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Futsal in Querfurt: Mitfavorit TSV Leuna scheitert an Unkenntnis der Spielregeln

Futsal

ESV-Torwart Mario Rudat und sein Teamkollege Daniel Thamm hielten ihr Tor gegen Leunas Michael Schulze (v.l.) sauber.

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Peter Wölk

Querfurt -

Die Regeln im Futsal erhitzen in dieser Hallen-Fußball-Saison erneut die Gemüter. Spieler regen sich über ominöse Schiedsrichter-Entscheidungen auf. Und die Referees sind von den Kickern genervt, weil die sich in der Vorbereitung nicht mit den Regeländerungen beschäftigt haben, die an alle Vereine verschickt wurden. Und so kommt es immer wieder zu Situationen wie der folgenden.

Nur noch zwei Sekunden Spielzeit zeigte gestern die Uhr in der Querfurter Mehrzweckhalle, als plötzlich ein Pfiff ertönte. In der Vorrundenpartie der Hallenkreismeisterschaft zwischen dem TSV Leuna und dem ESV Merseburg stand es wenige Augenblicke vor Schluss 0:0. Für die meisten Zuschauer war das Spiel zwischen dem Landesklasse-Vertreter und dem Team aus der ersten Kreisklasse gelaufen.

Doch dann wurde ESV-Torhüter Mike Dietrich gefoult. Und die Regeln im Futsal wollen es so, dass dieses Vergehen mit einem Strafstoß für den ESV geahndet wird - exakt zehn Meter vor dem Kasten der Leunaer, die in dieser Situation auch keine Mauer stellen durften. Sie kassierten das 0:1 und schieden in der Vorrunde aus.

"Ich will lieber Fußball spielen"

„Hätten wir uns diesen Fauxpas nicht geleistet, wären wir eine Runde weitergekommen“, stellte TSV-Coach Steffen Küch später geknickt fest. Denn dem Favoriten fehlte dazu nur ein Punkt.

Es passte irgendwie ins Bild, dass ausgerechnet die im Futsal so ambitionierten Leunaer an einer Regelneuerung scheitern. Die Kreismeisterschaft unterm Hallendach wird im Saalekreis erstmals nach Futsal-Regeln durchgeführt. Und da bekommt ein Team, das wie Leuna viermal gefoult hat, eben diesen speziellen Strafstoß gegen sich ausgesprochen. Nach den normalen Fußball-Regeln „hätte es einfach einen normalen Freistoß gegeben, der mit Blick auf die Zeit keine Folgen gehabt hätte“, sagte Küch.

Mit der international sehr populären Variante des Hallenfußballs hat sich der Trainer bislang noch nicht recht anfreunden können. „Ich will lieber Fußball spielen“, sagt er und hatte auch gar nicht die Absicht, sein Team für die Meisterschaft zu melden. „Aber meine Spieler wollten das unbedingt.“

Wundern kann das nicht, schließlich gilt der TSV als starkes Hallenteam, gewann im vergangenen Jahr beispielsweise den Stadtwerke- sowie auch den Mitternachtscup. Bei der jüngsten Auflage des Stadtwerkecups waren die Leunaer immerhin erst im Finale an Verbandsligist Imo Merseburg gescheitert. Und bei der Hallenkreismeisterschaft im vergangenen Jahr sprang immerhin ein dritter Platz heraus. Da war die Motivation des Teams verständlich, sich erneut dem Wettbewerb zu stellen.

Auch mit neuen Regeln, mit denen schließlich alle Teilnehmer klarkommen müssen. „Aber für uns war das alles neu und ungewohnt“, betonte Küch. Trainiert habe der TSV nach Futsal-Regeln noch nicht. „Selbst den besonderen Ball haben meine Spieler in Querfurt zum ersten Mal ausprobiert.“ Nur die Regeln fürs Futsal-Spiel hatten sich die Spieler angelesen.

Intensiv nach neuen Regeln trainiert

Ganz anders als die Spieler von Germania Schafstädt. „Wir nehmen die Sache an und versuchen unser Bestes“, sagte deren Trainer Ralf Kobylka. Mit vier Siegen erreichte seine Mannschaft als Gruppensieger die nächste Runde. Im Gegensatz zu den Leunaern haben seine Männer die Regeln nicht nur angelesen, „sondern auch schon danach trainiert“.

Eine Umstellung bedeuten die Regeländerungen auch für die Unparteiischen. Zwei Schiedsrichter sind beim Futsal für eine Partie verantwortlich. „Hierfür gab es im Vorfeld eine Schulung“, sagte Stefan Kupski, Vorsitzender des Schiedsrichterausschuss im Saalekreis. Die Teilnahme war allerdings freiwillig und so sei der Lehrgang auf wenig Resonanz gestoßen. Nur neun Schiedsrichter hatten daran Interesse. In Querfurt mussten gestern vier Schiedsrichter alle 30 Spiele von drei Vorrundengruppen leiten. Ein Mammutprogramm non 9:30 bis 18 Uhr. „Dafür habe ich sogar meinen Urlaub einen Tag vorher beendet“, sagte Kupski, der in Querfurt selbst zur Pfeife griff. (mz)