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Überfall in Sangerhausen: Mann wird halb totgeprügelt - Vorwürfe gegen Polizei

Überfall in Sangerhausen

Robert Heybutzki an der Stelle, wo der Überfall stattfand. Der 26-Jährige fühlt sich von den Ermittlungsbehörden allein gelassen.

Foto:

Maik Schumann

Sangerhausen -

Der 26-jährige Sangerhäuser Robert Heybutzki hat den frühen Neujahrsmorgen in der Kreisstadt nur knapp überlebt. Gegen 2 Uhr wurde der Familienvater, der auf dem Nachhauseweg von einer Silvesterfeier war, in der Kylischen Straße von vermutlich sieben Angreifern überfallen, brutal zusammengeschlagen und ihm das Handy geraubt. Insgesamt hatte es damals vier Verletzte gegeben. Jetzt rügt Heybutzki die Arbeit der Polizei. Er wirft den Beamten neben unterlassener Hilfeleistung direkt nach dem Überfall auch schleppende Ermittlungen vor.

Schwerste Verletzungen beim Überfall

„Ich wurde mit Totschlägern, Schlagstöcken, einer Peitsche, einem Schlagring und weiteren Waffen von hinten niedergestreckt, massiv geschlagen, ausgepeitscht und zusammengetreten“, sagt Heybutzki. Der Vater eines sieben Monate alten Mädchens und eines zweieinhalbjährigen Jungen erlitt bei dem Überfall schwerste Verletzungen: Unter anderem zwei Platzwunden am Kopf, eine gebrochene Nase sowie einen schweren Schlag auf das linke Auge, der zu bleibenden Sehstörungen führte. Dazu kamen eine Stichwunde und schwere Prellungen am linken Arm. Heybutzki wurde erst im Sangerhäuser Krankenhaus und dann zwei Wochen lang in der Uniklinik in Halle behandelt. Noch heute ist der Metallbauer aufgrund des Überfalls nicht arbeitsfähig. „Laut Oberarzt der Intensivstation des Sangerhäuser Krankenhaus, hatte ich Glück, dass mir sofort drei Anwohner der Straße geholfen haben. Hätte ich nur 15 Minuten weiter ohne Erste Hilfe auf der Straße gelegen, wäre ich an meinen Verletzungen verblutet“, sagt er.

Umso mehr ist Heybutzki entsetzt über die Arbeit der Polizei: Ende Januar hat er von Zeugen, die den Überfall bemerkt hatten und ihm halfen, erfahren, wie sich die Polizisten direkt nach der Tat verhalten haben: „Als der erste Streifenwagen in der Kylischen Straße hielt, die Beamten das Fahrzeug verließen und zu anderen Opfern der Schläger gingen, bin ich zu den Beamten gerannt. Ich habe ihnen zu verstehen gegeben, dass ein Schwerstverletzter im Hausflur liegt und sofort Hilfe benötigt, weil der sonst verblutet“, sagt Ersthelfer Erik Plep (30). Der Beamte habe es aber nicht für nötig gehalten, schnell zu Hilfe zu kommen. „Er ist stattdessen die Straße auffällig langsam nach oben gelaufen.“ Und er habe weder Erste Hilfe geleistet noch die beiden anderen Ersthelfer unterstützt. Und das, obwohl der Polizist das Opfer stark blutend am Boden liegen gesehen habe. Die anderen Ersthelfer Teresa Koch sowie Johannes Bloßfeld hätten zu dem Zeitpunkt mit aller Kraft und Unmengen von Handtüchern versucht, die Blutungen des 26-Jährigen zu stoppen. Der Beamte habe aber nur einen Keil unter die Haustür gelegt, sei wieder rausgegangen und habe einen Funkspruch abgesetzt.

Ersthelfer sind entsetzt

Die Ersthelfer sind auch Wochen danach noch entsetzt vom Verhalten des Beamten. „Wir können nur mit dem Kopf schütteln“, sagen sie. Aber auch die Ermittlungen nach dem Überfall sorgen für Kritik: Nach Heybutzkis Wissen ist die Untersuchung der Tat erst am 25. Januar offiziell aufgenommen worden. „Die Täter laufen bis heute frei herum“, sagt er. Dabei hätten Zeugen die Namen von fünf der sieben Angreifer bereits am Neujahrstag der Polizei genannt. Der 26-Jährige steht im Kontakt mit anderen Opfern des Überfalls. „Die verstehen das auch nicht“, sagt er. Nachdem der 26-Jährige am 11. Januar aus der Uniklinik in Halle entlassen wurde, habe er auf dem Revierkommissariat in Sangerhausen angerufen. „Ich wollte den Stand der Ermittlungen erfragen. Aber leider war niemand in der Lage, mir irgendwelche Informationen zu geben.“ Es seien erst zwei Wochen vergangen und der Sachbearbeiter noch im Urlaub, habe es geheißen. „Ich sollte mich gedulden und Verständnis haben.“ In Sangerhausen gebe es nun einmal nur eine kleine Polizeibehörde und nicht ausreichend Personal.

Opfer fühlt sich von Ermittlungsbehörden alleingelassen

Heybutzki sagt dagegen: „Ich kann einfach nicht verstehen, dass man als Steuerzahler in diesem Staat anscheinend nicht genug wert ist, dass zeitnah gehandelt wird.“ Seiner Meinung nach hätten die Täter sofort in U-Haft gesteckt und auch die Ermittlungen schnellstmöglich aufgenommen werden müssen. Antje Rödiger, die Rechtsanwältin des Metallbauers, fügt hinzu: „Mein Mandant hat Angst. Er fühlt sich von den Ermittlungsbehörden alleingelassen und kann die Sache deshalb nicht verarbeiten. Dies ist sehr ungünstig für seine Genesung.“ Da noch immer nicht genügend Daten zu den Tätern vorlägen, sei es auch für sie als Anwältin schwierig, Anträge zum Beispiel bei der Krankenkasse oder wegen Opferentschädigung beim Landesverwaltungsamt zu stellen. Der 26-Jährige hat nach eigenen Angaben nun Dienstaufsichtsbeschwerden gegen leitende Polizisten und Anzeigen erstattet.

Das Polizeirevier Mansfeld-Südharz in Eisleben will sich aufgrund von laufenden Ermittlungen zu Details des Falls derzeit nicht äußern. Polizeisprecher Heiko Prull sagt: „Herr Heybutzki hat sich mit einer Beschwerde an das Innenministeriums des Landes gewandt.“ Aufgrund seiner Schilderungen werde nun von Amts wegen ermittelt. Dabei soll festgestellt werden, ob wirklich eine unterlassene Hilfeleistung oder sogar Strafvereitelung im Amt vorliege. (mz)


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