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TSV Leuna: Ein Fels in der Brandung

Einer gegen zwei: Die Rotations-Spieler Markus Schindler (2.v.l.) und Nicolas Hildebrandt (M.) kämpfen mit Leunas Michael Kolbe

Einer gegen zwei: Die Rotations-Spieler Markus Schindler (2.v.l.) und Nicolas Hildebrandt (M.) kämpfen mit Leunas Michael Kolbe (r.) um den Ball.

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Eckehard Schulz

Leuna -

Keine Frage, wenn sich Stephan Pfennig zwischen den Pfosten groß macht und noch dazu die Arme ausbreitet, dann kann der Gegner schon ins Grübeln kommen. Fast zwei Meter misst der Torhüter der Landesklassemannschaft des TSV Leuna. „Ich bin 1,97 Meter groß“, nennt der 26-Jährige einen enormen Vorteil auf seiner Position. Den Vorteil konnte er beispielsweise beim letzten Auswärtsspiel seines TSV gegen Rotation Halle bestens nutzen.

Die Gastgeber hatten in der 25. Minute einen Elfmeter zugesprochen bekommen. Pfennig stand vor der Aufgabe, den Vorsprung seines Teams - die Leunaer lagen schon nach einer Viertelstunde durch Treffer von Jens Heinecke (12.) und Elia Wilke (15.) in Führung - zu verteidigen. Und das schaffte er auch. Pfennig hechtete nach links und holte den Ball von der Linie.

In die Augen schauen

Es war die Schlüsselszene in einem Spiel, das der TSV letztlich mit 3:1 gewann. Wilke hatte mit seinem fünften Saisontor in der 57. Minute den dritten Treffer erzielt. „Rotation hat sich gut gewehrt, war immer gefährlich, hatte einige Chancen“, sagt TSV-Trainer Steffen Küch. Doch bis auf das Gegentor von Sebastian Hofmann fast mit dem Pausenpfiff hielt Pfennig seinen Kasten sauber.

Für Küch kein Wunder, auch nicht mit Blick auf die Elfmeterszene: „Stefan Pfennig ist ein Elfmetertöter.“ Der Torhüter selbst musste später schmunzeln, als er das Lob zu Ohren bekam. „Aber da ist schon etwas dran“, sagt Pfennig und erinnert sich an ein Spiel vor fünf Jahren. „Damals habe ich noch in der Landesliga für den SV Merseburg 99 gespielt.“

Ein Spiel gegen den damaligen Ligarivalen Brachstedt bleibt Pfennig unvergessen: „Ich habe damals in der ersten Halbzeit drei Elfmeter gehalten.“ Und auch in der aktuellen Saison hat Pfennig von bislang vier Elfern immerhin zwei entschärft. Woher die Stärke kommt? „Ich schaue dem Schützen immer genau in die Augen.“

Auf die Mimik sowie die Körpersprache achtet Pfennig. „Dann schätze ich ab, ob der Schütze wirklich dort hinschießen wird, wo er hinschaut.“ Beim Elfer in Halle etwa habe der Spieler zu offensichtlich in die andere Ecke geschaut. „Was er vor hat, war abzusehen.“ Oft entscheide sich der 26-Jährige aber auch aus dem Bauch heraus, liege dann oftmals richtig.

Seine Stärken hat er dank seiner Maße ohnehin auf der Linie. Doch Pfennig hat auch einen kleinen Nachteil. „Ich habe doch etwas zu viel auf den Rippen.“ Mehr als 100 Kilogramm bringt er auf die Waage. „Eigentlich zu viel.“ Besonders beim Rauslaufen sei das ein Nachteil. „Bei Sprints um den Ball bin ich manchmal zu langsam.“ Ob ihm das vielleicht die Karriere verbaut haben könnte? Pfennig glaubt das nicht.

Bei 99ern nicht durchgesetzt

„Dass ich mich bei Merseburg 99 nicht durchsetzen konnte, hat mehr mit einem Meniskusschaden zu tun, den ich vor zwei Jahren hatte.“ Pfennig wurde operiert, musste ein halbes Jahr pausieren. „Ich hatte davor beim Trainer eigentlich einen guten Stand.“ Doch während der Verletzung wechselte Steffen Pinzler vom BSV Ammendorf zu den 99ern. Ebenfalls ein vorzüglicher Schlussmann. „Gegen ihn konnte ich mich nicht durchsetzen“, sagt Pfennig.

Also ging er in der Rückrunde der vorigen Saison zum TSV Leuna. Ein Schritt, den er nicht bereut. Die Leunaer steckten mitten im Abstiegskampf. Pfennig konnte helfen, hatte beispielsweise einen Anteil am Erfolg beim späteren Aufsteiger VfL Halle 96 II. Der TSV hielt die Klasse. „Die Mannschaft hat sich, seit ich hier bin, erfreulich gut entwickelt.“

Pfennig staunt selbst, dass der TSV mit 22 Punkten unter den besten fünf Teams der Liga steht. Vor einem Jahr waren es nur elf Punkte. „Dass es so gut läuft, hätte ich vorher nicht gedacht.“ So etwas motiviert, macht hungrig auf mehr. Zweimal in der Woche macht sich der Bundeswehrangehörige also von Sondershausen aus auf zum Training. Pfennig nimmt den Sport ernst und er bringt wie gegen Rotation seine Leistung für den TSV, der in dem 26-Jährigen einen starken Rückhalt hat. (mz)