Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

CV Mitteldeutschland: "Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben"

Gegen den TV Rottenburg gelang den Chemie Volleys (rechts) im Oktober 2015 der letzte Sieg.

Gegen den TV Rottenburg gelang den Chemie Volleys (rechts) im Oktober 2015 der letzte Sieg.

Foto:

Peter Wölk

Halle -

Nein, Ulf Quell hat es dieser Tage dann doch nicht nach Berlin gezogen. Dorthin, wo gerade die Olympia-Qualifikation im Volleyball ausgespielt wird. „Dafür habe ich keine Zeit“, sagt der Trainer des CV Mitteldeutschland, „die Spiele schaue ich mir im Fernsehen an. Das reicht.“

Quell bereut es nicht, der Hauptstadt fern geblieben zu sein. Der Coach hat dafür auch einen guten Grund: Er konzentriert sich kurz vor Rückrundenstart in der Bundesliga ganz auf seine Mannschaft. Das ist auch bitter nötig, um einen Totalabsturz nach der missglückten Hinrunde zu verhindern. „Wir haben ein straffes Trainingsprogramm hinter uns“, berichtet er.

Fünf 0:3-Klatschen in Serie

Dabei ist die Frage, ob der CVM überhaupt noch Chancen auf den Klassenerhalt hat, durchaus berechtigt. Zu groß scheinen die Unterschiede zwischen dem kleinen Provinzverein aus dem Osten und der großen Konkurrenz aus den alten Bundesländern. Seit fünf Spielen hagelt es 0:3-Klatschen in Serie. Die Piraten befinden sich mit gerade mal drei Punkten auf dem Konto und nur sechs gewonnenen Sätzen - den wenigsten aller Mannschaften - abgeschlagen auf dem letzten von elf Tabellenplätzen.

Auch Ulf Quell - selbst ein gebürtiger Hallenser, ein Ostdeutscher - hat diesen Unterschied längst erkannt: „Wir haben hier nicht die finanziellen Bedingungen, um uns teure Spieler zu leisten. Deshalb hat die Mannschaft aktuell nicht die Qualität, um in der Bundesliga mitzuhalten.“

Quells Meinung nach sind die Schwächen der Hinrunde keine hausgemachten. „Natürlich versuchen wir, an gewissen Stellschrauben zu drehen“, sagt er zwar. Aber nicht alles liege in der eigenen Hand: „Das ist, als wenn ein Trabant einen Porsche überholen soll. Das schafft der Trabant nur, wenn der Porsche gerade auf dem Rastplatz steht.“ Trabant und Porsche - zwei Symbole, die die strukturellen Unterschiede in der Bundesliga zwischen Ost und West durchaus widerspiegeln.

Nun hat der CVM in der Theorie zwar noch eine Möglichkeit, die Qualitätsdefizite auszugleichen. Bis zum 31. Januar hat das Transferfenster geöffnet. Doch werden die Piraten bei ihrem knappen Budget überhaupt noch einen Spieler verpflichten können? „Wir werden es zumindest versuchen“, sagt Quell - in dem Wissen, dass sich die finanzielle Situation des Vereins in den nächsten Wochen nicht ändern wird, aber man die Hoffnung auch nicht aufgeben sollte.

Quell nimmt Druck aus Mannschaft

Überhaupt scheint dies das neue Motto des CVM zu sein: die Chance, die man nicht hat, zu nutzen. So nimmt Ulf Quell zumindest den Druck aus seiner Mannschaft. Das kann vielleicht ganz wichtig sein, wenn nächste Woche nach der Winterpause gleich zwei Spiele anstehen: am Mittwoch beim TV Bühl in Baden-Württemberg und am Sonnabend in der heimischen Jahrhunderthalle in Spergau gegen den TSV Herrsching - also gegen zwei Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld.

„Wir haben auch in Bühl eine Chance, etwas mitzunehmen“, sagt Quell ganz locker. Als sei es das Normalste der Welt. Dass die Bühler in der Hinrunde sogar gegen den amtierenden Meister VfB Friedrichshafen gewonnen haben? Scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Dabei weiß der Übungsleiter ganz genau, dass es auch in Zukunft nicht leichter wird.

Aber, so ist momentan die Devise: Es nützt nichts, den Trabant extra anzuschieben. Das ist nur kraftraubend. Da kann man eher hoffen, dass die Porsches mal Rast machen. (mz)



Es gibt neue Nachrichten!

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?