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Tischtennis-Talent Tino Hergeth vom TSV Merseburg: Das Handgelenk Gottes

Tino Hergeth (schwarzes Trikot) brachte mit seinen Erfolgen gegen die Gäste aus Belgien den TSV auf die Siegerstraße.

Tino Hergeth (schwarzes Trikot) brachte mit seinen Erfolgen gegen die Gäste aus Belgien den TSV auf die Siegerstraße.

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Peter Wölk

Als die Arbeit an der Platte längst vorbei war, mobilisierte Tino Hergeth noch einmal seine letzten Kraftreserven. Der Tischtennis-Spieler nahm seinen Teamkollegen An Le Song in den Arm, hob ihn dabei ein ganzes Stück in die Luft. So sieht ausgelassene Freunde aus. Denn der 35-Jährige konnte wie auch die Zuschauer in der Merseburger Brauhausturnhalle kaum fassen, was sich da gerade ereignet hatte.

Die Tischtennisspieler des TSV Merseburg haben angeführt vom überragenden Tino Hergeth eine sportliche Sensation vollbracht und so für einen Höhepunkt in der mehr als 20-jährigen Vereinsgeschichte gesorgt: Im Tischtennis-Inter-Cup haben die Domstädter am Sonnabend den belgischen Konkurrenten TKK Turnow mit 4:2 besiegt. Damit erreichten sie die dritte Runde in dem europäischen Wettbewerb.

Duell bis an die Grenzen

Ob des unerwarteten Weiterkommens schwankte auch Hergeth zwischen Freude und Staunen. Noch nie hatte der TSV im Inter-Cup auch nur die erste Runde überstanden. Zu stark ist die internationale Konkurrenz in der Vergangenheit gewesen. Selbst Vereine aus der ersten Bundesliga sowie aus weiteren europäischen Spitzenligen mischen schließlich mit. Mit Mühlhausen kommt der Titelverteidiger aus dem deutschen Oberhaus.

In Runde eins kam den Merseburgern das Losglück etwas entgegen. Da ging es gegen einen unterklassigen Verein aus Österreich. Die Belgier waren nun aber ein weitaus größeres Kaliber, vergleichbar in etwa mit einem Team aus der deutschen Oberliga - das wäre drei Klassen höher als der Bezirksligist aus Sachsen-Anhalt. Und die Gäste hatten nicht etwa auf ihre zweite Garnitur vertraut, sondern, um das Weiterkommen sicherzustellen, ihre besten Spieler aufgeboten.

Doch vor allem Hergeth wuchs über sich hinaus, zog durch packende Ballwechsel das Publikum in seinen Bann - und dem Gegner sprichwörtlich den Zahn. Gegen Kris Boogers, die Nummer eins der Belgier, drehte er den dritten Satz, wandelte einen 7:9-Rückstand noch in einen 11:9-Satzgewinn um. Hergeth gewann sowohl seine beiden Einzel als auch das Doppel gemeinsam mit Andreas Liebau. Und als An Le Song im letzten Spiel mit einem 3:0 gegen Stef Cornelissen gewinnen konnte, war die Sensation perfekt.

Hergeth aber musste einräumen, dass ihn die Duelle an eine Grenze geführt hatten. „Noch einen Satz hätte ich auf dem Niveau nicht spielen können“, gab er später zu. Er sei nun nicht gerade als Konditionswunder einzuschätzen. „Ich trainiere ja nur noch einmal in der Woche“, sagte der Familienvater, der als Leiter einer Großküche beruflich eingespannt ist.

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Beeindruckender Siegeslauf

Hergeth profitiert vor allem von seinem Talent. „Er ist das Handgelenk Gottes“, sagt Mutter Gabi scherzhaft über den 35-Jährigen - in Anlehnung an Argentiniens Fußball-Idol Diego Maradona.

In gewisser Weise ist das gar nicht so weit hergeholt. Denn Hergeth hatte einst als Fußballer seinen sportlichen Weg in Angriff genommen. „Beim SV Merseburg 99 habe ich im Nachwuchs gespielt, aber schon mit zwölf Jahren gemerkt, dass ich nicht zu den Laufstärksten gehöre.“

Interesse besteht aber immer noch an den 99ern. Auch weil Hergeths ältester Sohn, der neunjährige Pepe, dort regelmäßig die Fußballschuhe schnürt. Hergeth selbst hält es lieber mit den kleineren Bällen. Seit 23 Jahren spielt er für den TSV. Als der Verein vor 15 Jahren den Aufstieg in die Regionalliga schaffte, damals die dritthöchste Liga im deutschen Tischtennis, war Hergeth mit von der Partie. Und auch nach den Abstiegen bis runter in die Bezirksliga blieb er dem TSV treu, ließ sich nicht abwerben. „Hier stimmt es einfach menschlich. Ich fühle mich wohl.“

Zur Zeit stimmt es bei den Merseburgern aber auch sportlich. Nicht nur bezogen auf den Inter-Cup. In der Bezirksliga Halle-Burgenlandkreis-Saalekreis liegt der TSV nach der Halbserie an der Spitze. Hergeth hat in der Liga alle seine 16 bisherigen Spiele gewonnen. Seine letzte Niederlage ist lang her. 2014 hat er nach eigener Aussage sein letztes Spiel verloren. Ein beeindruckender Lauf, der aus Sicht der Merseburger ruhig noch ein ganzes Weilchen halten kann.

Vielleicht auch in der nächsten Runde im Inter-Cup. Auch wenn das angesichts des hochklassigen Teilnehmerfelds immer schwieriger wird. Der kommende Gegner muss noch ermittelt werden. Für die Merseburger ist aber schon das Erreichen der dritten Runde die Verwirklichung eines Traums, wie Hergeths Jubelarie nach dem überraschenden Triumph deutlich machte. (mz)

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