Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt
Mitteldeutsche Zeitung | Bestrafungen im Sport: Die farbige Vielfalt der Karten
11. February 2016
http://www.mz-web.de/23572072
©

Bestrafungen im Sport: Die farbige Vielfalt der Karten

Rot und blau - im Rollhockey normal.

Rot und blau - im Rollhockey normal.

Foto:

Archiv

Zugegeben, sehr feinfühlig ist er nicht, der Satz, den Fußball-Fans immer wieder lautstark auf den Sportplätzen und in Stadien interpretieren. „Gelbe Karte, rote Karte - raus Du Sau“, ist da als Schmähgesang zu hören.

Aber wie ist es denn nun mit den Karten, die von den Unparteiischen gezeigt werden? Die Mitteldeutsche Zeitung hat sich einmal bei unterschiedlichsten Sportarten zum Thema Bestrafungen umgehört. Und hat dabei Erstaunliches erfahren. So zum Beispiel, dass die Farbgebung bei weitem nicht auf die Farben gelb und rot beschränkt ist. Grüne und blaue Karten gehören in einigen Sportarten zum Alltag. Hier nun ein Streifzug durch die farbigen Vielfalten der Karten.

1. Rollhockey

Beim Rollhockey zücken die Schiedsrichter, in der zweiten Bundesliga leiten zumeist zwei Unparteiische die Partien, blaue und rote Karten. Die Blauen zücken die Schiedsrichter zum Beispiel bei Foulspielen, oder wenn ein Spieler meckert. Sie sind verbunden mit Zwei-Minuten-Strafen. Wer sich die dritte „Blaue“ einhandelt, sieht postwendend die rote Karte. Das wiederum bedeutet den Ausschluss von der laufenden Partie und eine Sperre für das nächste anstehende Spiel. Natürlich kann ein Spieler auch direkt „Rot“ sehen, zum Beispiel für grobe Foulspiele.

Apropos Foul. Wohl exklusiv haben die Rollhockey-Cracks eine besondere Regel. Im Verlauf der Partien werden die Foulspiele gezählt. Beim zehnten gibt es einen Sechsmeter für die Kontrahenten, bei jedem weiteren fünften dann erneut. „Es kann schon mal vorkommen, dass sich eine Mannschaft 20 Teamfouls einhandelt“, erzählt Anika Karlstedt, Spielerin in der Landesligatruppe des SV Allstedt.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, welche Regeln im Schach gelten.

2. Schach

Knallharte Regeln gibt es auch beim Schach. „Wer zum Beispiel zu spät zu seinem Spiel an das Brett kommt, erhält eine Zeitstrafe. Die gibt es auch, wenn ein Spieler seinen Kontrahenten mutwillig ablenkt“, erzählt Florian Heyder. Der 25-Jährige ist Mannschaftsleiter beim Oberligisten SV Sangerhausen. Noch rigoroser sind die Regeln, wenn ein Handy ins Spiel kommt. „Wenn mein Handy während des Spiels klingelt, habe ich sofort verloren“, erzählt Heyder weiter. Und fügt hinzu: „Ich darf auch kein angeschaltetes Handy dabei haben. Wenn das der Schiedsrichter entdeckt, wertet er das als Betrug. Ich habe verloren.“

Welche Kartenfarben beim Tischtennis gepfiffen werden, lesen Sie auf Seite 3.

3. Tischtennis

Gelbe Karten, die gelb-rote Farbkombination und Rot. Nein, jetzt geht es nicht um Fußball. Die Rede ist vom Tischtennis. Auch hier gibt es die Karten, allerdings mit unterschiedlichen Folgen. Tim Aschenbrenner von Alemania Riestedt übernimmt die Erklärung: „Bei Rot ist es wie beim Fußball. Wer zum Beispiel den Schiedsrichter beleidigt, fliegt. Gelb handelt sich zum Beispiel ein Spieler ein, der vor Wut gegen die Bande tritt. Gelb-rot gibt es bei einer groben Unsportlichkeit, zum Beispiel wenn ein Spieler den Schläger wegwirft. Dann bekommt der Gegenspieler noch einen Punkt zugesprochen. Zweimal gelb-rot kann ich kriegen, erst bei dem dritten Mal bin ich weg vom Fenster.“

Beim Kegeln geht es nur lustig zu? Keineswegs! Welche Regeln gelten, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

4. Kegeln

Beim Kegeln geht es manchmal recht lustig zu. Nicht aber im Wettspielbetrieb. Hier gibt es klare Regeln. Und gelbe sowie rote Karten. Reinhard Koch, als Schiedsrichter bei den Zweitliga-Partien des VfB Sangerhausen im Einsatz, sagt dazu: „Es gibt zum Beispiel Gelb bei Fehlern. Das heißt, bei allen Aktionen, die nicht regelkonform sind. Wenn eine Spielerin zum Beispiel die Linie übertritt. Bei der zweiten derartigen Aktion gibt es gelb-rot. Der betreffende Wurf wird als Null-Wurf gewertet.“ Gelb gibt es aber auch, wenn der Schiedsrichter feststellt, dass eine Keglerin zum Beispiel nicht genehmigte Hilfsmittel, wie Talkum oder Spray, an den Händen benutzt. Und rot? Koch überlegt kurz, sagt dann: „Rot gibt es bei grob unsportlichem Verhalten. Aber das habe ich noch nie erlebt.“

Übrigens: „Das Zeigen der roten Karte bedeutet Spielausschluss. Beim Mannschaftswettbewerb kann ein Wechselspieler eingesetzt werden, wenn er auf der Meldung aufgeführt und das Kontingent noch nicht ausgeschöpft wurde.“

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was stellvertretender MZ-Chefredakteur und Schiedsrichter Lars Geipel über die Regeln im Handball weiß.

5. Handball

Zum Thema gelbe und rote Karten beim Handball befragte die MZ einen Experten. Der stellvertretende MZ-Chefredakteur Lars Geipel war bei der Handball-EM in Polen als Schiedsrichter im Einsatz. „Eine Verwarnung gibt es beim ersten, „leichten“ Regelverstoß. Maximal eine gelbe Karte pro Spieler und vier (inklusive einer gelben Karte gegen die Auswechselbank – zum Beispiel wegen „Reklamierens“) pro Team sind möglich. Bei „schwereren“ Regelverstößen gibt es eine Zwei-Minuten-Strafe gegen den Spieler, der vorher auch nicht unbedingt eine gelbe Karte gesehen haben muss. Bei drei Zeitstrafen gegen denselben Spieler gibt es dann automatisch die rote Karte. Übrigens: Im Handball bedeutet rot zwar den Ausschluss von der laufenden Partie, nicht aber immer eine automatische Sperre für das nächste Spiel.

Diese wird nur bei besonders extremen Vorkommnissen von einem Sportgericht noch ausgesprochen. (mz)

nächste Seite Seite 1 von 5

Das Wetter in Sangerhausen: präsentiert:

Bilder
Babybilder