Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Schwarz-Gelb Bernburg: René Schachner nimmt dreimonatige Auszeit

René Schachner nimmt sich eine dreimonatige Auszeit.

René Schachner nimmt sich eine dreimonatige Auszeit.

Foto:

grosse

bernburg -

Hektik und Gewusel. „Mein Tag heute ist komplett durchgeplant“, sagt René Schachner. Es ist Freitagvormittag, der 30-Jährige will an diesem Tag noch einiges erledigen. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Nicht einmal 24 Stunden. Denn schon am Samstagmorgen geht es los. Zunächst nach Düsseldorf, von dort aus mit dem Flieger nach Neuseeland. Schachner nimmt sich eine Auszeit. Gemeinsam mit seiner Freundin Caroline wird der Mittelfeldspieler Schwarz-Gelb Bernburgs einen dreimonatigen Sonderurlaub einlegen - oder wie sie es im englischen nennen: Ein Sabbatical.

Neuseeland, Australien, Hawaii, L.A.

Begriffe wie Sabbatical oder Sabbatjahr haben in Deutschland größere Bekanntheit durch den Fußball erlangt. Auch die Trainer Pep Guardiola und Thomas Tuchel haben sich schon mal eine solche Auszeit genommen. Der aktuelle Bayern-Coach Guardiola begründete seine Entscheidung im Jahr 2012 mit der enormen physischen und psychischen Belastung, der er sich in seinen zuvor vier Jahren beim FC Barcelona ausgesetzt sah.

René Schachner allerdings wandelt nicht auf den Spuren Guardiolas. Es ist ihm wichtig, das zu betonen. „Wir sind nicht an irgendwelchen mentalen Grenzen angelangt“, sagt er, „wir sind sehr zufrieden mit unserem Leben.“ Die dreimonatige Reise hat andere Gründe. „Wir hatten bisher nie die Möglichkeit, uns mal eine Auszeit zu nehmen, nie richtig Zeit für uns.“ Schachner und seine Lebensgefährtin Caroline sind bei einem großen Discounter in Führungspositionen angestellt und beruflich stark eingebunden. Hier und da mal ein Urlaub, doch: „Seit dem Studium“, erklärt René Schachner, „sind wir nur unterwegs.“

Im vergangenen Sommer gab es allerdings das Angebot des Arbeitgebers, im Zuge eines Sabbaticals bis zu drei Monate Sonderurlaub zu nehmen. René Schachner war auf jeden Fall schnell klar, dass er sich diese Chance nicht entgehen lassen darf - nicht schon wieder. „Ich habe es immer bereut, dass ich nach der Schule kein Auslandsjahr gemacht habe“, sagt er, „dabei war das immer ein großer Wunsch von mir. Doch vielleicht hatte ich damals einfach zu viel Angst und habe es deswegen nicht durchgezogen.“ Nun jedoch erfüllt Schachner sich seinen Wunsch. Anderthalb Monate Neuseeland, ein Monat Australien, eine Woche Hawaii und abschließend ein paar Tage Los Angeles. „Orte“, meint er, „die mich schon immer gereizt haben.“

René Schachner spricht zwischenzeitlich auch von der Maslowschen Bedürfnishierarchie. Einer sozialpsychologischen Theorie des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow, die auch als Bedürfnispyramide bekannt ist. An deren Spitze steht die „Selbstverwirklichung“. Der Mittelfeldspieler schmunzelt: „Naja gut, eine Selbstverwirklichung ist es vielleicht nicht unbedingt, sondern eigentlich nur eine Reise.“

Anfang Mai wird Schachner wieder zurück sein. Neun Spiele Schwarz-Gelb Bernburgs wird er bis dahin verpassen. „Es ist natürlich nicht ganz so einfach, in der aktuellen Phase wegzugehen“, sagt er, „aber es macht für mich persönlich Sinn. Und ich denke auch, dass meine Mitspieler mir das gönnen.“

„Ich habe 30 Jahre gebraucht“

Schwarz-Gelb Bernburg belegt aktuell Rang drei, hat im Aufstiegskampf noch alle Chancen. René Schachner spielte zudem mit vier Toren und fünf Vorlagen eine starke Hinrunde. „Ich war eigentlich noch nie in einer so guten Form“, sagt der Mittelfeldspieler und fügt lachend an: „Allerdings habe ich auch 30 Jahre gebraucht, um in diese Form zu kommen.“ Dass er sie über den Winter erhalten konnte, hat das erste Testspiel gegen Osterwieck am vergangenen Wochenende gezeigt. Schachner traf und spielte stark. „Es wird schwer, ihn zu ersetzen“, meint Trainer Torsten Lange.

Es ist Freitagvormittag, René Schachner will an diesem Tag noch einiges erledigen. „Als nächstes“, sagt er, „bin ich mit Arbeitskollegen zum Mittag verabredet.“ Er wirkt jedoch nicht gestresst. Die dreimonatige Auszeit ist nicht mehr weit. Nur keine Hektik, nur kein Gewusel. (mz)