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USA: Im Bundesstaat New Mexico ist nur wenig amerikanisch

Uhr | Aktualisiert 31.01.2013 19:07 Uhr

In Santa Fe ist für Bauten der sogenannte Adobe-Stil behördlich vorgeschrieben. (FOTO: PETRA STRELAU)

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Wer als Europäer nicht weiß, dass New Mexico in den USA liegt, muss sich nicht schämen. Auch so mancher Amerikaner nimmt vorsichtshalber seinen Pass mit, wenn er sich in den Südwesten begibt.
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Halle (Saale)/MZ. 

Erst 1912 wurde New Mexico als 47. Bundesstaat aufgenommen. Dennoch kann er die älteste Hauptstadt der USA vorweisen.

Spanische Franziskanermönche errichteten die Missionsstation Santa Fe um 1610 im Tal des Rio Grande. Rasch entwickelte sie sich zu einem bedeutenden Handelszentrum, denn hier endete der legendäre Santa Fe Trail, der die Trecks über 1 000 Meilen von Missouri bis in die Stadt hinein führte. Noch heute drückt Santa Fe mit seinen gerade einmal 75 000 Einwohnern New Mexico, das fast so groß ist wie die Bundesrepublik, seinen Stempel auf. Allerdings auf ganz andere Art.

Wer durch das wenig amerikanische, eher spanisch-mexikanisch-indianisch anmutende Städtchen bummelt, wähnt sich in einem südländischen Freilandmuseum. Die Missionskirche St. Miguel, die älteste Kirche der USA, ist ebenso einen Besuch wert wie die reizende Plaza mit dem Gouverneurspalast, dem ältesten öffentlichen Gebäude der USA. Entlang des Portals breiten Indianer jeden Morgen ihre Decken aus, um Silber- und Türkis-Schmuck oder Töpferwaren anzubieten. Die Originale haben ihren Preis, doch gefeilscht wird nicht.

Nach New York und Los Angeles ist Santa Fe die amerikanische Kunststadt schlechthin und zählt zu den meist besuchten Reisezielen der Vereinigten Staaten. Europäer sind noch relativ selten, sie bevorzugen meist das nahegelegene Las Vegas. Von dort ist es tatsächlich nur eine Flugstunde in das sonnendurchflutete Santa Fe, das 2 100 Meter über dem Meeresspiegel thront. Mehr als 200 Galerien haben sich hier angesiedelt, allein 90 finden sich in der berühmten Canyon Road. Auf einem Kilometer Länge Bilder über Bilder, dazu Skulpturen und Plastiken aller Art. Gemütlich schlendert man von einem originellen Haus zum nächsten - alle einladend offen, nicht nur für die Schönen und Reichen, die hier ihre Kunstwerke erwerben, sondern auch für den Touristen, der nur schnuppern will.

Unzählige Künstler fühlen sich angezogen von dem einzigartigen Licht und den überwältigenden Farbspielen der Wüste, die direkt vor den Toren der Stadt beginnt. Wer erfahren will, woher vor allem die Maler ihre Inspiration nehmen, sollte tatsächlich in die Wüste gehen. Zum Beispiel bei Sonnenaufgang zu den Kasha-Katuwe Tent Rocks, ein Nationalpark auf Indianerland, mit dem Auto in einer Stunde mühelos zu erreichen. Helle, kegelförmige Felsen ragen in den strahlend blauen Himmel. Ein Wanderweg führt durch den engen Canyon hinauf auf ein Plateau mit fantastischer Aussicht bis zu den Ausläufern der Rocky Mountains.

Die beherrschende Farbe der Wüste ist ein Ockerton, der auch Santa Fe und andere Städte New Mexicos prägt. Der Grund: Die meisten Gebäude sind in der traditionellen Adobe-Bauweise errichtet. Adobe ist ein Gemisch aus Lehm, Wasser und Stroh, aus dem einst die Indianer ihre Häuser bauten. Inzwischen ist der Baustil für alle Gebäude Santa Fes vorgeschrieben. Die flachen Häuser mit den abgerundeten Ecken und Kanten machen den unvergleichlichen Charme der Stadt aus. In seiner ganzen Ursprünglichkeit ist der Adobe-Stil in den Indianerdörfern, den Pueblos, zu erleben. 19 gibt es noch in New Mexico, die meisten sind für Touristen zugänglich.

Mit dem Mietauto lohnt sich ein Ausflug in das 100 Kilometer entfernte malerische Städtchen Taos, in dessen Nähe befindet sich die mit 1 000 Jahren älteste, noch bewohnte Indianersiedlung des amerikanischen Südwestens. Bereits die Fahrt dorthin entlang des Rio Grande, die Bergmassive im Blick, ist ein Spaß. Das Unesco-Weltkulturerbe Taos Pueblo kommt als lebendiges Museum daher. Die Häuser sind wie in Stapeln mehrstöckig angelegt. Als Schutz vor Feinden haben sie keine Türen, sondern sind nur über Leitern vom Dach aus zu erreichen. Einblicke in das wahre Indianerleben werden allerdings nicht gewährt. Geöffnet - inzwischen mit Türen - sind lediglich die vielen kleinen Läden, in denen Töpferwaren und Brot aus den igluartigen Lehm-Backöfen angeboten werden.

Bevor jedoch die Pueblo-Indianer ihre ersten Lehmhäuser formten, nutzten ihre Vorfahren, die Ureinwohner Nordamerikas, löchrige, steile Canyonwände für ihre Behausungen. Die durch Erosion entstandenen Löcher bauten sie zu mehrstöckigen Wohnhöhlen aus, zu besichtigen im Bandelier National Park. Bestens ausgeschilderte Pfade führen entlang einer imposanten rötlichen Tuffstein-Felswand, die aussieht wie Schweizer Käse. Am Fuße des Felsens können Höhlen, einige mit beeindruckenden Malereien, ohne große Mühe erklommen werden. Der Bandelier National Park ist ungefähr eine Autostunde von Santa Fe entfernt. Auf dem Weg liegt der Ort Los Alamos mit seinem berühmten Labor, in dem einst die erste Atombombe gebaut wurde. Alte und jüngste Geschichte liegen in der weiten Wüste New Mexicos dicht beieinander.

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