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RTL-Reporterin in Leuna: „Mario Barth“-Beitrag macht es sich einfach

Mario Barth

Mario Barth nahm in seiner Sendung „Mario Barth deckt auf“ auch Leunas Schwimmhalle als Steuergelder-Grab aufs Korn.

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RTL

Leuna -

Kein Projekt ist vor der Sendung „Mario Barth deckt auf“ sicher, auch nicht die Schwimmhalle in Leuna. Am Mittwochabend war dazu ein Beitrag zu sehen. Der Grund: Die Kosten für die Sanierung der Halle sind von ursprünglich geplanten 8,3 Millionen Euro auf bislang bestätigte 19,4 Millionen Euro gestiegen.

Nicht Mario Barth selbst war in Leuna, um einen Blick auf das Projekt zu werfen, sondern die Sportjournalistin und Moderatorin Anna Kraft. In der Sendung am Mittwochabend waren mehrere Prominente an der Seite von Barth, die verschiedenste Fälle von Steuerverschwendung und Behördenirrsinn vorstellten, sei es ein nicht ganz barrierefreier Bahnhof in Solingen oder das neue Tierwohl-Label, das nicht mal Vorgaben hat.

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In Leuna blieb den Zuschauern nur der Blick von außen auf die Halle und die Fassade, an der zum Zeitpunkt des Drehs gearbeitet wurde. Das „kleine, aber feine Schwimmbad“ der Kommune wurde kurz vorgestellt und auch die Entwicklung der Kosten aufgegriffen.

Die Gründe für die enorme Verzögerung und die gestiegenen Ausgaben wurde dabei nur am Rande angeschnitten. Dass die Sanierung nun 19,4 Millionen kostet - nicht wie im Beitrag mit 15 Millionen Euro beziffert - wurde von der MZ mehrfach berichtet.

Dagegen bemühte Anna Kraft mit Entchen-Schwimmhilfe um den Bauch den Vergleich mit dem Berliner Flughafen, „der ist ja auch noch nicht so richtig fertig“. Die Stadt wollte sich in dem Beitrag nicht äußern. Nach drei Minuten war alles vorbei.

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Neue Informationen gab es in dem Beitrag nicht, dennoch ist die Schwimmhalle auch weiterhin Thema von Diskussionen in Leuna, vor allem im eigens dafür gebildeten Schwimmhallenausschuss, dessen nächste Sitzung für den 19. April angesetzt ist.

Peter Engel, Vorsitzender der Fraktion BfL/FDP, sagt: „Es war eine Kettenreaktion.“ Er habe aber von Anfang an im Ausschuss gesessen und hätte nach bestem Wissen und Gewissen abgestimmt. „Wir bauen für die Bürger und stecken uns kein Geld in die eigene Tasche.“ Man habe reagiert, als die ersten Fehler des Planers auffielen.

Ähnlich argumentiert auch CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Meisel: „Ich beteilige mich nicht an einer polemischen Diskussion. Wir wurden informiert und haben gemeinsam reagiert“, sagt er und hofft, dass das Projekt bald ein Ende findet. Es ist eines von vielen Bauvorhaben, das in Leuna umgesetzt wird.

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„Wir hatten Pech und vielleicht wurde zu spät auf die Fehler des Planers eingegangen“, sagt Linken-Fraktionsvorsitzende Gerta Bürkner. Andere millionenschwere Projekte der Stadt würden aber ohne Probleme und vor allem im Kostenrahmen bleiben. Kritischer bewertet dagegen Uwe Berthold, Vorsitzender der SPD-Fraktion, das Vorhaben. Nur spärlich und oft erst auf Nachfrage sei man informiert worden.

Die Diskussion solle auch weiterhin geführt werden, um Fehler in Zukunft bei anderen Projekten zu vermeiden. „Die Schwimmhalle ist das größte und kostenträchtigste, aber auch schwierigste Bauvorhaben, mit dem wir uns in der Nachwendezeit in Leuna beschäftigt haben“, sagt Berthold.

(mz)