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Trainer des SV Anhalt Bernburg: Christian Pöhler bald in Elbflorenz

Bei der Saisoneröffnung im August sprach Christian Pöhler (stehend) über seine Ziele mit dem SV Anhalt Bernburg. Trägervereins-Vize-Präsident Klaus Kahler (sitzend, von links), Präsident Frank Conrad und der Sportliche Leiter Enrico Nefe hörten aufmerksam zu.

Bei der Saisoneröffnung im August sprach Christian Pöhler (stehend) über seine Ziele mit dem SV Anhalt Bernburg. Trägervereins-Vize-Präsident Klaus Kahler (sitzend, von links), Präsident Frank Conrad und der Sportliche Leiter Enrico Nefe hörten aufmerksam zu.

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Engelbert Pülicher

Bernburg -

Die Liaison zwischen dem SV Anhalt Bernburg und Trainer Christian Pöhler endet im Sommer. Dies ist seit dem vergangenen Wochenende Gewissheit. Nachdem das Gerücht schon seit einigen Wochen die Runde machte, ist Enrico Nefe froh darüber, dass die Katze nun endlich aus dem Sack ist. Der Sportliche Leiter des SV Anhalt hat entscheidenden Anteil daran, dass Christian Pöhler sich im Sommer dem HC Elbflorenz Dresden anschließen kann. Denn nur er - in Absprache mit seinen Vorstandskollegen, Präsident Frank Conrad und Vize Klaus Kahler - konnte die Freigabe erteilen.

Veränderte Kräfteverhältnisse

Christian Pöhlers Fähigkeiten als Trainer sind unbestritten. Dennoch sagt Nefe am Montag im MZ-Gespräch: „Es ist mir leicht gefallen, Christian gehen zu lassen.“ Der Satz mutet nur im ersten Moment so an, als gebe es ein Problem zwischen dem Sportlichen Leiter und seinem ersten Angestellten. Dem ist aber nicht so. Enrico Nefe erzählt die Geschichte, als er Christian Pöhler vor dreieinhalb Jahren nach Bernburg lotste. Anfang 30 war Pöhler da, hatte sich vordergründig in der Nachwuchsarbeit einen Namen gemacht. „Er war nicht bekannt als Vereinstrainer, aber ich wollte ihn unbedingt“, sagt Nefe. Er wusste aber schon damals: „Christian verfolgt andere Ziele.“

Es war zwar nicht so, dass die Vertragsverlängerung bis 2017 mit beidseitiger Option für ein weiteres Jahr, die Verein und Trainer im vergangenen August stolz verkündeten, schon damals nicht das Papier wert war. „Wir haben uns alle ehrlich gefreut, weil es ja auch ein Zeichen für nachhaltiges Arbeiten ist“, sagt Enrico Nefe. Eines war dem Sportlichen Leiter aber gewiss: Sollte ein gutes Angebot kommen, würde zu reden sein.

Nächster Schritt Richtung Profigeschäft

Der HC Elbflorenz Dresden hat Christian Pöhler dieses Angebot gemacht. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Kräfteverhältnisse verändert haben. Als der SV Anhalt Bernburg vor Jahren noch in der 2. Bundesliga für Furore sorgte, versuchte der erst 2006 in Dresden gegründete Verein so etwas wie Handballbegeisterung zu entfachen. 2010 qualifizierte man sich für die Mitteldeutsche Oberliga, 2012 gelang der Aufstieg in die 3. Liga. Schon damals war das erklärte Ziel, nicht stagnieren zu wollen, sondern den nächsten Schritt, hin ins Profigeschäft, zu machen.

In Bernburg war die Euphorie zuletzt in der Saison 2013/14 so groß, als der SV Anhalt eine sensationelle Hinrunde spielte, lange Zeit an der Meisterschaft roch und am Ende Vierter wurde.

Damals schien wohl auch Christian Pöhler noch die Hoffnung zu haben, dass sich sein Traum, Profitrainer zu werden, in Bernburg erfüllen könnte. Doch die Realität hat den Verein und schließlich auch ihn schnell eingeholt. „Wir wollen perspektivisch in der 3. Liga bleiben, reden aber nicht von mehr“, sagt Enrico Nefe. Deshalb „ist es gut für Christian“, dass er nach Dresden geht.

Zwei Kandidaten

Die Spieler wussten schon länger, dass Pöhler gehen wird. Dass das großen Einfluss auf die schwachen Auftritte gegen Potsdam, Flensburg-Handewitt II und Altenholz hatte, sehen weder Pöhler noch Nefe so. Einen kleinen Einfluss wollen sie aber nicht absprechen. Letztlich hat die Mannschaft durch den 29:21-Erfolg gegen Usedom bewiesen, dass sie ihr Tief überwunden hat.

Enrico Nefe konnte die Spieler - immerhin acht des aktuellen Kaders haben über das Saisonende hinaus Vertrag - dahingehend beruhigen, indem er ihnen mitteilte, dass die Verhandlungen mit potenziellen Nachfolgern fortgeschritten sind. Spieler wissen bekanntlich lieber früher als später, wer in Zukunft für sie verantwortlich ist.

„Es gibt zwei Kandidaten, zwischen denen es sich entscheiden wird“, sagt Nefe, der sich diese Entscheidung nicht einfach macht. Denn: „Wir sind ein grundsolider, geiler Verein. Wir brauchen einen Trainer, der das mit Herzblut angeht. Einer, der zu unseren Ansprüchen passt.“ Also einen Trainer, der nicht von der 2. Bundesliga träumt. Enrico Nefe arbeitet in der Gegenwart daran, dass der SV Anhalt Bernburg auch in Zukunft grundsolide und geil bleibt. (mz)