ihre Beweggründe, gerade diesen Dienst zu tun, sprach MZ-Redakteurin Beate Thomashausen mit Thomas Messerschmidt und Kirstin Keßler.

Wie sind Sie zur Hospiz-Initiative gekommen?

Messerschmidt: Ich war bereits Notfallseelsorger, als ich in einer öffentlichen Veranstaltung auf die Hospiz-Initiative aufmerksam geworden bin. Beruflich war ich zu der Zeit Rettungsassistent. Das Thema Sterben und Tod war mir also auf vielen Ebenen schon begegnet.

Keßler: Eine Freundin arbeitete bereits als Hospizbegleiterin. Ich habe ihre Arbeit kennengelernt und sie riet mir, selbst einen Kurs zu besuchen und ebenfalls Hospizbegleiterin zu werden.

Was können Sie für Sterbende tun?

Keßler: Vor allem können wir für die Menschen da sein. Reden. Einfach die Hand halten. Ein Lied singen. Beten. Eben das tun, was der Sterbende gern möchte.

Messerschmidt: Es gibt verschiedene Phasen im Sterbeprozess. Depression und Traurigkeit gehören ebenso dazu wie Wut, aber auch das Annehmen der Situation. Ähnliche Phasen wie der Sterbende durchlaufen auch die trauernden Angehörigen. Die Phasen sind nicht immer identisch. Aber alle Reaktionen sind ganz normal. Und wir als Hospizbegleiter können da auch als Vermittler auftreten und beruhigen. Denn ein Sterbender, der wütend ist, ist nicht wütend auf seine Angehörigen, sondern auf die Unausweichlichkeit des Todes, auf seine Krankheit.

Ist jeder für diese Tätigkeit geeignet oder muss man aus einem medizinischen Beruf kommen?

Keßler: Nein, das muss man nicht. Ich bin ja selbst Verkäuferin. Grundsätzlich ist jeder Mensch geeignet, wenn er eine gewisse seelische Reife hat. Das ist aber nicht abhängig vom Alter, sondern vielmehr von Lebenserfahrungen, die jemand schon gesammelt hat.

Messerschmidt: Was ein Hospizbegleiter können und wissen muss, lernt er in einer Schulung, die über ein ganzes Jahr geht. In einer Einführungsveranstaltung kann sich jeder erst einmal anhören, worum es geht, und dann entscheiden, ob die Begleitung sterbender Menschen tatsächlich etwas für ihn ist und ob man sich das wirklich zutraut. Wie man helfen kann, lernt man dann.

Was lernt man in der Schulung zum Beispiel?

Messerschmidt: Man lernt verschiedene Gesprächstechniken, lernt zuzuhören. Man wird aber auch an seine eigenen Grenzen geführt und muss sich mit der Endlichkeit des eigenen Lebens auseinandersetzen. Und danach ist das Lernen aber nicht vorbei. Bei jeder Begleitung wird man gefordert und ist auch Lernender. Auch in der allerletzten Lebensphase können Menschen einem noch viel mit auf den Weg geben. Und nicht eine Begleitung ist wie die andere.

Was wünschen sich todkranke Menschen?

Keßler: Viele Menschen haben weniger Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben. Am größten ist die Angst davor, große Schmerzen zu leiden. Mindestens ebenso groß ist die Angst davor, im Sterben allein zu sein.

Thema Sterbehilfe: Was halten Sie davon?

Messerschmidt: Es gibt ja grundsätzlich drei Arten, Sterbehilfe zu geben, zum einen die aktive, die ich ablehne, denn sie stellt ja den Hospizgedanken auch völlig in Frage. Etwas differenzierter zu betrachten sind die indirekte Sterbehilfe, indem zum Beispiel bei der Gabe eines Schmerzmittels in Kauf genommen wird, dass sich die Lebenszeit wahrscheinlich verkürzen wird. Oder die passive Sterbehilfe, indem medizinisch Mögliches nicht mehr ausgeschöpft wird - weil es der Patient zum Beispiel in einer Verfügung so niedergeschrieben hat.

Keßler: Die Frage ist ja, warum sich Menschen vielleicht Sterbehilfe wünschen. Sehr oft haben Menschen Angst vor Schmerzen im Sterbeprozess. Dagegen kann man genauso etwas unternehmen wie gegen die Angst, allein zu sein. Dafür gibt es uns Hospizmitarbeiter ja, dass Menschen die letzten Schritte auf ihrem Lebensweg in ihrer vertrauten Umgebung geborgen in der Familie gehen können. Wenn es nötig ist, würden wir sogar Sitzwachen organisieren. Bevor man über Sterbehilfe spricht, muss man ergründen, was genau in dem Menschen vorgeht. Der Grundgedanke der Hospizarbeit heißt, dem Sterben Leben geben. Das heißt nichts anderes, als dass auch die letzten Tage zum Leben gehören und lebenswert verbracht werden können, so wie es dem Todkranken noch möglich ist.

Ist die Arbeit eines Hospizhelfers immer traurig?

Messerschmidt: Bewahre. Lachen und Humor sind wichtig. Sowohl im Umgang mit den Familien als auch der Hospizhelfer untereinander.

Keßler: Nein, wir passen auf, dass die Begleitung nur einen Teil der Treffen der Hospiz-Initiative darstellen. Es ist auch wichtig, dass wir gemeinsam etwas unternehmen. Die Weihnachtsfeier ist zum Beispiel schon fest geplant. Und bei den Gruppentreffen wird auch viel gelacht. Natürlich gibt es auch die kontemplative Seite unserer Tätigkeit. Wir haben auch Rituale, uns von den Menschen zu verabschieden, die wir begleitet haben. Bei manchem Menschen fällt der Abschied schwerer, weil er noch jung und in der Blüte seines Lebens war oder weil wir ihn sehr lange begleitet haben. Wir entzünden für jeden Verstorbenen eine Kerze, sprechen über ihn und verabschieden uns. Sofern es uns möglich ist, gehen wir auch zur Beerdigung.

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