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Bei Verspätung: Ansprüche an Airlines und die Bahn

Uhr | Aktualisiert 21.12.2010 11:44 Uhr
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Reiserecht

Schnee und Eis machten dem größten deutschen Flughafen weiter zu schaffen. Reisende sollten sich aber über ihre Rechte im Klaren sein. (FOTO: DPA)

Gestrichene Flüge und verspätete Züge: das Winterchaos bringt Nah- und Fernverkehr teilweise zum Erliegen. Gestrandete Passagiere mussten am Flughafen übernachten, Bahnreisende lange Verstätungen hinnehmen. Ihre Aussichten auf Schadensersatz sind jedoch gut.
Potsdam/dpa. 

Tipps für Flugreisende

Vom aktuellen Schneechaos betroffene Fluggäste haben nach Ansicht von Experten gute Chancen auf Schadenersatz. „Nur wenn die Airline nachweisen kann, dass sie alles getan hat, um die Leute auch auf andere Weise zu ihrem Ziel zu befördern, haben die Gäste keinen Anspruch auf Schadenersatz“, erklärte Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Mit dem Hinweis auf höhere Gewalt durch die starken Schneefälle könnten sich Fluggesellschaften hingegen nicht so einfach aus der Affäre ziehen. „Höhere Gewalt ist es meiner Meinung nach nur, wenn der Flughafen komplett gesperrt ist.“ Ein wichtiges Kriterium höherer Gewalt sei außerdem die Unvorhersehbarkeit, „und die war spätestens seit dem Wochenende zuvor nicht mehr gegeben“, erklärte Fischer-Volk.

Für den Luftverkehr gilt grundsätzlich, dass Passagiere je nach Länge der Flugstrecke 250 bis 600 Euro Schadenersatz fordern können. Von einem Ausfall betroffenen Flugpassagieren riet Fischer-Volk, sich nicht vorschnell mit der Erstattung des Flugpreises abspeisen zu lassen. Sie könnten am Schalter der Fluggesellschaft einfordern, dass sie auf andere Weise, also zum Beispiel per Bus oder Bahn, zu ihrem Ziel gebracht werden. Lehnt das Personal das als unmöglich ab, sollten sich Fluggäste das schriftlich bestätigen lassen. „Denn dann können Sie auf eigene Faust eine alternative Beförderung buchen, und die Airline muss diese bezahlen“, sagte Fischer-Volk.

Tipps für Bahnreisende

Auch Bahnreisende, die um Stunden zu spät am Ziel angekommen sind, haben gute Aussichten, eine Entschädigung zu erhalten. Grundsätzlich erhalten Bahnkunden bei Verspätungen von mindestens 60 Minuten ein Viertel des Fahrpreises für die einfache Fahrt zurück, ab 120 Minuten ist es die Hälfte - sofern sich die Bahn nicht wegen höherer Gewalt entlasten kann. „Das ist eine Frage der genauen Umstände im Einzelfall“, so die Verbraucherschützerin.

Die Bahn müsse für den Hinweis auf höhere Gewalt allerdings nachweisen können, dass sie alle notwendigen Vorkehrungen getroffen hat: „Die Berufung auf Schnee und Kälte reicht nicht aus.“ Damit sie einen Beweis haben, sollten sich Zugpassagiere ihren Verspätung vom Zugbegleiter oder am Servicepoint am Bahnhof schriftlich bestätigen lassen.

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