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Handball 3. Liga Bernburg: Das Ende der Niederlagenserie

Der SV Anhalt Bernburg (schwarz) beendete gegen den HSV Insel Usedom seinen Negativlauf.

Der SV Anhalt Bernburg (schwarz) beendete gegen den HSV Insel Usedom seinen Negativlauf.

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Engelbert Pülicher

Bernburg -

Enrico Lampe reichte das Tor zum 5:2 nicht. Er wollte ein Ausrufezeichen setzen. Also spannte er die Muskeln an, ballte die Fäuste und schrie seinen Gegenspieler Florian Fink an. Es muss ein ohrenbetäubender Schrei gewesen sein. Zu hören war er nicht, weil die Fans selbst ohrenbetäubend jubelten. Fink konnte einem fast ein bisschen leidtun. Er hatte versucht, Lampe am Abschluss zu hindern. Zu Boden ging aber nur er selbst. Spätestens da war wohl den meisten in der mit 530 Zuschauern gefüllten Bruno-Hinz-Halle klar, was die Stunde geschlagen hatte.

Großer Kontrast

Der SV Anhalt Bernburg gewann gegen den HSV Insel Usedom mit 29:21. Was fast noch wichtiger erschien als die Deutlichkeit des Sieges, der die Niederlagenserie beendete, war die Art und Weise, wie er zustande kam. Lampes Ausbruch in der achten Minute unterstrich das, was die Mannschaft sich für dieses Spiel vorgenommen hatte.

Dass in den vorangegangenen Spielen etwas nicht mit der Mannschaft stimmte, wurde am Sonnabend deutlich, weil der Kontrast so groß war. Die Mannschaft trat mit dem Biss auf, den sie in der Trainingswoche beschworen hatte. Das Motto „Sicherheit zurückgewinnen“ fand den erhofften erfolgreichen Höhepunkt gegen Usedom. Bernburg war in allen Belangen überlegen, führte zur Pause schon mit acht Toren, im zweiten Durchgang wuchs der Vorsprung zwischenzeitlich bis auf 13 Tore an.

Drei deutliche Niederlagen

Doch wieso brauchte es erst drei deutliche Niederlagen, um sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen, nämlich Handball zu kämpfen? „Ich kann es nicht erklären“, sagte Nicholas Stiebler. Der Kreisläufer hatte ein richtig gutes Spiel gemacht, ließ sich auch nicht von einer Platzwunde an der Lippe stoppen. Nicht nur er ging endlich wieder dahin, wo es wehtut. Steffen Cieszynski holte sich gleich in seiner ersten Angriffsaktion einen Schlag ins Gesicht ab. Gabor Pulay ging mehrfach zu Boden. Und Toni Pajung warf sich auch kurz vor dem Spiel-ende in jeden Zweikampf und holte sich einen Schlag in die Rippen ab.

Ein Teil der Lösung der Bernburger Probleme waren Enrico Lampe und Robin Hoffmann. Beide waren fit und komplettierten die bestmögliche Abwehr. Und die packte so zu, dass man Usedom von Minute zu Minute ansah, dass das keinen Spaß machte, gegen sie zu spielen.

Kommunikation verbessert

Der andere, nicht minder wichtige Teil der Lösung war das, was in der Trainingswoche passierte. „Wir haben viel geredet“, sagte Stiebler. Die Spieler untereinander, der Trainer mit den Spielern, auch der Sportliche Leiter Enrico Nefe trug seinen Teil dazu bei. In diesen Gesprächen ging es auch darum, dass Christian Pöhler den Verein zum Saisonende verlässt. Doch auch handballspezifisch wurde mehr geredet, das Taktikboard kam mehr zum Einsatz. „Vielleicht haben wir nach den Testspielsiegen in Dresden geglaubt, dass es ein Selbstläufer wird“, sagte Nicholas Stiebler.

Vielleicht liegt es in der Natur von jungen Mannschaften, dass sie einen ordentlich Schuss vor den Bug brauchen, ehe sie nach Handlungsalternativen suchen. Das, was festgefahren schien, rollte gegen den HSV Insel Usedom fast stotterfrei. Dass das gegen das abgeschlagene Schlusslicht der Tabelle klappte, soll das Ganze nicht abschwächen, führt der Mannschaft aber auch vor Augen, dass in den kommenden Wochen andere Kaliber auf sie warten. (mz)