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Lappland: Pyha-Luosto ist erfrischend anders

Uhr | Aktualisiert 27.12.2012 17:39 Uhr

Die Region um Luosto ist nicht nur ein beliebtes Skigebiet. Die Winterlandschaft lässt sich auch bei einer Husky- oder Rentier-Tour erkunden. (FOTO: RETTIG)

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Ob Schlittentouren mit Huskys oder Angeln im Eis - auf abgehärtete Aktivurlauber warten im Norden viele Abenteuer.
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Halle (Saale)/MZ. 

Es ist knackig kalt in dieser Winternacht in Luosto. Knapp 20 Grad minus sind es in dem finnischen Dorf ungefähr 90 Kilometer nördlich des Polarkreises, und so gut wie niemand ist unterwegs. Lediglich einen Japaner treffen wir an einer Hütte am See, der Holz hackt und damit das lodernde Feuer anheizt. Wie wir erfahren, ist er vor allem nach Lappland gekommen, um die Polarlichter zu sehen, jene mal grünen, mal blauen, seltener rötlichen Lichtspiele, die bei klarem Wetter hier besonders gut zu beobachten sind. Es soll ein gutes Jahr für Polarlichter sein. Bislang war er jedoch glücklos und auch in dieser, seiner letzten Nacht in Lappland, stehen die Chancen schlecht. "Es ist zu wolkig", sagt er geknickt und legt noch einen Scheid nach. Ob es in den nächsten Tagen bessere Aussichten gibt? Das ist unklar. Daher stürzen wir uns lieber in all die anderen typischen Lappland-Urlaub-Abenteuer, die man auch in Luosto unternehmen kann - dem beschaulichen Ort mit gerade mal ein paar hundert Einwohnern.

Eine der sonderbarsten Möglichkeiten, sich dort die Zeit zu vertreiben, ist das Eisfischen. Dafür fahren wir mit Guide Tuomas Karjalainen auf einem Motorschlitten zu einem nahegelegenen See. Der Bohrer, den er dort auspackt und mit dem wir unsere kleinen Löcher ins Eis drillen, geht ihm fast bis zur Brust. Dagegen wirkt es geradezu drollig, wie klein die Plastikangel ist, die er hervorholt. Ruhig, konzentriert hocken wir schließlich irgendwo im lappländischen Nirgendwo. Von der Kälte ist nichts zu spüren im dicken Thermo-Overall, in dem man aussieht wie ein Michelin-Männchen. Das interessiert die Fische aber ebenso wenig wie der Wurm am Haken. Macht nichts! Dafür können wir hier durchatmen, Gedanken ordnen oder einfach in der Ruhe dieser entlegenen Landschaft den Stress abfallen lassen.

Ruhig ist es auch bei dem Ausflug mit den Rentieren ein paar Minuten außerhalb von Luosto. Nur die Glöckchen, die ihnen um den Hals hängen, bimmeln durch die Stille. Rentiere gibt es viele in Lappland - mehr als 200 000. "Und damit sogar 20 000 mehr als Menschen", sagt Miia Marjaranta, die nahe Luosto auf einer Rentier-Farm arbeitet. Viele werden geschlachtet, werden zu Wurst und Braten. Die geduldigen, durchweg kastrierten Rentierkerlchen, die den Schlitten in der Tagesdauerdämmerung der winterlichen Polarnacht durch den knirschenden Schnee ziehen, blieben von diesem Schicksal verschont.

"Ich habe den Weihnachtmann schon nach seinem geheimen Wort gefragt, der die Rentiere zum Fliegen bringt", erzählt Marjaranta später, als wir uns am Feuer in einem Tipi-ähnlichen Zelt, einer finnischen Kota, wärmen. "Er wollte es mir nicht verraten." Der Weihnachtsmann lebt tatsächlich nicht weit weg, im "Santa Claus Village" direkt am Polarkreis bei der 60 000-Einwohner-Stadt Rovaniemi, wo wir Ville Vaisanen treffen. Auch mit ihm, der früher mal Leibwächter in den USA war, geht es in die Natur. Doch er hat Action im Sinn. Dafür packt er uns in Thermokleidung, und dann wird das Schneemobil gezündet. Laut und mit 115 PS rauschen wir die Piste entlang, bis wir auf einem freien Feld ankommen.

"Jetzt probieren wir mal ein paar Stunts", kündigt Vaisanen an und zeigt das Fahren auf einem Schneemobil-Ski - eines der Kunststücke, die sonst auf dem Programm einer mehrtägigen "Snowmobiling Academy" stehen. Bei den furchtlosen Versuchen wird uns zwar im Overall immer heißer, bis auf ein zweisekündiges Erfolgserlebnis bleiben die Ski der schweren Maschine aber am Boden. "Morgen werdet ihr überall Muskelkater haben", sagt er zum Abschied.

Viel Bewegung ist auch gar nicht nötig, als wir tags darauf Valentijn Beets aufsuchen. Der Holländer ist ein Bär von einem Mann, kräftig und mit Vollbart, er betreibt die "Bearhillhusky"-Farm". Auf dem Plan steht eine dreistündige Schlitten-Fahrt. Während die Hunde aufgeregt den Start der Tour erwarten, bellt Beets erstmal die drei wichtigsten Regeln für die Fahrt mit dem Schlitten heraus. Dann geht es los. Jeder mit eigenem Schlitten und drei oder vier Huskys - je nach Gewicht. Man steht auf zwei schmalen Kufen, dazwischen ist eine Bremse. Das meiste funktioniert über Gewichtsverlagerung, während der kalte Wind um die Nase weht. Wenn man etwas Abstand zum Vordermann hält, wähnt man sich teils ganz allein in der verschneiten Weite Lapplands. Heute sei "langsames Wetter", hat Beets gesagt. Es hat die Nacht hindurch wieder geschneit und im pulverigen Neuschnee schaffen die Huskys nur etwa zehn Kilometer pro Stunde. So allerdings bleibt mehr Zeit für den Anblick des eifrigen Fußtrippelns der Hunde. Die Tour ist der letzte Ausflug auf dieser Reise. Schon am nächsten Tag geht es zurück nach Deutschland.

Wie der Japaner hatten auch wir kein Glück mit den Nordlichtern - es ist nicht der einzige Grund, nach Lappland zurückzukehren.

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