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Schiffstour in Indonesien: Zu den Drachen segeln

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 21:27 Uhr

Segelreise auf dem Schoner Ombak Putih. (FOTO: CARSTEN HEINKE)

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Indonesien ist das viertgrößte Land der Welt und besteht aus 17 508 tropischen Inseln. Einige der schönsten davon können Besucher bei einer Kreuzfahrt kennenlernen.
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Ob es an der "inneren Uhr", den abenteuerlichen Träumen oder am Rasseln der Ankerkette lag - an diesem Morgen sind einige Passagiere der Ombak Putih schon vor Sonnenaufgang wach. Um die Ankunft im "Land der Drachen" nicht zu verpassen, haben sie die Nacht auf dem Deck des kleinen Segelkreuzfahrtschiffes verbracht.

Nach den Inseln Lombok, Sumbawa, Moyo und Satonda sowie unzähligen Schwimm- und Schnorchel-Stopps liegt der hübsche Zweimaster mit den tiefblauen Segeln vor der Küste von Komodo - für die Deutsche Bärbel und die Norwegerin Mona neben den Ausflügen in die schillernde Unterwasserwelt einer der Höhepunkte dieser Seereise durch Indonesien.

Dass Bali wie auf fast jeder Route der Ombak Putih nur als Start- oder Zielpunkt erscheint, ist Absicht. Schiffseigner Dick Bergsma, der die 24 Passagiere und 16 Crew-Mitglieder auf der Fahrt begleitet, liebt die Vielfalt des Landes und zeigt sie gern seinen Gästen.

"Seit ich 1976 zum ersten Mal als Backpacker hierher kam, kann ich nicht verstehen, dass es 17 500 indonesische Inseln gibt, aber fast jeder immer nur von Bali spricht", erzählt der sympathische Holländer. "Bis heute ist es das bekannteste Stück Indonesiens, wohl aber auch das mit den meisten Touristen - ohne Frage wunderschön, doch eben nur einer von vielen traumhaften Plätzen, die das tropische Inselreich seinen Besuchern bietet."

Noch ein bisschen schlaftrunken, aber voller Abenteuerlust, hocken die beiden Kreuzfahrerinnen auf ihren Liegen, schmecken - mitten im europäischen Winter - frische Sommerluft und schauen fasziniert auf die zerklüftete Silhouette von Komodo.

Wie Scherenschnitte aus dem Schattentheater bauen sich die schwarzen, zackigen Felsen auf. Gleich einem Höllenschlund, scheinen sie aus ihrer Mitte das Sonnenfeuer auszuspeien. Erst färbt sein Licht den Himmel lila und orange, die Berge blau, dann golden... Im Handumdrehen ist es hell und wenig später auch schon heiß.

Das Boot legt an. Willkommen in Loh Liang auf Komodo! Die eben in der Dämmerung noch so bedrohlich wirkende Insel, Heimat der nach ihr benannten Warane oder "Drachen", entpuppt sich bei Tageslicht und aus der Nähe als recht freundliches und vor allem sonniges Plätzchen. Dennoch: Die Gewissheit, dass hier menschenfressende Urzeitechsen frei herumspazieren, verleiht der idyllischen Szenerie eine gewisse düstere Note.

"Normalerweise greifen sie Menschen nicht an, meiden den Kontakt zu ihnen und reißen manchmal sogar aus", erklärt Arif, der einheimische Führer. Normalerweise. Mit einem Stock bewaffnet, ermahnt er die Gruppe, stets hinter ihm zu bleiben.

Und da, wie platt auf den trocknen Boden gedrückt, liegen in einer Lichtung zwei erwachsene, knapp zwei Meter lange Komodowarane - absolut bewegungslos. Doch nein, einer hebt den Kopf, öffnet sein breites Maul und züngelt. Offenbar macht er sich nichts aus Mensch und legt sich wieder hin.

"Der letzte Unfall ist zwei Jahre her. Ein Junge aus dem Dorf wurde gebissen und starb wenig später an Gift und Bakterien", berichtet der Guide. Von einem Touristen aus der Schweiz, der vor Jahren bei einer Inseltour verloren ging, wurden später nur ein Schuh und seine Kamera gefunden. Menschen stehen offenbar nur selten auf der Speisekarte der Komodowarane. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass Leichen ausgegraben und verzehrt wurden. Bei den großen Exemplaren gibt es meistens Wild - wie Büffel, Hirsch und Wildschwein, ebenso Hühnchen, Ziege oder Kalb, gerne auch mal Aas. Die kleinen, die noch in den Bäumen leben, fressen Eidechsen, Vögel und Insekten. Insgesamt begegnen den Wanderern an diesem Tag sechs Komodowarane. Wie flink sie sein können, bekommt die leichtsinnige Mona zu spüren, als sie einem zu nahe kommt. Zum Glück ist die junge Urlauberin schneller.

Zurück an Bord geht es weiter Richtung Osten. Als die Sonne sich dem Horizont zuneigt, ruft Dick: "Kommt schnell an Deck!" Riesige Scharen von Flughunden ziehen wie Vogelschwärme über das Schiff hinweg auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen.

Die Kreuzfahrer sind schon da, wo sie heute wieder übernachten - auf dem Sonnendeck. Trotz Müdigkeit kommen sie lange nicht zur Ruhe. Dafür ist der klare Sternenhimmel viel zu schön. Fünf zu drei für Bärbel stand es beim Sternschnuppenzählen, bevor dann endlich alle schlafen.

Mehr Drachen sowie Affen, Mähnenhirsche und wilde Wasserbüffel sieht man bei einer langen Wanderung auf Rinca, der wohl schönsten Insel im Komodo-Nationalpark. Ihre höchste Erhebung, der 667 Meter hohe Berg Doro Ora, bietet eine fantastische Sicht auf die südliche Bucht und auf West-Flores. Dort, im Bergdorf Melo nahe Labuan Bajo, wird die Besatzung der Ombak Putih am nächsten Tag mit einem Gästeritual empfangen - mit selbstgebranntem Palmenschnaps, Betelnüssen und "Caci", einem Kampftanz mit Masken, Schellen, Schild und Peitsche.

Musik und Tanz zum Abschied gibt es am letzten Abend bei einem Strand-Grillfest im Fackelschein - mit der kompletten Schiffscrew als singendes Orchester. An solche Tage wie auf der Ombak Putih will man sich gern gewöhnen...

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