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Österreich: Der perfekte Einstieg

Uhr | Aktualisiert 20.12.2012 22:55 Uhr
Das Alpendorf von St. Johann mit der Gondelbahn (oben rechts) liegt am Fuße des Hirschkogels. (FOTO: OCZLON) 
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Von St. Johann/Pongau und seinem Alpendorf aus erreicht man den größten Skiverbund des Landes: den Ski Amadé.
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Halle (Saale)/MZ. 

Der erste Gedanke, als der Blick auf das seriös gerahmte Bild im Flur zum Hotel-Foyer fällt, ist dieser: Was bitteschön hat Otto Waalkes hier zu suchen? Hat etwa der Kultkomiker aus Ostfriesland im beschaulichen St. Johann-Alpendorf, 60 Kilometer südlich von Salzburg, seine Spuren im Schnee hinterlassen, und das sogar auf Ski? Die Antwort der Rezeptionistin, ein mit feinem Augenaufschlag unterstrichenes "Natürlich", klingt zwar nicht sonderlich überzeugend. Aber das ändert nichts am harten Fakt: Otto, wie ihn alle Welt nur nennt, war hier. Und als Beweis hat er einen handsignierten "Ottifanten" hinterlassen. Gemalt zwar nicht nach einer rasanten Abfahrt im Winter, sondern nach einem Golf-Wohltätigkeitsturnier im Sommer. Immerhin, die Ulknudel aus dem Hohen Norden reihte sich ein in die Reihe jener Promis, die den besonderen Reizen der Gemeinde im Salzburger Land erlegen sind: Profibox-weltmeister Henry Maske ebenso wie Rennfahrer Ralf Schumacher oder der österreichische Vorzeige-Alpin-Profi und dreimalige Weltmeister Benny Raich. Sie alle, wie auch der ganz normale Tourist, werden eines unterstreichen können: Alpendorf - der Name ist Programm, am Fuß der Berge und sympathisch überschaubar.

Auf den Brettern, die für Alpin-Fans die Welt bedeuten, von und bis zur Haustür fahren. Kein Warten auf den in der Hochsaison meist proppevollen Skibus. Dafür die Chance, jede kostbare Minute des zumeist einwöchigen Winterurlaubs in der weißen Pracht zu nutzen - mit diesem Pfund wuchern die Tourismus-Experten im Pongauer Alpendorf. "Bequemer geht's nimmer", betont Erwin Schwarz, der Chef des Alpina Wellness- und Sporthotels, das direkt an der Gondelbahn hinauf zum Hirschkogel liegt.

Das Alpendorf, zwei Kilometer oberhalb St. Johanns, gilt mit seiner Vielzahl an Beherbergungsstätten aller Preisklassen als perfekter Einstieg in Österreichs größten Skiverbund: das Ski Amadé. 356 Pisten aller Schwierigkeitsgrade auf insgesamt 860 Kilometer verteilt, 14 Snowparks für die ganz Jungen und ganz Verrückten unter den Alpin-Freaks, 270 Lifte und Seilbahnanlagen, 260 Skihütten und Restaurants - Fakten, die beeindrucken können. Hinter den nackten Zahlen verbirgt sich Spaß pur. Hat man doch angesichts von fünf zugehörigen Skisportregionen die Qual der Wahl. Egal, ob ich auf den Pisten der Salzburger Sportwelt, in Schladming-Dachstein, auf dem Hochkönig oder in den direkt benachbarten Regionen Gasteiner Tal und Großarltal bin - beim Abschwung vom Berg den Pulverschnee stieben zu lassen, dieses Vergnügen fesselt alle. Selbst wenn es für den Fahrschüler auf Ski oder Snowboard mitunter der ultimativen Herausforderung gleichkommt. Unstrittig: Fesselnd ist das Hochgefühl beim Blick vom 2 027 Meter hohen Kreuzkogel über die grandiose Gipfelwelt hinüber zum Stubnerkogel (2 251 Meter) oder Richtung Reiteralm (1 860 Meter). Sind diese Punkte mit Personenbahn oder Schlepplift erreicht, scheinen die profanen irdischen Sorgen zusammenzuschrumpfen.

Skischaukeln, also Übergänge per Lift oder Abfahrt, verbinden zumindest immer zwei benachbarte Gebiete. Dennoch, an einem Tag auch nur die gesamte Salzburger Sportwelt von St. Johann bis Radstadt zu durchqueren, scheint unmöglich.

Jederzeit drin ist dagegen ein Abstecher hinunter nach St. Johann. Der 11 000 Einwohner zählende Hauptort des Pongaus, eines der fünf Gaue im Bundesland Salzburg, erhielt erst im Juni 2000 das Stadtrecht. Als Wahrzeichen gilt die von den Einheimischen auch als "Dom" bezeichnete Pfarrkirche St. Johannes, Nomen est Omen. Das Bauwerk ist immer sichtbar, jedenfalls von der an der Stadt vorbeiführenden Schnellstraße aus. Trotz langer Geschichte, die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1074, scheint sich der Charme der Stadt zunächst zu verbergen. Zu sehr verdrängen Bausünden der jüngeren Vergangenheit die erwartete, typisch alpenländisch-gemütliche Architektur. Wettgemacht wird dies durch die Herzlichkeit der Menschen in den engen Gassen. Und den Reiz der allgegenwärtigen Masken der Krampusse, jener teufelsähnlichen, mystischen Schreckgestalten, die zu Hunderten in Begleitung des (lieben) Nikolaus jeweils am 6. Dezember weniger brave Kinder tadeln. Später finden sich die Masken, üblicherweise mit Fell, Hörnern und - mancher meint als erotische Komponente - langer roter Zunge ausgestattet, in Schaufenstern und Kneipen der Altstadt.

Das alles kann die Carver, Freestyler, Touren-Skifahrer und Snowboarder im Alpendorf nicht schrecken - der idyllisch gelegenen Ferien-Destination, die in 840 Metern Höhe seit den 70er Jahren neben der Gondelbahn anstelle des ehemals modernsten Einer-Sessellifts Österreichs entstanden ist.

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