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Mitteldeutsche Zeitung | SV Anhalt Bernburg: Sportlicher Leiter Enrico Nefe im Gespräch
29. December 2015
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SV Anhalt Bernburg: Sportlicher Leiter Enrico Nefe im Gespräch

Die Hinrunde des SV Anhalt Bernburg war von Aufs und Abs geprägt, der Zusammenhalt im Team stimmte dennoch.

Die Hinrunde des SV Anhalt Bernburg war von Aufs und Abs geprägt, der Zusammenhalt im Team stimmte dennoch.

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Engelbert Pülicher

Der SV Anhalt Bernburg ist in dieser Saison angetreten, sich im Vergleich zur Vorsaison zu verbessern. Nach 16 von 30 Spielen steht die Mannschaft da, wo sie die Spielzeit 2014/15 beendete: auf dem achten Tabellenplatz. Enrico Nefe kann mit der Zwischenbilanz grundsätzlich gut leben, sieht aber noch Luft nach oben. Der Sportliche Leiter des SV Anhalt sprach mit MZ-Mitarbeiter Marcus Bräuer über die Aufs und Abs der Hinrunde, positive und negative Überraschungen sowie seine Hoffnungen für die Rückrunde.

Herr Nefe, bei der Saisoneröffnung haben Sie gesagt: „Christian (Pöhler, Anm. d. Red.) hat die Aufgabe, das Team an die Leistungsgrenze heranzuführen.“ Hat der Trainer das in der Hinrunde geschafft?

Nefe: Grundsätzlich ja, aber mit Abstrichen. Christian hat es selbst als eine Hinrunde mit einigen Aufs und Abs bezeichnet. Man kann sagen, dass sich Enttäuschungen und Freude ausgeglichen haben. Schwache Spiele wie gegen Usedom oder die Füchse Berlin bleiben in Erinnerung, aber auch die Auswärtssiege gegen Flensburg und Flensborg, mit denen nicht viele gerechnet hatten. Der Platz, auf dem wir stehen, ist nicht unsere absolute Leistungsgrenze, aber die Richtung passt und das ist für mich entscheidend. Man darf nicht vergessen, dass wir in der bisherigen Saison einige Verletzungsprobleme hatten und haben.

Sie spiegeln das wider, was auch Trainer und Spieler über die Hinrunde sagen: Es ist ein zwiegespaltenes Verhältnis. Zum einen steht man in einer neuen und stärkeren Liga im Mittelfeld und hat Kontakt zu den vorderen Plätzen, aber es scheinen doch vor allem die Spiele in Erinnerung geblieben zu sein, die man trotz guter Möglichkeiten nicht gewann. War das jetzt eine gute oder eine durchschnittliche Hinrunde?

Nefe: Ich sitze mit Klaus Kahler und Frank Conrad im Vorstand. Sie sind sehr emotional, ähnlich wie die Fans. Und beim Blick auf die Tabelle denken sie sich: Wir haben gegen die drei Mannschaften, die auf den Abstiegsplätzen stehen, fünf Punkte liegen gelassen. Viele sagen da, dass es eine gebrauchte Hinrunde war. Ich sage aber, dass es normal ist, dass es diese Höhen und Tiefen gibt. Es stehen aber auch sehr gute Spiele und Ergebnisse gegenüber, die so nicht zu erwarten waren. Wir haben sieben Punkte Polster auf die Abstiegsplätze, danach schaue ich als Erstes. Das soll aber kein Freifahrtsschein für die Spieler sein, es geht nicht nur darum, die Klasse zu halten. Wir wissen, dass wir die Möglichkeit haben, zwei, vielleicht drei Plätze besser zu stehen. Wir wissen aber auch, wie wichtig der Sieg in Stralsund zum Rückrundenauftakt war. Rechnet man die zwei Punkte weg, stünden wir nur auf dem elften Platz.

Gibt es für Sie den ’Spieler der Hinrunde’?

Nefe: Nein, nicht wirklich. Unser Angriff war auf allen Positionen eher durchwachsen. Was sich aber gezeigt hat, ist, wie wichtig Toni Pajung für die Mannschaft ist. Fällt er aus, dann fehlt auch die Motivation, die er in die Mannschaft trägt. Seine ganze Körpersprache hilft. Ich werde wehmütig, wenn ich daran denke, dass er Stand jetzt im Sommer aufhören will.

Sie sagen Stand jetzt, versuchen Sie Pajung umzustimmen?

