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Jordanien: Jesus stieg zur Taufe in den Pool

Uhr | Aktualisiert 13.12.2012 18:57 Uhr
Diese neue griechisch-orthodoxe Kirche wurde dort gebaut, wo Johannes der Täufer wirkte - im biblishcen Bethanien am Jordan. (FOTO: ANDREI BRUDAN) 
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Das Wüstenland am Toten Meer ist voll biblischer Geschichte. Immer mehr davon holen Archäologen ans Licht.
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Halle (Saale)/MZ. 

Der Staub der Wüste, die das Tote Meer umringt, weht bis in die Oase Wadi Kharrar, die der Prophet Jeremiah im Alten Testament "Dschungel des Jordan" nennt. Vorbei an gelb gefärbtem Schilfgras und Tamarisken-Büschen, dürren, niedrigen Kiefern und Palmen, führt der Weg nach Al-Maghtas, dem biblischen Bethanien. Durch die Zweige schimmert mattes Gold - die Kuppeln eines neuen Gotteshauses, das wie das gesamte Gelände der griechisch-orthodoxen Kirche gehört. Geweiht wurde es Johannes dem Täufer, der hier viele Jahre wirkte.

Der Elias-Hügel ist ein stiller Ort. Nur das Zirpen und Summen der Insekten und Vogelgezwitscher sind zu hören. "Vor 2 000 Jahren war hier sicher mehr los", vermutet Reiseführer Aymn und verweist auf die drei schwimmbadgroßen Steinbecken, wo in frühchristlicher Zeit wahrscheinlich viele Menschen gleichzeitig im Wasser stehend getauft wurden - unter ihnen Jesus von Nazarath.

Breite Marmortreppen führen in die antiken Pools, die, von verschiedenen Quellen gespeist, einst offenbar direkt am Jordan lagen. Der wichtigste Fluss der Bibel, der hier, etwa sieben Kilometer von der Mündung ins Tote Meer, zu Jesus' Zeiten bis zu 300 Meter breit war, fließt heute ein paar hundert Meter weit entfernt - als schmales, schlammfarbenes Bächlein. Zum Greifen nah am anderen Ufer: Westjordanland. Da Al-Maghtas bis zum Friedensschluss zwischen Israel und Jordanien 1994 militärisches Sperrgebiet war, mussten sich die Archäologen lange gedulden, bis sie mit den Ausgrabungen beginnen konnten.

Denn wiederentdeckt hatten sie den Ort am Ostufer des Jordans eigentlich schon 1988 - durch ein paar Mosaiksteinchen. Diese gehören zu einer Karte des Heiligen Landes aus dem sechsten Jahrhundert, mit der ein 16 mal sechs Meter großes Stück Fußboden der St. Georgs-Kirche in Madaba gepflastert wurde. Unmissverständlich zeigt das bejahrte, ursprünglich aus 2,3 Millionen Teilen bestehende, mittlerweile recht ramponierte Puzzlebild den Standort Bethaniens. Mit seiner Hilfe wurde die Taufstelle zusammen mit Resten von Kirchen, Klöstern und Pilgerherbergen freigelegt.

Madaba, das schon im Altertum für seine Mosaikschule berühmt war, pflegt bis heute die "Kunst, mit bunten Steinchen zu malen". Statt an Wänden und Böden wird die Technik jetzt vor allem für mitnahmefreundliche, farbenfrohe Bilder, Vasen, Schalen und Tischchen verwendet.

Wunderschöne alte Mosaiken aus Madaba sind auf dem nahe gelegenen Berg Nebo zu sehen. Von dem 808 Meter hohen Plateau des Abarim-Gebirges blickt man - wie einst Moses - über das grüne Jordantal und das Tote Meer weit in das "gelobte Land" bis zum Ölberg von Jerusalem. Ohne selber das Heilige Land betreten zu dürfen, starb der Prophet auf dem Berg Nebo. An der vermeintlichen Stelle seines Grabes errichteten ägyptische Mönche anno 393 eine kleine Basilika. Weitere Sakralbauten folgten. Zu den raren Überbleibseln eines im sechsten Jahrhundert gebauten Klosters zählt Abu Badd - eine steinerne Scheibe, die als rollende Sicherheitstür vor ungebetenen Gästen schützte.

An der höchsten Stelle des Berges steht ein großes Kreuz mit der ehernen Schlange, das die Israeliten auf ihrem Weg von Ägypten nach Kanaan von giftigen Reptilienbissen heilen sollte. Seine Silhouette erinnert sowohl an das Henkelkreuz der Kopten als auch an das t-förmige Taukreuz der Franziskaner. Deren Orden kaufte 1933 den Gipfel des heiligen Berges, grub die alten Ruinen aus, restaurierte sie und baute daneben ein neues Kloster.

Archäologisch aktiv ist der katholische Franziskanerorden auch auf dem Berg Qalaat, den einstmals Herodes' Festung Machaerus krönte. Heute ist von der mächtigen Burg des römischen Vasallenkönigs nur wenig erhalten. Immerhin steht der Besucher auf Steinen, auf denen die schöne Salome getanzt haben könnte, bevor sie den Kopf des enthaupteten Johannes auf einem Tablett serviert bekam.

Durch das biblische Land Moab mitten im heutigen Jordanien geht es auf der Königsstraße zurück nach Amman, das als Rabba, dem Wohnort der Ammoniter, ebenfalls schon im Alten Testament erwähnt wird. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts überrascht die Hauptstadt des Haschemitischen Königreiches ihre Besucher mit Vielfalt. Spuren biblischer, antiker und islamischer Geschichte prägen ebenso das Gesicht der Zweimillionenmetropole wie moderne Moscheen und Kirchen, elegante Einkaufszentren und Hotels, Cafés und Restaurants.

Viele interessante Ziele lassen sich von hier per Tagesausflug erreichen. Ganz im Norden etwa bietet Umm Qais (lateinisch: Gadara) fantastische Ein- und Ausblicke in das Leben der alten Römer sowie auf die nahen Golan-Höhen und den See Genezareth. Noch mehr Antike gibt es in Jerash (Gerasa), das als eine der besterhaltenen römischen Provinzstädte gilt.

Ebenso unweit von Amman liegen die einzigartig schönen "Wüstenschlösser" Qasr Amra und Qasr Kharana, die Stadtfestung Qasr Azraq, wo Lawrence von Arabien residierte, oder die mittelalterliche Burg Ajloun, die zur Abwehr der Kreuzritter auf den Ruinen eines christlichen Klosters erbaut wurde.

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