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HC Aschersleben gegen Staßfurt: Das Ende einer Serie

Clemens Grafenhorst

Clemens Grafenhorst und der HC Aschersleben haben erstmals seit sieben Spielen wieder verloren.

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Thomas Tobis

Staßfurt -

Es hatte etwas von einem alten Westernfilm. Sebastian Retting und Dino Spiranec standen sich gegenüber. Der Kapitän des HV Rot-Weiß Staßfurt und der Torhüter des HC Aschersleben. Vier Sekunden waren noch zu spielen im Derby. Spielstand: 28:28. Siebenmeter für Staßfurt. Die Zuschauer in der Paul-Merkewitz-Halle saßen schon lange nicht mehr auf ihren Plätzen. Nervenkitzel. „In so einem Moment“, sagte Retting nach der Partie, „geht dir viel durch den Kopf.“ Er hatte Druck, Staßfurt verlor zuvor drei von vier Partien im Jahr 2016. „Wir mussten gewinnen.“

Es kam schließlich zum Showdown. Retting gegen Spiranec. Ein kurzer Pfiff der Schiedsrichter, Retting täuschte zwei, drei Mal an, Spiranec ahnte mit dem rechten Bein die Ecke - doch der Ball schlug rechts neben ihm im Tor ein. 29:28, Derbysieger Staßfurt. Und für den HC Aschersleben die erste Niederlage seit dem 28. November. Das Ende einer Serie.

Genugtuung für Staßfurt

Fünf Siege und zwei Unentschieden. Diese Ergebnisse wiesen die Alligators in den letzten sieben Spielen auf. Eine beachtliche Bilanz. „Und Aschersleben hat in dieser Zeit auch sehr guten Handball gespielt“, sagte Sebastian Retting, „bei uns musste alles passen, um sie zu schlagen.“ Es schwang ein Hauch Genugtuung in der Stimme des Rot-Weiß-Kapitäns mit. Er lächelte: „Das auf alle Fälle.“

Dass die Serie des HC Aschersleben nun ausgerechnet in Staßfurt gebrochen ist, war für Dmitry Filippov dagegen unerheblich. „Ich finde diesen Umstand eigentlich nicht besonders ärgerlich.“ Ohne dass der Trainer des HCA es aussprach, wusste man, was er sagen wollte: Jede Niederlage ist ärgerlich, egal gegen wen, egal wo.

Dass Aschersleben am Samstagabend in Staßfurt unterlag, lag aber natürlich nicht nur am abschließenden Siebenmeter von Sebastian Retting. „Ich bin mit unserer Deckung unzufrieden“, sagte Filippov. In den vergangenen Wochen entwickelte sich die Abwehr des HC Aschersleben zu einer der statistisch besten der Mitteldeutschen Oberliga. Gegen Staßfurt war davon allerdings nicht viel zu sehen. Dennoch gelang es den Krokodilen in der ersten Hälfte, das Spiel zu bestimmen. „Sie waren in der ersten Hälfte immer dran und auch besser als wir, das muss man zugeben“, sagte Sebastian Retting. Zur Pause führten die Gäste 16:15.

Es war das erwartet enge Spiel, welches es auch im zweiten Abschnitt blieb. Die Führung wechselte einige Male, bis Aschersleben schließlich wenige Minuten vor dem Ende mit einem Tor führte (25:24), in Überzahl war und Ballbesitz hatte. „Doch wir haben einfach nicht getroffen“, sagte Dmitry Filippov, „dafür aber den Ausgleich kassiert.“ Der Trainer haderte noch mit diesen Szenen: „Das war die entscheidende Phase“, sagte er.

Hätte Aschersleben sich kurz vor Schluss auf zwei Tore abgesetzt, wer weiß, vielleicht hätte die Serie noch immer bestand. So jedoch mussten sich die Alligators geschlagen geben. Dennoch befand Dmitry Filippov: „Es war ein gutes Derby.“ Und: „Die Zuschauer können, glaube ich, zufrieden sein - die Staßfurter aber natürlich ein bisschen mehr.“

Spitzenspiel vor der Brust

Ob der Sieg für Staßfurt verdient war oder nicht, konnte am Ende keiner so genau bewerten. „Für mich war ein Unentschieden gerecht, aber so ist Sport“, sagte Trainer Filippov. HV-Kapitän Sebastian Retting meinte derweil: „Man muss auch mal Glück haben.“

Am kommenden Sonnabend hat der HC Aschersleben nun Tabellenführer TuS Radis zu Gast. Das Spitzenspiel - für Aschersleben vielleicht der Start einer neuen Serie?

Rot-Weiß Staßfurt gastiert derweil bei der HG 85 Köthen, die zuletzt sieben Siege in Folge feiern konnte. Doch wie man Serien beendet, weiß Staßfurt ganz genau.