Nefe: Ich habe mit ihm schon gesprochen, aber ich glaube nicht, dass er es sich noch einmal anders überlegt. Ich würde ihn dennoch sehr gerne an den Verein binden, am liebsten als Spieler, aber es gibt auch andere Möglichkeiten.

Es wird gemunkelt, dass auch Enrico Lampe nach der Saison aufhört. Was ist da dran?

Nefe: Wir haben uns vor der Saison bewusst auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Er ist beruflich stark eingebunden, verpasst deshalb auch einige Trainingseinheiten. Wir werden uns bald darüber unterhalten, wie es weitergehen kann. Natürlich wäre sein Abgang, genau wie der von Toni Pajung, sehr schade für die Mannschaft.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie welche Pläne Nefe für die Rückrunde hat.

Gibt es einen Spieler, der Ihre Erwartungen übertroffen hat?

Nefe: Ich schaue bei allem immer auf das Gesamtpaket. Ich muss sagen, dass ich es klasse finde, wie aus Angriffsspielern Abwehrspieler geworden sind. Steffen Cieszynski und Arseniy Buschmann waren reine Offensivkräfte, die kreieren und Tore erzielen. Aber jetzt arbeiten sie in der Abwehr. Es macht richtig Freude, das zu beobachten. Auch wie sich Nicholas Stiebler nach dem Ausfall unseres Abwehrchefs Andreas Steinbrink entwickelt hat, finde ich stark.

Keinen guten Eindruck konnte bisher Taiki Agarie hinterlassen. Der Japaner schaute sich die Spiele die meiste Zeit von der Ersatzbank aus an. Ist er ein Fehleinkauf?

Nefe: Als Fehleinkauf kann man ihn nicht bezeichnen, weil er uns nichts kostet. Er wird von einer Firma, die in Japan sitzt, bezahlt. Er ist aber die Negativ-Überraschung bei uns. Es war schon im Sommer klar, dass er nur ein Jahr bleibt, aber natürlich müssen wir sagen, dass er im Probetraining viel mehr gezeigt hat, als er es in der Hinrunde getan hat. Taiki gibt kein Signal, dass er sich wirklich aufdrängen will und dann verstehe ich auch den Trainer, dass er ihm keine Einsatzzeiten gibt.

Wie sehen Ihre Planungen für die Rückrunde aus? Ist eine Spielerverpflichtung denkbar?

Nefe: Das ist im Moment überhaupt nicht angedacht, wir müssen immer die Wirtschaftlichkeit im Blick haben. Die Frage ist, was können und was wollen wir erreichen? Man muss sich fragen, ob es das wert ist, einen Spieler zu holen, wegen dem wir statt Siebter Sechster werden. Aber man muss natürlich sehen, wie wir gesundheitlich durchkommen. Sollte sich einer unserer Rückraumspieler verletzen, würden wir Geld in die Hand nehmen, um Ersatz zu holen. Wir könnten schnell reagieren. Aber wir wollen mit der Mannschaft, die wir haben, durchkommen.

Haben Ihre Planungen für die kommende Saison schon begonnen?

Nefe: Ich bin schon in Gesprächen mit Spielern, bei denen im Sommer die Verträge auslaufen, wie bei Artur Gawlik, Andreas Steinbrink, Enrico Lampe, Toni Pajung, Clemens Wetzel und Lucas Alter. Es gibt auch Kontakt zu Spielern, die für den SV Anhalt interessant sein können. Die Fühler sind ausgestreckt, aber wir müssen abwarten, was passiert. Es spielen viele Faktoren eine Rolle: Was wird aus der SCM-Reserve? Was passiert, wenn Dessau-Roßlau in die 2. Bundesliga aufsteigt? Da müssen wir noch etwas Geduld haben.

Am 30. April spielt der SV Anhalt Bernburg das letzte Saisonspiel, zu Hause gegen den HSV Hannover. Auf welchem Platz muss die Mannschaft danach stehen, damit der Sportliche Leiter zufrieden ist?

Nefe: Aufgrund des Saisonverlaufs wäre es überragend, wenn wir den achten Platz bestätigen könnten. Das wird nicht einfach, denn wir haben schwere Heimspiele vor uns. Als Erstes wünsche ich mir aber, dass wir gefahrlos drin bleiben. Als Zweites einen einstelligen Tabellenplatz. Das kann der neunte sein, aber auch der sechste. (mz)

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