Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt
Mitteldeutsche Zeitung | Fahrradwerk in Sangerhausen: Landkreis will Mifa mit Aktien- oder Grundstückskauf helfen
12. April 2014
http://www.mz-web.de/1735544
©

Fahrradwerk in Sangerhausen: Landkreis will Mifa mit Aktien- oder Grundstückskauf helfen

Elektro-Rad

Wie in der Autoindustrie werden Elektro-Räder im Mifa-Fahrradwerk in Sangerhausen am Fließband produziert.

Foto:

DPA

SANGERHAUSEN/MZ -

Der Landkreis Mansfeld-Südharz will den angeschlagenen Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa AG/Sangerhausen) unter die Arme greifen. Dazu hat der Kreistag am Sonnabend hinter verschlossenen Türen nach mehrstündiger kontroverser Debatte ein Paket von Maßnahmen beschlossen, das die börsennotierte Mifa finanziell stabilisieren soll. Dabei geht es unter anderem um eine befristete Bürgschaft in Höhe von fünf Millionen Euro für den finanziell in Bedrängnis geratenen Fahrradbauer. Zudem ist der Kauf eines Aktienpaketes oder der Erwerb eines Grundstückes der Mifa in der näheren Debatte. Das geht aus den der MZ vorliegenden Unterlagen hervor.

Die Mifa AG rechnet 2013 mit einem Verlust von 15 Millionen Euro. Mifa-Vorstand Hans-Peter Barth hatte bislang betont, dass die Auftragslage für das erste Quartal 2014 sehr gut sei und das Unternehmen über eine ausreichende Liquidität für das laufende Geschäft verfüge. Zudem könnte der weltgrößte Fahrradhersteller Hero Cycles das ostdeutsche Unternehmen aus den roten Zahlen holen. 15 Millionen will die indische Firma über eine Eigenkapitalbeteiligung investieren, hieß es. Eine entsprechende Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet worden. Damit wäre der Fahrrad-Riese Hero der größte Anteilseigner, würde mehr als 27 Prozent der Mifa halten und eine Sperrminorität besitzen. Dieser Weg soll auch weiterverfolgt werden, hatte Barth angekündigt, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war.

#image
Auslöser des Millionenverlustes waren nach Mifa-Angaben Fehlbuchungen beim Materialaufwand. So müssten einige Quartalsabschlüsse des vergangenen Jahres nachträglich korrigiert werden, hieß es. Auch beim Umsatz war der Fahrradhersteller deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Statt der prognostizierten 120 bis 130 Millionen Euro korrigierte das Unternehmen die Zahl auf 115 Millionen Euro. Die Aktie stürzte daraufhin ab und verlor zwischenzeitlich mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Indes ist unklar, ob der Beschluss des Kreistages rechtens ist, weil einige Mitglieder des Gremiums keine Einladung erhalten hatten. Zudem muss das Landesverwaltungsamt einer angestrebten Bürgerschaft zustimmen.
Die Mifa mit 770 Mitarbeitern gilt als der nach Absatz größte deutsche Fahrrad-Produzent. Neben der Montage günstiger Fahrräder für Handelsketten hat die Firma in den vergangenen Jahr das Geschäft mit hochwertigen Rädern und E-Bikes ausgebaut. Allerdings blieb der Verkauf in beiden Segmenten unter den Zielen. Morgen ist laut Börsenkalender die Vorlage der Bilanz fällig.


Das Wetter in Sangerhausen: präsentiert:

Bilder
Babybilder